Mittwoch, Oktober 30, 2013

Filmrückschau

00 Schneider - Im Wendekreis der Eidechse (2013) ... Wie könnte man die Indoorkinosaison besser einläuten als mit dem neuen Helge Schneider-Film? So traf man sich in einer lange Zeit vernachlässigten Viererkonstellation vor der Schauburg - einem Kino, in dem ich überraschenderweise noch nie war. Das Kino ist ganz schön, der Saal 1 ("Ich fühle mich wie im Festsaal vom VfL Bochum!") ist groß, blauweiß und voller flauschiger Sitze, die Mitarbeiter sind lustig, die Preise sind in Anbetracht der Kleinheit des Kinos überraschend groß.
Zum Film: man muss ein Helge-Connoisseur sein, um mit einem positiven Fazit aus dem Kino zu gehen. Im Vergleich zu den grandiosen älteren und jüngeren Klassikern wie Praxis Doktor Hasenbein oder Jazzclub hat dieser Film erstaunliche Längen, und das bei nur 94 Minuten Spielzeit. Ein paar gute neue Gags und ein paar wirklich gelungene Einarbeitungen recycelter Gags machen die Höhepunkte aus. Die von Rocko Schamoni gespielte Figur des Bösewichtes taugt aber leider nicht so viel, auch die Nebenstory mit Tante Tyree finde ich, abgesehen vom Waschmaschinenkauf, eher fade. Doch da ich ein Liebhaber des Helge-Humors bin, kam ich dennoch auf meine Kosten, vor allem durch die vielen kleinen Kleinigkeiten am Rande. Helge Schneider ist einfach ein Meister des gekonnten Fallenlassens von zuvor aufgemachten Erzählsträngen!

Große Erwartungen (1998) ... Selbige hatte ich an diesen Film nicht und das war auch gut so. Wenn ich erwartungsvoll an die Sache herangegangen wäre, wäre ich sicher enttäuscht worden, denn die Schwächen des Filmes fand ich phasenweise eklatant (Dialoge, Kitsch, Gwyneth Paltrow). Abseits davon findet man allerdings viel Schönes: die emotional wichtigen Szenen sind toll gefilmt, das alte Anwesen der noch älteren Mrs. Dinsmoor (supergut: Anne Bancroft) ist wunderschön gestaltet; und vor allem setzt Große Erwartungen Sinnlichkeit gut um, und daran scheitern viele Filme.
Schließlich möchte ich noch etwas zum Regisseur, Alfonso Cuarón, schreiben. Er erstaunt mich mit seiner Vielseitigkeit immer wieder. Von Harry Potter und der Gefangene von Askaban über Children of Men (!!!!!) über jüngst Gravity scheint er so ziemlich alles zu machen und auch zu können. Beeindruckend.

König der Fischer (1991) ... Ich bin kein Robin Williams-Fan. Im Gegensatz zu vielen Menschen auf diesem Planeten kann ich mit ihm nicht viel anfangen, ich finde ihn richtig unsympathisch und irgendetwas stört mich an allen seinen Rollen. Selbst in Filmen wie Der Club der toten Dichter, den ich sehr mag, ist er für mich das Manko. Ich weiß, dass ich diese Meinung recht exklusiv habe, es ist einfach eine subjektive Sache. Da ich aber Terry Gilliam-Filme sehr mag, kam ich dennoch nicht um König der Fischer herum. Hier spielt Williams einen Mann namens Parry, der nach dem gewaltsamen Tod seiner Frau psychisch zusammengebrochen ist und als Ritter den Heiligen Gral sucht, mitten in Manhattan. Mehr oder weniger freiwillig hilft ihm dabei der ehemalige Radiomoderator Jack Lucas (der erstaunlich junge, kaum wiederzuerkennende Jeff Bridges), weil er sich für den Tod von Parrys Frau verantwortlich wähnt.
Ein phantastisches, auch zwischenmenschlich sehr dramatisches und dabei oft urkomisches Gilliam-Spektakel.


Looper (2012) ... Wie jeder Film, der das Thema Zeitreisen umsetzt, löst auch dieser Debatten über seine filminterne Logik aus. Und wie bei jedem dieser Filme kommt man nachher zu dem Schluss, dass zugunsten der Dramaturgie die Logik nicht an allen Stellen wasserdicht ist. Aber mir persönlich macht das nichts aus; wären diese Logiklücken - die nicht stören und innerhalb des Filmes wiederum irgendwie logisch sind - nicht, dann gäbe es nämlich gar nichts zu erzählen.
Looper (mit Bruce Willis, Joseph Gordon-Levitt und Emily Blunt prima besetzt) ist ziemlich viele Filme in einem (Zeitreisenthriller, Film über ein kriminelles Syndikat, Film über Moral, über Liebe zwischen Mann und Frau, Mutter und Kind, Film über Identität, ... und Signs - Zeichen ist er auch) und daran scheitert er vielleicht auch ein wenig. Im Großen und Ganzen ist das aber ein guter Film, der meiner Filmguckcrew und mir eine Menge Diskussionsstoff beschert hat.


