Im Wintersemester 2007/2008 besuchte ich im Rahmen meines Wahlbereichs Romanistik eine Vorlesung über italienischen und französischen Film aus der Zeit der späten 50er und 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Den französischen Film dieser Zeit kann man unter dem Genrenamen Nouvelle Vague recht gut zusammenfassen. Dabei handelt es sich um experimentelles, unkonventionelles und a priori als unkommerziell geplantes Autorenkino, mit dem man nicht zwingend etwas anfangen können muss - ein paar Vertreter davon zu sehen, schadet allerdings kein Stück. Und schön, dass die Uni mein Näschen da etwas intensiver drauf gestoßen hat.
Die Träumer ist ein noch relativ junger Film. Er spielt im unruhigen Paris des Jahres 1968. Die Protagonisten: ein junger Amerikaner namens Matthew, der in Paris studiert, sowie ein überprivilegiertes Pariser Zwillingspaar (Theo und Isabelle), ebenfalls Studenten. Alle drei sind bekennende Filmfans, sie verehren Marlene Dietrich, Buster Keaton, Charlie Chaplin, diverse Filmemacher, etc., worüber sich die dreisame Freundschaft aufbaut. Als die Eltern von Theo und Isabelle für mehrere Wochen verreisen, haben die drei deren gigantische, bourgeoise Wohnung ganz für sich allein. Dem Zuschauer offenbaren sich die obsessive Liebe der Zwillinge zueinander und ihre zweifelhafte Art und Weise, Matthew bei sich aufzunehmen sowie ihm und sich selbst ihre Zuneigung zu zeigen. Fast der gesamte Film spielt sich innerhalb der elterlichen Wohnung zwischen diesen Drei ab - und mehr Kulisse und Personal braucht Die Träumer auch nicht, zumal der Film auf ein Arsenal an Szenen der Filmgeschichte zurückgreift. Am Populärsten dabei vertreten ist Jean-Luc Godard, dessen À bout de souffle (dt.: Außer Atem) ich hiermit jedem ans Herz legen möchte, der sich dafür interessiert, wie man 1960 Filschnitt und Bildmontage revolutionieren konnte. DER Vertreter des französischen Autorenkinos.
Pro: Dieser Weiterbildungseffekt macht Die Träumer in meinen Augen wertvoll. Auch optisch ist der Film durchaus sehenswert. Schöne Darsteller machen in schönen Kulissen schöne Dinge, bei denen sie sich schön bewegen.
Kontra: Dennoch finde ich, dass die Darsteller holprig agieren, alles wirkt etwas zu konstruiert. Das betrifft meiner Ansicht nach vor allem den historischen Hintergrund von 1968, dem der Film dann doch nicht ganz gerecht wird und den er lediglich ambitioniert aufgreift. Manchmal scheint es wirklich vielmehr um die allzu regelmäßige Zurschaustellung der optischen Vorzüge Eva Greens zu gehen.
Daher...sagen wir mal 6/10 auf meiner Privatskala. Mit dem Zusatz: Trotzdem gucken!




