Donnerstag, April 07, 2016

Filmrückschau

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Der bewegte Mann (1994) ... Ich wollte schon länger mal sehen, was an DER deutschen Filmkomödie vor Michael "Bully" Herbig so dran ist. Der starbesetzte Streifen (Til Schweiger, Katja Riemann, Armin Rohde, Joachim Król, Rufus Beck, ...) ist herrlich skurril, spielt mal mehr und mal weniger gekonnt mit Klischees rund ums Schwulsein und unterhält über die 90 Minuten gut. 


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Gnade (2012) ... Dieses deutsch-norwegische Drama hat es in sich. Niels (Jürgen Vogel) und Maria (Birgit Minichmayr) ziehen mit ihrem Sohn im Teenageralter ins nordnorwegische Hammerfest - vor allem um ihre Ehe zu retten. Maria integriert sich schnell, geht in ihrer ARbeit in einem Hospiz auf. Niels fällt das schwerer, zudem beansprucht ihn sein Job sehr. Bald hat er eine Affäre. Und dann tötet Maria während eines nächtlichen Unfalls aus Versehen ein 16-jähriges Mädchen - ausgerechnet das lässt die Eheleute wieder zueinander finden. Toller leiser Film um das Thema Schuld!


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Charlie Hebdo (2015) ... Im Januar, zum erstemn Jahrestag des Anschlags auf das magazin "Charlie Hebdo" lief im Programmkino meines Vertrauens diese Dokumentation. Ja, wir glauben durch die mediale Dauerpräsenz solcher Katastrophen alles über den Ablauf der Ereignisse zu wissen. Aber was für die Menschen, die es er- und überlebt haben, bedeutet, wissen wir nicht. Vielleicht nach diesem Film. Hier kommen die Zeichner und Mitarbeiter zu Wort, die zurückgeblieben sind: zum Beispiel die Karikatirustin Coco, die den Attentätern im Treppenhaus begegnete und mit einer Schusswaffe im Rücken gezwungen wurde, die verriegelte Tür zur Redaktion zu öffnen. Ergreifend.


The Revenant (2015) ... wird hoffentlich nicht nur deswegen in die Geschichte eingehen, weil Leo eeeendlich den Oscar bekommen hat. Dieser Film ist in seiner Bildgewalt, seiner technischen Umsetzung, seiner Epik einzigartig. So wenig Dialog hat sich lange kein auf kommerziellen Erfolg ausgelegter Film mehr getraut.

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Sonntag, April 03, 2016

Der Kyffhäuserkreis ...

... hat tatsächlich was zu bieten! Hier einige Ausflugstipps: 

Sondershausen ist etwas für Musikliebhaber. Das zum Schloss gehörige Achteckhaus ist ein beliebter Veranstaltungsort, man kann hier z.B. regelmäßig das berühmte Sondershäuser Lohorchester spielen hören. Das Renaissanceschloss mit seinen Ausstellungen (Stadt- und Landesgeschichte, Natur und Umwelt, Musik, Kunst in der Wechselausstellungund Ahnengalerie in den historischen Schlossräumen) ist ebenfalls sehenswert, v.a. der Blaue Saal, der Riesensaal, das Liebhabertheater und die Schlosskapelle. Man kann auch schön durch Schlosspark und Lustgarten spazieren. Weitere Ausflugstipps: Das Erlebnisbergwerk und der Freizeit- und Erholungspark auf dem Possen. Hier gibt es Tiere, einen Hochseilgarten, einen Kletterwald, ein Jagdschloss mit Gaststätte, Bungalows, den ältesten und höchsten Fachwerkturm Europas. Die Altstadt kann man sich schenken, Essen gehen kann man in Sondershausen eher schlecht. Mein Tipp: die "Stille Liebe" etwas außerhalb.