Freitag, Oktober 18, 2013

Placebo - Loud like Love



Am 13. September 2013 ist das siebte Studioalbum von Placebo, meiner Jugendliebe, erschienen. Ich besitze es bisher nicht, weiß auch nicht, ob ich das ändern werde (sagenhaft schlechtes Artwork!) ... aber Spotify machts möglich.

1 - Loud like Love ... Auf den ersten Hör ein gefälliges, beschwingtes Liedchen, das hervorragend zur immer noch überraschend klaren Stimme von Sänger Brian Molko passt. Möchte soundmäßig vielleicht ein wenig an Klangperlen wie Black-Eyed oder Slave to the Wage erinnern. Aber insbesondere der fast hymnische Vers "We are loud like love", der am Ende vielfach wiederholt wird, überzeugt nicht so wirklich. (5 von 10 Punkten)

2 - Scene of the Crime ... Der Song beginnt mit rhythmischen Klatsch-geräuschen, die im Soundrepertoire der Band eher ungewohnt sind; auch sonst überrascht es musikalisch. Ganz guter Song, irgendwie groovy. (6/10)

3 - Too many friends ... Der Text des Liedes setzt sich mit den modernen Kommunikationswegen auseinander; damit, dass man nur einen Bruchteil der Menschen, mit denen man auf facebook & Co. befreundet ist, auch wirklich kennt und tagein tagaus dümmlich auf sein Smartphone starrt. Soweit, so ausgelatscht. Der Focus findet, Too Many Friends sei eine "Abrechnung mit sozialen Netzwerken wie Facebook, erinnert textlich an die schlimmsten Schüttelreime der Sportfreunde Stiller". Diese Kritik finde ich nachvollziehbar. laut.de setzt noch einen drauf: "Dabei klingt der mittlerweile 40-jährige Molko wie ein alter Mann, der mit gestelzten Worten und hohem Fremdschamfaktor über Dinge spricht, die er nicht mehr versteht." (3/10)
Dieser Song ist die erste Singleauskopplung des Albums, das dazugehörige Musikvideo finde ich sehr interessant gemacht. Der Erzähler ist übrigens Bret Easton Ellis, der Autor von American Psycho (1991).


4 - Hold on to me ... Auf die Radiogitarre folgt die Frage "Who let the cat out of the bag", im Refrain kehrt der Klatschsound wieder. Musikalisch klingt dieses Lied wie melancholisches Radioeinerlei, das auch von Snow Patrol oder anderen Bands stammen könnte. Später dann setzt ein Orchester ein, schließlich ein Monologpart bis zum Songende. Die Vielfalt ist es schließlich, die dieses Lied doch noch ein wenig besonders macht. (6/10)

5 - Rob the Bank ... Nach den sozialen Netzwerken sind nun die Banken dran. Eine recht platte Angelegenheit. "Rob the bank, take me home and make love", lautet die Zusammenfassung des Textes. Musikalisch könnte das Stück auch vom Vorgängeralbum Battle for the Sun stammen. Näääh. (3/10)

6 - A Million little Pieces ... Es geht mit vielversprechenden Klavierklängen los, die Drums und der Gesang dazu erinnern an alte Zeiten. Doch auch hier ist der Text sehr plakativ geraten ("Whenever I was feeling wrong, I used to go and write a song from my heart, But now I feel I've lost my spark"), teilweise fatal. Musikalisch finde ich es aber im Großen und Ganzen gelungen. (6/10)

7 - Exit Wounds ... Placebo bleiben ihrer Vorgehensweise, das jedes Album ein etwas schwerer zugängliches elektronischeres Stück beherbergt, mit diesem Lied treu. Eines der besseren Lieder des Albums, vor allem das düstere und schwere erste Drittel gefällt mir. Dann bricht, leider nicht so schön wie in Julien von Battle für the Sun der Rock durch den Elektro. Dennoch hörenswert. Der Songtext behandelt das Thema Eifersucht, ziemlich kitschig und auch plakativ, aber hier passt es ganz gut. (7/10)

8 - Purify ... Ein solide schrammelnder Song, in welchem Molko eine Frau und ihre so sinnlich-erotische wie göttlich-karthatische Wirkung auf ihn anpreist. Sexuelle Anziehung wird hier in pathetische Verse gepackt, der Kontrast von Text und Musik in diesem Lied ist eine der ersten interessanten Dinge auf diesem Album. (7/10)