Das Sondershäuser Schloss, vom Markt aus gesehen

Auf dem und rund um das Kyffhäusergebirge gibt es auch viel zu sehen und zu erleben. Zuerst ist da natürlich das imposante Kyffhäuser-Denkmal von 1896 mit den Ruinen der Reichsburg Kyffhausen, das schon von weit her sichtbar ist - und von wo man eine dementsprechend gute Aussicht über Thüringen und Sachsen-Anhalt hat. An den Hängen des kleinen Mittelgebirges befinden sich viele weitere Sehenswürdigkeiten. Da wäre die Barbarossahöhle nahe Rottleben (mehr dazu im Ramschladen), die Königspfalz in Tilleda und das Bauernkriegspanorama im "Elefantenklo" bei Bad Frankenhausen. Die Königspfalz ist ein Freilichtmuseum. Hier kann man sich die gut erhaltenen ausgegrabenen Überreste der königlichen Residenz aus dem 10. Jahrhundert ansehen, ehe die Reichsburg Kyffhausen sie als solche ablöste. Das Panoramamuseum zeigt ein riesiges Rundgemälde des Malers Werner Tübke, es steht direkt an einem Originalschauplatz des Bauernkrieges um 1525.

In der Barbarossahöhle

Unweit des Kyffhäusers befindet sich in der Gemeinde Kyffhäuserland das kleine Dorf Bendeleben. Der als "Barockdorf" bezeichnete Ort hat viele historisch bedeutsame Gebäude vorzuweisen, z. B. das Uckermannsche Schloss und das baugleiche Inspektorenhaus, das Neue Schloss (heute eine Seniorenresidenz) mit großem Schlosspark, die Rokoko-Orangerie (Besichtigung auf Anfrage) und weitere architekturhistorisch bedeutsame Gebäude (Forsthaus, Pfarrhaus, St. Pankratius, Mühle). Wer sich für so etwas interessiert, wird hier also auf kleiner Fläche umfassend fündig.

Das Neue Schloss in Bendeleben mit Schlosspark

Donnerstag, März 31, 2016

Filmrückschau

Superschnelle Quick-Edition Teil 2

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Jarhead (2005) ... Was als konventioneller Kriegsfilm beginnt und an ein in den Irakkrieg 1990 verlegtes "Full Metal Jacket" erinnert, wird zu einem fast poetischen Erlebnis. Es geht um die Monotonie des in brütender Hitze monatelang wartenden Soldaten - die von plötzlichen Schockerlebnissen apokalyptischen Ausmaßes gebrochen wird: Sie Soldaten um "Swoff" (Jake Gyllenhall) erleben den Highway of Death und das Schauspiel hunderter brennender Ölquellen, die den Tag zur Nacht machen und Öl regnen lassen. Und am Ende kommt die große Desillusionierung. Super besetzt - und hinterlässt einen bösen Geschmack.

Taxi Driver (1976) ...  Aus der Kategorie: Filme, die ich schon lange mal gesehen haben wollte. Und das lohnt sich! Robert De Niro als vereinsamter, wahnhafter Taxifahrer, der "seine Stadt vom Schmutz" befreien will und eine 14-jährige Jodie Foster als minderjährige Prostituierte. Dafür erhielt sie zahlreiche Filmpreise und als bis dahin jüngste Schauspielerin eine Oscar-Nominierung.

The Wrestler (2008) ... Im Deutschen mit dem unsäglichen Untertiel "Ruhm, Liebe, Schmerz" versehen, erzählt der Film die tragische Geschichte eines abgehalfterten Show-Kämpfers, bei dem es auch privat nicht rund läuft. Intensiv und anrührend gespielt. Ein sehr überraschender Film von Darren Aronofsky, der bis dahin nicht durch klassisches Erzählkino aufgefallen war. 

Der Krieg des Charlie Wilson (2007) ... Trotz üppiger Hollywood-Besetzung (Tom Hanks, Julia Roberts, Amy Adams, Philip Seymour Hoffman) ist diese Polit-Satire weitestgehend blass und unbeachtet geblieben. Solide gespielt, einige urkomische Momente. Aber am bemerkenswertesten ist, dass in der unglaublichen Handlung nur sehr wenig Fiktion und viel reale Historie steckt.