9 - Begin the End ... Fast zum ersten Mal finde ich hier den klassischen Placebo-Klang, zumindest zu Beginn des Songs. Dann ändert sich der Sound, und zwar auf eine Weise, die ich Placebo nach den bisher gehörten Songs des Albums gar nicht mehr zugetraut hätte. Begin the End ist treibend und berunruhigend auf der einen und klar auf der anderen Seite. Großartig. (9/10)

10 - Bosco ... Und schon sind wir am Ende; wie schon einige andere Placebo-Alben endet Loud like Love mit einer melancholischen Ballade. Bosco ist der Name eine italienischen Rebsorte; es geht um einen mit der Alkoholsucht kämpfenden Mann, der seine Partnerin zwar sehr liebt, sie aber wegen seiner Sucht und seines Verhaltens zu verlieren droht. Er lebt in Scham, Schuldgefühlen und verzweifelter Liebe. Musikalisch ist dieses Stück sehr emotionale gestaltet, die orchestrale Musik und die Klavierpassagen passen wirklich gut. Ein versöhnlicher Abschluss. (7/10)

*****

Fazit: Das große Manko dieses Albums liegt in den Texten. Molko scheint endgültig die Inspiration abhanden gekommen zu sein. Musikalisch ist es in Ordnung, ein paar halbwegs originelle Neuerungen und ein paar bewährte und gute Rezepte aus früheren Jahren kämpfen tapfer gegen einen sonst sehr beliebig gewordenen Sound ohne Ecken und Kanten. Das Album lässt mich ganz schön ratlos zurück, mich fragend wie ich mit meiner einstigen Jugendliebe heute umgehen soll - aus Nostalgie behutsam mit der Kritik sein, mich auf die wenigen wirklich guten Momente des Albums stürzen oder mich enttäuscht abwenden? 

Nach der Veröffentlichung der EP B3 im letzten Jahr hatte ich recht große Hoffnungen in dieses Album gesetzt, diese EP wartete nämlich mit sehr kraftvollen, elektrolastigen Songs auf. Das Album aber geht größtenteils in eine sehr andere Richtung. Insbesondere das Politische hat Placebo nie gelegen, die früheren Versuche waren auch allesamt eher gescheiterte Experimente (das Revoluzzer-Lied Spite & Malice, das Anti-Drogen-Lied Commercial for Levi), doch das Bankenkrisen- und das Facebook-Lied setzen da noch einen drauf. Die besten Songs der Band handelten oft von psychischen Ausnahmesituationen und von Außenseitern, von "Verrückten, Perversen oder Minderheiten" (Molko) und den Vorurteilen, mit denen sie kämpfen.

Gesamteindruck: 5 bis 6 von 10 Punkten

Montag, Oktober 14, 2013

Teenie-Playlist-Tag

Aus irgendeinem Grund bin ich im Laufe dieser Woche mal wieder auf die Band HIM gestoßen, der ich mit 15, 16 Jahren naturgemäß ein wenig verfallen war. Daraufhin erinnerte ich mich auch all der anderen Perlen, an denen mein Herz in den frühen 2000ern hing. Eine Auswahlplaylist:

HIM - It's all tears (Unplugged)
Slut - Easy to love
The Dandy Warhols - Boys better


Blackmail - It could be yours
30 Seconds to Mars - A beautiful lie
Placebo - Pure Morning


Muse -Time is running out
Linkin Park - Crawling
Linkin Park - Breaking the habbit


Blink 182 - I miss you
The Ataris - Boys of Summer
Audioslave - Like a stone


System of a Down - Aerials
Queens of the Stone Age - No one knows
Red Hot Chili Peppers - Otherside


und natürlich:
Radiohead - Talk Show Host


Donnerstag, Oktober 10, 2013

+ / -

Was ich mag:
dass ich wieder die Kerzen reaktiviere in diesen dunkleren und kälteren Tagen / den Schwimmengehenplan mit Anja / Flammkuchen / dass ich die Erkältung vorm richtigen Ausbruch eindämmen konnte / meine sich enwickelnde Weihnachtsgeschenkeplanung / Schogetten  / das Lesen der Buchrezensionen bei Amazon - da sind aber auch ein paar Idioten dabei / Filmabende zu zweit und mit Freunden / dass ich wieder weiß, wo meine gelbe Salatschüssel ist

Was ich nicht mag:
wie die Wohnung manchmal riecht, wenn für zwei Tage keiner da war / dass es ein Ding der Unmöglichkeit scheint, dass ich jemals gesunde Haarspitzen haben könnte / wenn Menschen, sogar professionelle Leser, ein Buch nachlässig lesen und darauf ihre Rezension aufbauen / dass meine Oma durch die zunehmende Demenz nicht mehr sie selbst ist / wenn Wein alkoholisch schmeckt / dass ich mich (wir uns) derzeit ein bisschen zu sehr übers Scheitern definiere