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Hearts of Darkness - Reise ins Herz der Finsternis (1991) ... Diese Doku entstand parallel zu den 16-monatigen Dreharbeiten zu Francis Ford Coppolas Vietnam-Epos "Apocalypse Now". Den gesamten Entstehungsprozess hat seine Frau mit einer 16mm-Handkamera festgehalten. Von Besetzungs- und Ehekrisen, Naturkatastrophen und anderen Dingen, die die Fertigstellung des Films immer wieder in Frage stellten, erfährt der Zuschauer hier - und sieht den eigentlichen Film danach mit anderen Augen.

Montag, März 28, 2016

Filmrückschau

Es hat sich viel angesammelt, deswegen eine superschnelle Kurzausgabe.

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Interstellar (2014) ... Ich scheine fast der einzige Mensch in meinem Umfeld zu sein, der den Film nicht zu lang(atmig) fand. Die philosophische Schiene am Ende geht vielleicht ein bisschen schief und ja, die letzten paar Minuten sind unnötig und klären vielleicht etwas zu viel auf. Aber ich habe ihn genossen. Zumal Science Fiction selten so gut besetzt und herausragend gespielt ist.

Memento (2000) ... Einzigartig gemachtes Drama! Das Besondere: Der Handlungsstrang wird in Schwarzweiß chronologisch und in Farbe in entgegengesetzter Reihenfolge erzählt. Diese Erzählweise korrespondiert mit dem lädierten Gedächtnis der Hauptfigur - Leonard, gespielt von Guy Pearce, kann keine neuen Erinnerungen mehr speichern. Aber das ist eigentlich schon zuviel verraten ...

Half-Baked (1998) ... Kult-Kiffer-Komödie mit David Chappelle, die man wohl auch in entsprechendem Zustand schauen sollte. Denn sonst zünden wirklich nur wenige Gags.

Der verbotene Schlüssel (2005) ... Sehr gut besetzter und atmosphärisch dichter Horrorfilm (Kate Hudson, Peter Saarsgard, John Hurt, Gena Rowlands). Das Grusel-Potenzial der US-Südstaaten wird hier gut ausgereizt. Kam bei der Kritik schlecht weg (unausgegorenes Drehbuch, Vorhersehbarkeit, etc.), mich Memme kriegt man aber auch mit so etwas schockiert. 

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Mikrokosmos - Das Volk der Gräser (1996) ... Französischer Dokumentarfilm über Wieseninsekten. Die Zeitschrift Filmdienst schreibt: "Kein Naturfilm im herkömmlichen Sinn, sondern ein Kommentar zu einer ungeahnten Parallelwelt", und das kann man so auch stehen lassen. Die Doku hat fünf Césars gewonnen (französischer Filmpreis) und war auch in Cannes erfolgreich. Durch die extremen Makroaufnahmen, die Superzeitlupe und Hochgeschwindigkeitskameras sieht man ihm auch auf einem HD-Fernseher sein Alter von 20 Jahren nicht an.


Freitag, März 25, 2016

Neue Reihe: Erfurter Gotteshäuser

Ich bin weder evangelisch noch katholisch, aber Kirchen kann ich viel abgewinnen. Wenn ich mir eine Stadt ansehe, dann zählen die ein, zwei, drei großen Kirchen im Zentrum sicherlich zu meinen Anlaufpunkten. Erfurt, das auch Stadt der Türme genannt wird, ist an Kirchen nicht gerade arm. In den kommenden Monaten möchte ich daher immer mal ein Exemplar vorstellen.

Die Andreaskirche (Markierung) unweit von Domplatz und Zitadelle

Los geht es mit der Andreaskirche am Fuße des Petersberges in der Andreasstraße, direkt an der Straßenbahnhatestelle. Sie gibt dem Viertel, in dem ich wohne, seinen Namen. Der heutige Kirchenbau wurde um 1370 vollendet, wenn auch mehrfach noch erweitert und umgebaut. Erstmals erwähnt wurde die Kirche im 12. Jahrhundert. Sowohl von innen als auch von außen ist sie relativ unscheinbar, birgt aber etwas Einzigartiges: Hier befindet sich seit 1727 das einzige Holzmodell für das Bronzeepitaph, das ursprünglich das Grab von Martin Luther bedecken sollte. 