Samstag, Oktober 05, 2013

Filmrückschau

Hitchcock (2010) ... Viel Gutes hatte ich im Vorfeld über diesen Film gehört, in Trailern, Kritiken bei Kulturzeit oder in Gesprächsform von meiner Chefin. In meinem Fall hat das leider zu etwas überhöhten Erwartungen geführt. So "spritzig und pointiert" wie angekündigt fand ich die Dialoge nicht. Das Spiel der Hauptdarsteller, vor allem das Helen Mirrens, hat mir zwar sehr gut gefallen, dafür haben die für Attraktivität zuständigen Sidekicks Scarlett Johansson und Jessica Biel nicht gerade überzeugt. Das größte Manko aber ist das wirklich miserable Make Up buw. die Maske, die Anthony Hopkins mehr nach dem Regiealtmeister aussehen lassen soll.
Alles in allem ist das ein amüsanter, kurzweiliger Film, der dem Fan von Psycho die Entstehungsgeschichte dieses Films etwas näherbringt und durchaus sehr starke Szenen hat. Abgesehen davon hat sich der Streifen aber nicht sonderlich tief inb meinem Gehirn verewigt.


Ghost World (2001) ... Thora Birch war um die Jahrtausendwende die geborene Darstellerin des desillusionierten Teenagers. Das hat sie in eindrucksvoller Manier in American Beauty (1999) bewiesen und tut es zwei Jahre später in Ghost World noch einmal. Zwischen diesen Rollen gibt es einige Parallelen; das Nachdenken über diese hat meinen erst euphorischen Eindruck zu Ghost World etwas getrübt. Denn eigentlich finde ich es schwach, dass 'diese Kuh noch mal gemolken wird': wie schon zwei Jahre zuvor in American Beauty spielt sie eine gelangweilte Jugendliche, die gut mit einer blonden Schulschönheit befreundet ist (Mena Suvari/Scarlett Johansson), nur das die Rolle diess Mal etwas schriller und selbstbewusster angelegt ist. Ich hatte inständig gehofft, dass Ghost World vor American Beauty gedreht worden und somit eine originelle Rolle wenig später noch einmal etwas ernsthafter umgesetzt worden wäre. Aber so direkt nach American Beauty hatte ich ein wenig das Trittbrettfahrergefühl.
Aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau! Ghost World ist, für sich betrachtet, ein wirklich liebenswerter und ungeachtet dessen, worüber ich mich eben ausließ, origineller Film, der dem Zuschauer u. a. einen hinreißenden Steve Buscemi liefert.


Adaptation (2002) ... Seit Jahren versuche ich, endlich mal Being John Malkovich (1999) zu sehen, was immer wieder an woran auch immer scheitert. Mit Adaptation habe ich nun im Grunde die ideale Vorbereitung dafür geschaffen, das doch endlich mal in Angriff zu nehmen. Was genau damit gemeint ist, möchte ich aus spoilerischen Gründen hier nicht verraten.
Nur soviel: Adaptation ist ein Film, der mit den Kniffen von Realität und Fiktion gut umzugehen weiß. So ist aus der empirischen Schreibblockade des Drehbuchautors Charlie Kaufman, als er versuchte den 1997 erschienenen Roman "The Orchid Thief" zu verfilmen, ein Film über die Schreibblockade eines Autors namens Charlie Kaufman (Nicholas Cage) geworden, der nicht mit dem Drehbuch für die Verfilmung des Romans "The Orchid Thief" vorankommt. Absolut sehenswert. Und dann guckt ihr euch noch Vergiss mein nicht (2004) an und nachher, in Gedenken an mich, Being John Malkovich.


Dienstag, Oktober 01, 2013

Frauen denken nur: Haare Haare!

Ich gehe nicht allzu gern zum Friseur. Das hat mit einer langen Historie an unglückseligen Friseurbesuchen in meinem Leben zu tun, zu deren Beginn ich dem Haarakrobaten in detailliertesten und schillerndsten Worten mein Anliegen beschrieben habe, hinterher aber ganz und gar nicht so aussah, wie beabsichtigt.