Ein halbwegs berühmter Thüringer war hier 1772 bis 1781 Pfarrer: Christian Gotthilf Salzmann. Dieser Reformpädagoge hat eine der ersten philanthropischen Schulen im deutschen Raum gegründet, das Philanthropin Schnepfenthal, heute das Sprachenspezialgymnasium "Salzmannschule". Die Andreasglocke bimmelt seit 1599 unbeschadet im Andreasturm. Die Kirche hat täglich geöffnet, meist ist ein ehrenamtlicher Mitarbeiter der Gemeinde da - Vorsicht, die sind äußerst redselig.

Die Andreaskirche

Der Holzepitaph

Im Inneren der Kirche

Dienstag, März 22, 2016

Die Buchmesse in Leipzig

Von Donnerstag bis Samstag war ich in Leipzig, um mir ein paar Lesungen anzusehen. Ich war in diesem Jahr erstmals nicht auf dem Messegelände, dafür aber bei einigen schönen Literaturabenden. 

Am Donnerstag ging es zur Langen Leipziger Lesenacht in die Moritzbastei. Hier geben sich abwechslungsreiche Lesungsblöcke parallel in vier Räumen, preiswerte und leckere Getränke sowie das einzigartige Umfeld der MB die Klinke in die Hand. Besonders gelohnt hat sich Yevgeniy Breyger ("Flüchtige Monde", kookbooks), ein bisschen enttäuscht war ich von Ahne ("Zwiegespräche mit Gott. Das vierte Buch", Voland & Quist). 

Ulrike Almut Sandig in der Galerie Kub

Am Freitag ging es in die Südvorstadt zur Expedition Lyrik. Die (ziemlich kühle) Galerie KUB war der Schauplatz für zehn Autoren und einen Countertenor (Hurz!). Besonders gerne habe ich hier Niklas L. Niskate und Ulrike Almut Sandig zugehört. Niklas macht mit seinen "Privatnachrichten an Lem" (parasitenpresse) fast so eine Art Lautpoesie, Ulrike las ihre Märchen-Adaptionen "Grimm" (Schöffling & Co) in so einem herrlichen Singsang, dass ich ewig zuhören könnte.

Menno Wigman liest seine niederländischen Gedichte, Verleger Adrian Kasnitz die Übersetzungen

Samstag fand die Verlagslesung der parasitenpresse aus Köln statt. Und zwar in einer mir vollkommen neuen Location, der Projektwohnung Krudebude am Stannebeinplatz in Neustadt-Neuschönefeld. In diese Ecke hat es mich in acht Jahren Leipzig nicht verschlagen. Aus dem aktuellen Verlagsprogramm lasen außer dem Herzallerliebsten zum Beispiel der sehr tolle Georg Leß ("Schlachtgewicht") und der niederländische Dichter Menno Wigman ("Im Sommer stinken alle Städte"), der eine richtige Entdeckung für mich war.

Mario Osterland (Bild: Mirko Lux)

Mittwoch, Februar 24, 2016

Was man in Erfurt so machen kann: ein kleines Kulturwochenende

Freitagabend - Konzert im Franz Mehlhose
Bild: www.franz-mehlhose.de

Das Franz Mehlhose ist ein Kulturcafé am südlichen Rand der Altstadt, direkt an der großen Kreuzung Juri-Gagarin-Ring/Löberstraße. Im Erdgeschoss eines schnuckeligen roten Jugendstilaltbaus liegt es also zentral, aber reizlos gelegen - egal, drinnen vergisst man die große Kreuzung draußen ganz schnell. Denn hier ist es gemütlich, es gibt viele leckere Getränke, guten Kuchen und eine Auswahl an kalten und warmen Speisen. Regelmäßig gibt es hier auch Veranstaltungen, von Impro-Theater bis Live-Hörspiel, von Stummfilmabend bis Konzert. 