Als ich nach Leipzig zog, habe ich gar nicht erst versucht, einen guten Friseur zu finden, ich bin einfach immer zum Discountfriseur gegangen. Da macht man keinen Termin, sondern zieht, wie beim Amt, eine Nummer und kommt entsprechend dieser Nummer dran. Wenig vertraueneinflößende Friseurinnen verwechseln einen bei der Behandlung ein wenig mit einem Schaf (und sich selbst mit dem Schafscherer), aber am Ende zahlt man rund 10€ und kann sich dank dieser geringen Ausgabe noch nicht mal beschweren.
Zum Spitzenschneiden - meinem häufigsten Haarschneideanliegen - mag das ausreichen. Wenn man dort aber etwas Aufwändigeres, z. B. Haarefärben machen lassen möchte, wird man wohl zwangsläufig enttäuscht. Als ich vor drei Jahren ein kräftiges Goldbraun wünschte, kam ein tiefes Schwarz heraus. Die zuständige Friseurin konnte ich nicht mal verantwortlich machen, weil sie in den Feierabend ging, während die Farbe bei mir einwirkte. Die Kollegin, die mir später die Farbe auswusch, sagte nur, dass das ja nicht ihre Sorge sei. Im Grunde ist man ja auch ein wenig selbst Schuld - was erwartet man dort auch mehr.

Nach diesem ernüchternden Erlebnis beschloss ich, für meine zwei Friseurbesuche im Jahr meine Nerven zu schonen und mein Portmonee zu strapazieren und ging fortan zu einem richtigen Friseur, mit Termin und Beratungsgespräch und so verrückten Dingen. Ich fand auch einen sehr guten und war entzückt: man bekommt Kaffee und Saft angeboten, statt der InTouch oder der Myself kann man die ZEIT, den Musikexpress oder die 11Freunde lesen, beim Haarewaschen gibt es eine Kopfhautmassage und ganz allgemein gute Gespräche (wenn man darauf erpicht ist) und noch bessere Pflegehinweise. Oder kurz gesagt: man wird wie ein Mensch behandelt. Und ich begann, mich auf die Friseurbesuche zu freuen.

Als meine Haarspitzen mir jüngst ihre Gespaltenheit kommunizierten, entgegnete mein Portmonee mit einem strengen Kopfschütteln und die Vernunft siegte: ich ging nach drei Jahren mal wieder zum Discountfriseur. Schon beim Eintreten bereute ich meine Entscheidung: Rihanna schmetterte unerträglich laut aus den Lautsprechern und durch eine Umgestaltung des Ladens wirkt er nun noch unwirtlicher - wie eine zusammengetriebene Herde sitzen die wartenden Kunden auf einer Sitzinsel in der Mitte der Friseurstühle. Ich zog Nummer 88, gerade war wohl die 73 dran und ich richtete mich auf eine etwas längere Wartezeit ein. Als ich den aktuellen Stern nach anderthalb Stunden weitestgehend durchgelesen hatte, begann ich beim Haareschneiden zuzusehen. Das hätte ich um meiner Selbst willen lassen sollen, zum Wohlfühlen trug es sicherlich nicht bei. Die vier anwesenden Friseurinnen zeichneten sich allesamt durch richtig kaputte Haare aus, kaputtgefärbt durch pink-lila Strähnchen auf tiefem Blauschwarz oder Wasserstoffblond. Nennt mich altmodisch, aber das macht in einem Friseurladen keinen guten Eindruck. Ich musste unweigerlich daran denken, wie mir bei dem anderen Friseur aufgefallen war, dass fast alle Mitarbeiter ihre Naturhaarfarbe trugen (und im Besitz von Nachnamen waren).
Auch beim Blick auf die Hände erschauderte es mich: es gab im Discountfriseur keine einzige Angestellte, die keine künstlichen Fingernägel gehabt hätte. Ich meine das gar nicht sozialdarwinistisch oder bildungselitär, ich kenne intelligente Frauen, die sich mit ihren Plastiknägeln einfach schöner finden und das ist ja auch gut so. Mich gruselte der Gedanke, dass es vor diesen langen bunten Krallen auf meiner Kopfhaut in diesem Laden kein Entrinnen gab, da sie sich am Ende jedes Fingers jeder Angestellten befanden.
Obwohl die Kunden gewohnt schafschurmäßig bearbeitet wurden, dauerte es um die zwei Stunden, ehe ich dran kam. Das hat eventuell mit den Raucherpausen der frisierenden Damen zu tun, womöglich auch mit dem vielen Quatschen untereinander, bei dem sie es auch nicht unterließen, in über ihre Kunden in deren Anwesenheit zu lästern. Über das Haareschneiden an sich kann ich nicht klagen. Ich bekam, was ich erwartete, nämlich dass meine Haare gewaschen, gekämmt und anschließend rundum etwa fünf Zentimeter gekürzt wurden. Nachdem ich sie trocken geföhnt habe, zahlte ich ein Drittel des Guter-Friseur-Preises.

Und trotz dieser reichlichen zwei Stunden war die Nummer, die ich ich vor dem Friseurbesuch im Bürgeramt gezogen hatte, immer noch lange nicht an der Reihe.

Samstag, September 28, 2013

Katze: 1, Hund: 0

Schon seit drei Monaten gibt es die Kalender für das kommende Jahr im Einzelhandel zu kaufen. Jedes Jahr ein Bestseller ist der 'Literarische Katzenkalender' von Schöffling, zu recht wie ich finde. 



Direkt daneben hängt der literarische Hundekalender - diese Kombination finde ich weniger poetisch. Und das mangelhafte Poesiepotenzial macht sich auch im Cover bemerkbar:


Der Katzenkalender zeigt eine niedliche Miezekatze in stilsicherem Schwarzweiß. Der Hundekalender zeigt Elke Heidenreich, ihren 30 Jahre jüngeren Partner Marc-Aurel Floros nebst dem gemeinsamen Mops 'Don Vito', wie zum gemeinsamen Beerdigungsbesuch zurecht gemacht. Sieht man das Bild live und in Farbe, stellt es sich als sehr schlecht retuschiert heraus. Gruseliges Foto.

Mittwoch, September 25, 2013

Biertagebuch Wien 2013

Auch Wien hat eine kleine, aber sehr gute Szene an kleineren Privat- und Craftbrauereien zu bieten. Wenn man sich im Vorfeld im Netz etwas beliest, die ein oder andere Adresse heraussucht, kann man abseits der normalen Gasthäuser und Kneipen, in denen die (über)regional populären Biere angeboten werden (die Erzeugnisse von Stiegl, Gösser, Ottakringer, aber auch bairische Biere) eine Menge interessanter Sorten entdecken, die man nur in einem Baugasthof bekommen kann.

1. Siebensternbräu - In diesem sehr gemütlichen und schönen Braugasthaus werden insgesamt sieben selbstgebraute Biere (Link zur Karte) angeboten: ein Wiener Helles (4,7%), ein Prager Dunkles (4,5%), ein Märzen (5,1%), ein India Pale Ale, ein Rauchbier (5,1%) nach Bamberger Art; dazu ein Hanfbier (4,7%) und ein Chilibier (4,7%). Dazu kommen saisonale Bockbierspezialitäten (Osterbock, Maibock, Sommerbock. Herbstbock, Weihnachtsbock, Bamberger Winterbock - es wird also zu jeder Zeit ein Bockbier angeboten). 

Alle Biere sind absolut naturbelassen und unfiltriert. Den Slogan "Hier wird Bierkultur zelebriert", mit dem das vielfach ausgezeichnete Brauhaus einmal gelobt worden ist, trägt man hier absolut zu Recht. Wir haben das Märzen (absolut empfehlenswert!), das IPA (sehr ungewohnter Geschmack für diese Sorte, fast muffig) und das Rauchbier (der Herr im Hause sagt "Sehr gut") probiert und waren hochzufrieden damit, gleich nach der Ankunft in Wien diesen Laden als Lokal zum Mittagessen ausgewählt zu haben. Tolles Bier, schöner Laden, sehr nette und flotte Bedienung, gutes Essen (Schnitzel, selbstredend). Falls ihr mal in Wien seid und gut und günstig essen und Bier genießen wollt, dann ist das eine super Adresse dafür.


2. Vor einem kräftigen Schauer retteten wir uns in "Hoppalas Bieradies" in der Wiener Innenstadt. Hier fanden wir es eher hoppala als bieradiesisch. Das verkostete Villacher Zwickl (5%) konnte zumindest nicht überzeugen. Der Pfefferminztee hingegen war solide ;)
Der Laden ist ganz schön, eine typische Gaststätte mit einer bunten Mischung aus brummeligen einheimischen Herren, Familien und Touristen. Die Villacher Brauerei ist eine große Österreichische Brauereiengruppe, neben klassischen Sorten (Pils, Märzen, Dunkles, Bock, Zwickl) werden hier auch ein Hugo Bier (also mit Holunderblüte und Minze für die Mädels), ein Dünnbier ("Villacher Pur"), ein filtriertes und ein unfiltriertes Radler, ein malzbetontes "Selection Red", ein Oktoberbräu und ein  so genanntes Hausbier fabriziert. Villach liegt nahe Klagenfurt im Süden Österreichs, am Dreländereck Italien-Österreich-Slowenien.

3. Das eigentliche Bieradies liegt dennoch in der Wiener City: die 1516 Brewing Company. In diesem Laden kriegt man nach 19 Uhr eigentlich nur noch Stehplätze, maximal noch einen Tresenplatz. Jeden Abend ist es hier gerammelt voll. Und das hat seinen guten Grund. Zu der wirklich tollen Atmosphäre und dem optisch guten Essen (wir haben hier nichts gegessen) kommt ein Bieranbegot, dass Seinesgleichen sucht. Ausgeschenkt werden hier ein Pils (NZ Dr. Rudi's Wakatu Pils), ein Stout (Eejit's Oatmeal Stout), ein Pale Ale (HopBit Pale Ale); außerdem ein Blond Lager, ein Weizen und ein India Pale Ale (Victory Hop Devil IPA). Und die haben wir wirklich alle probiert. Jedes der Biere ist überdurchschnittlich hopfig, selbst das Stout und das Weizen sind viel herber als alle anderen ihrer Artgenossen wie Guinness, Murphy's oder Paulaner. Das Lager war das einzige, das nicht zu 100% überzeugte, vor allem da es sehr süßlich war. Das Pils ist fruchtig-herb, das Pale Ale ist extrem herb und das IPA setzt der Hopfigkeit die Hopfenkrone auf.