So zum Beispiel am vergangenen Freitag. Da gaben sich die Grandbrothers die Ehre, ein Duo aus Düsseldorf. Erol klimpert am Klavier und Lukas am Notebook herum. Aber das Klavier ist irgendwie getuned und Lukas drückt auch nicht nur aller zwei Sekunden eine Taste ... Überall im Piano sind kleine Hämmerchen installiert. Der Mann am Notebook steuert sie, er kann damit live auf Saiten, Holz und Metall schlagen, während der andere "ganz profan" den Flügel spielt. Zusammen hat das einen sehr atmosphärischen Klang ergeben, mal treibend, mal melancholisch, aber immer überzeugend.


Das Haus blickt übrigens auf eine lange Historie zurück: 1911 eröffnete Franz Mehlhose in diesem Räumlichkeiten ein Restaurant, in dem es neben einer Kegelbahn und einem Billardsaal auch Musik, Akrobatik und allerlei Amusement gab. 1937 verkaufte seine Witwe das Haus, eine Tischlerei eröffnete. Zu DDR-Zeiten war in dem Gebäude die VEB Kontakt-Bauelemente Berlin untergebracht. 150 Mitarbeiter montierten hier Schalter. Nach der Wende wurden Berufsbekleidung und Brautmoden verkauft. 2008 erwarb der Erfurter Ralf Neues das marode Haus, um es wieder seiner alten Bestimmung zuzuführen. Seit 2010 gibt es das Franz Mehlhose, betrieben von Herrn Neues und seinem Sohn.


Samstagnachmittag - Naturkundemuseum

Das Erfurter Naturkundemuseum habe ich schon öfter besucht. Es ist sicher das beste seiner Art, in dem ich bisher war. Die Dauerausstellung wartet mit vielen tollen Besonderheiten auf, z.B. der Arche Noah im Untergeschoss - hier kann man auf einem auf hoher See wankenden Schiff viele beeindruckend lebendig aussehende ausgestopfte Tiere bewundern und gleich noch etwas über ausgestorbene Arten lernen. Das Ersgeschoss und die drei oberen Stockwerke des Hauses mitten in der Erfurter Altstadt zentrieren sich um einen künstlichen Baum. Von Etage zu Etage kann man ein anderes "Geschoss" der Eiche erkunden. Dazu gibt es viele Tierpräparate in originalgetreu gestalteter Naturumgebung zu sehen und sogar ein paar echte Tiere - Ameisen, Mäuse und Ratten. Ein paar ausgestopfte Tiere darf man auch ganz explizit "streicheln". Viele Spiele laden dazu ein, die Zeit zu vergessen: Welcher Vogel macht diesen Laut? Die Rinde welchen Baumes fasst sich so an? Und man lernt natürlich eine Menge!

Foto: Frank Danz

Tipp: Direkt gegenüber ist die Altstadtkneipe Noah (ich weiß, die Webseite ist nicht so der Knaller). Über 40 Sorten Bier, sensationell gute Kneipenkost und ein urgemütliches Ambiente lassen hier viele Abende länger werden als geplant. Erfurter vom Studenten bis zum Senioren kehren hier gern ein, Touristen eher seltener. Im Sommer hat der wunderschöne Biergarten im Hinterhof geöffnet. Aber der Laden ist beliebt: Sogar unter der Woche empfiehlt es sich zu reservieren. 