v.l.n.r.: Stout, Pale Ale, Weizen, IPA, Pils, Lager

4. Sonntagnachmittag in Wien, wir kommen gerade aus ein paar Kunstmuseen, die Sonne scheint und wir machen es uns im wunderschönen Café im Palmenhaus im Burggarten gemütlich. Direkt nebenan ist das Schmetterlingshaus, ein paar Butterfliegen können wir sogar farbenfroh schmettern sehen. Die Karte des Palmenhauses ist ganz schön etepetete und so sind es auch viele der Gäste.

Von der Karte der alkoholhaltigen Erfrischungen probiert Monsieur das Schremser Pils (4,5%). Schrems liegt im Norden Österreichs, an der tschechischen Grenze. Die Brauerei bietet neben dem Pils ein Märzen, ein Roggenbier, diverse Radlervariationen, ein Zwickl, ein Hanfbier, ein Bio-Bier, ein 'Premium' und ein Weihnachtsbier an. Ich habe mich für das Ottakringer Radler entschieden. Ottakring ist der 16. Bezirk der Stadt Wien, die Ottakringer Brauerei, deren Produkte man in Wien allerorts bekommt, bietet ein Wiener Helles in verschiedenen Flaschendesigns, ein Pils, ein Dunkles, ein Bock, ein helles und ein rotes Zwickl (s. U.), ein Spezial, ein Biobier, ein alkoholfreies Bier namens 'Null Komma Josef' und besagtes Radler Citrus an. Das Radler ist ganz anders als ich es aus Deutschland kannte. Es ist naturtrüb und im Verhältnis 40 (Bier) zu 60 (Limo). Extrem lecker und erfrischend!

5. Zu Abend essen wir in der Stadtbrauerei Schwarzenberg; es gibt einen mauen Zwiebelrostbraten und einen ganz guten Brauhausgulasch mit Klößen. Auch das Bier verleitet nur zu einem mehr oder weniger wohlwollenden Schulterzucken. Das Helle (5%) ist solide, das saisonal angebotene Honey Ale schmeckt nur nach Honig, das Dunkle (4,9%)  dagegen ist ziemlich gut, sehr süßlich und malzig. 



6. Den Abschluss bildet das Mariahilferbräu direkt neben unserem Hotel, das wir bis dahin nur vom wirklich gigantisch guten und reichhaltigen Frühstücksbuffet kennen (das Hotel selbst hat keinen Frühstücksraum). Probiert wird das Mariahilfer Pils, das sich als ganz normaler, unspektakulärer Vertreter dieser Brauart herausstellt; außerdem das rote Ottakringer Zwickl (sehr malzig und nicht zu süß - sehr gut) und das Paracelsus, ein natürtrübes Bio-Bier aus der Stiegl-Brauerei, das sich durch Malz und eine leichte Säure auszeichnet.

Quellen: stiegl.at und ottakringer.at

Freitag, September 20, 2013

Ich bin Lifestyle

Liebe Leute,

seit Neuestem (Dienstag) führt die LVZ in ihrem Online-Angebot eine Auswahl Leipziger Lifestyle-Blogs. Und ich bin aus irgendeinem Grund dabei, außerdem einige andere mir sehr liebe Blogs und BloggerInnen (z. B. Ulles thatgirlthere und Susann Jehnichens toller Fotografieblog), auch Blogs von kleineren und größeren Stadt- und Netzberühmtheiten wie Konni Winkler oder André Herrmann. Ganz recht, ich werd jetzt berühmt, so wie all die anderen 49 Blogger. Und nachher könnt ihr sagen "Iiiich hab den Blog schon damals gelesen, als sie noch indie und hip war und Wohngeld bezogen hat!"

Dem geneigten Kenner der Leipziger Bloggerszene kann dabei nicht entgehen, dass der Zusammensteller dieser Liste sich nicht davor gescheut hat, die Liste von heldenstadt.de als Inspiration zu nutzen. Kanner ja auch, ne, soller ja ruhig. Der Heldenstadt ist das auch aufgefallen, wie hier nebst weiterer Reaktionen (Tenor: man mag die 'Lifestyle'-Schublade nicht so dolle) anderer 'Betroffener' nachzulesen ist.

Ich geh jetzt mal meinem krassfetten Lifestyle frönen, und halte euch wie immer über mein ereignisreiches Leben zwischen Ladenkasse, Sportübertragung im Öffentlich-Rechtlichen und Schafwollsocken auf dem Laufenden.

Bleibt mir gewogen,
Eure Superblogfrau und Germanistin aus Leidenschaft.

Donnerstag, September 19, 2013

Filmrückschau

Mr. and Mrs. Smith (1941) ... Laut der Hülle der DVD ist dieser Film Hitchcocks einzige Screwball-Komödie. Screwball meint damit, dass die Protagonisten - in diesem Fall ein Ehepaar - sich in Dialogen die Schlagfertigkeiten und Pointen nur so um die Ohren werfen. Und das machen Mr. und Mrs. Smith auch auf höchst unterhaltsame Weise. Dieses seit wenigen Jahren verheiratete Paar hat die Angewohnheit, sich bei einem Streit solange im Schlafzimmer einzuschließen, bis sie sich wieder versöhnt haben - der Rekord liegt bei mehreren Tagen. Außerdem darf pro Monat jeder dem anderen eine Frage stellen, die er wahrheitsgemäß beantworten muss, so unangenehm es auch sei. Schließlich begeht Mrs. Smith den fatalen Fehler, ihren Mann zu fragen, ob er sie - nun da er weiß, wie es ist verheiratet zu sein - ein zweites Mal ehelichen würde ...
Wirklich ein amüsanter, pointenreicher und äußerst kurzweiliger Film - sehenswert!



Kitchen Stories (2003) ... ist eine norwegisch-schwedische Koproduktion voller liebenswerter nordischer Schrulligkeiten. Ausgangssituation: die Fünfziger Jahre, ein schwedisches Forschungsinstitut hat es sich zur Aufgabe gemacht, die perfekte Küche zu konzipieren, indem sie die Laufwege der Hausfrauen analysiert. Die neue große Herausforderung soll es sein, dies auch für den alleinstehenden norwegischen Mann zu tun. Dafür wird ein Dorf in der norwegischen Pampa ausgewählt, dass durch seine überdurchschnittlich große Zahl an männlichen Singles perfekte Voraussetzungen bietet. Also wird die Küche jedes Mannes, der sich zur Teilnahme angemeldet hat, mit einer Art Hochsitz ausgestattet, von welchem ihm von nun an Tag für Tag ein schwedischer Forscher bei der Hausarbeit zusieht. Der schrullige Junggeselle Isak macht sich einen großen Spaß daraus, die Arbeit seines Beobachters zu sabotieren - er beginnt im Schlafzimmer zu kochen, betritt die Küche kaum noch und wenn, dann nur um ein bisschen im Zickzack zu laufen.
Der Film bietet einen humorvollen Einblick in die liebevolle Abneigung dieser beiden skandinavischen Völker füreinander. Aus der skurrilen Grundsituation hätte eventuell etwas mehr gemacht werden können. Trotzdem ist das ein wirklich schöner, mal anrührender, mal morbider und charmanter Film.


 
Syriana (2010) ... wird allerorten als "überaus komplexer Politthriller" mit "einem raffiniert konstruierten Drehbuch" gelobt. Das führe aber auch zu einem "um Orientierung ringenden Zuschauer". Und wie! Zwei Literaturwissenschaftler, ein Medienwissenschaftler und eine Soziologin versuchten kürzlich, bei der Vielzahl an losen Handlungssträngen eine Art Gesamtbild des Filmes zu konstruieren, doch unsere Suche nach einem zuschauerfreundlichen und schlüssigen Bild war vergeblich. Ich denke, dass diese Herangehensweise wohl von Grund auf falsch war. Fakt ist: der Film wartet mit wirklich guten schauspielerischen Leistungen auf und ist sehr intensiv. Eine andere Art von Wertung kann ich aufgrund dessen, dass ich nicht wirklich 'in den Film hineinkam', gar nicht abgeben. 
Kurz zum Inhalt: Es gibt zwei Ereignisse, die die Handlungen der einzelnen Akteure auslösen: einerseits die überraschende Fusion zweier Ölkonzerne, andererseits der Verlust einer Luftabwehrrakete an Terroristen während einer CIA-Aktion im Libanon. Rund um diese Ereignisse sind zahlreiche Personen involviert - Berater, Anwälte, Agenten, arabische Prinzen und Emire, Beamte, Terroristen, religiöse Fanatiker -, sodass es mir schwerfiel, den Überblick über Interaktionen, Verbindungen zwischen dem Personal und vor allem über Namen zu behalten. Zweifelsohne ist dies aber sicherlich ein guter Eindruck über die Komplexität der wirtschaftlichen und politischen Verstrickungen rund um das Ölgeschäft und die Vormacht im nahen und mittleren Osten.