Samstagabend - Theater in der Schotte

In der Erfurter Schottenstraße versteckt sich eines der besten Amateurtheater Deutschlands, die Schotte. Zwei-, dreimal die Woche gibt es hier ambitioniertes Schauspiel von Menschen, die das mit Leidenschaft betreiben, aber nie professionell gelernt haben. Die Schotte läuft unter dem Label "Kinder- und Jugendtheater", aber gerade die Abendvorstellungen am Wochenende werden überwiegend von erwachsenem Kulturpublikum besucht. Wir haben uns "Hamlet" angesehen, das anständig inszeniert war, mit clever gemachtem Bühnenbild und originellen Kostümen. Ein paar der Schauspieler haben richtig brilliert, ich möchte hier Johanna Hitzek (Ophelia) herausheben, die sogar in der Thüringer Landeszeitung dafür schon gelobt wurde. Einziges Manko: Manche Schauspieler haben teilweise viel zu leise gesprochen und/oder ihren Text typisch mittelthüringisch weggenuschelt. Das sollte nicht sein, auch wenn sie keine Schauspielausbildung und kein Sprechtraining genossen haben. Für 11 Euro (ermäßigt sogar nur 5,50 Euro) lohnt es sich aber allemal und wir planen, uns dort weitere Stücke anzusehen.

Foto: Die Schotte / Lutz Edelhoff

Dienstag, Januar 26, 2016

Was man in Erfurt so machen kann: Nach Weimar ins Theater fahren

Das Erfurter Theaterhaus habe ich vor geraumer Zeit schon einmal vorgestellt. Nun wurde es Zeit, endlich auch mal eine Vorstellung im Deutschen Nationaltheater in Weimar zu besuchen. Die Wahl fiel auf "Romulus der Große" nach Friedrich Dürrenmatt. An dieser Stelle noch mal ein großes Dankeschön an meine Eltern, die uns zu diesem Theaterabend eingeladen haben - eine "Pflicht", die sie im Rahmen eines Hochzeitsspiels gewonnen hatten.

Am vergangenen Freitag schlitterten wir also zu viert bei -11°C über den vereisten Weimarer Theaterplatz, an Goethe und Schiller vorbei, in das altehrwürdige Haus. Vor dem eigentlichen Stück hatten wir die Möglichkeit, einer kleinen Einführung dazu zu lauschen: im herrschaftlichen Foyer des Theaters sprach die Chefdramaturgin Beate Seidel etwa eine Viertelstunde lang darüber, wie stiefmütterlich dieses Werk von Dürrenmatt bisher an Deutschlands Bühnen behandelt wurde, zitierte besonders bemerkenswerte Dialoge und erzählte im Grunde die Handlung nach. Dazu gönnten wir uns ein Sektchen bzw. Bierchen.

Den Zuschauerraum fand ich, verglichen mit Erfurt, überraschend klein und leider wie so viele ostdeutsche Kulturstätten mit ziemlich sozialistischem Dekor. Das Haus an sich ist äußerlich ein neoklassizistischer Bau von 1907, innen wurde seitdem viel umgebaut, saniert und modernisiert. In Reihe 14 saßen wir sehr gut, mit ausgezeichneter Sicht. Dafür, dass "Romulus der Große" noch keine drei Monate läuft, war aber ganz schön wenig los.

Der sowieso schon sehr komische Text wurde mit vielen Slapstickeinlagen unterstrichen. Manchmal ging es vielleicht ein wenig zu sehr ins Klamaukige - das hatte mich schon an der "Faust"-Inszenierung des DNT gestört. Die Anspielungen auf die Flüchtlingskrise waren größtenteils stimmig und brachten eine angenehme Satire mit ins Spiel. Die Schauspieler, besonders Ingolf Müller-Beck als Kaiser Romulus und Sebastian Kowski als Odoaker, waren wirklich super. Einige aus dem Ensemble waren allerdings ein bisschen leise. Vor allem die Frauenrollen waren sehr überspannt gezeichnet, was ich manchmal anstrengend fand.

Montag, Januar 18, 2016

Filmrückschau

"Tatort"-Sonderausgabe: Stille Gäste sind böse

Ich schaue sonst nicht "Tatort", aber ich sehe Lars Eidinger sehr gern. Und so kam es, dass ich folgende zwei Ausgaben des Kieler Tatorts gesehen habe.

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Borowski und der stille Gast (2012)
Kai Korthals ist ein Täter vonab jeder Moral. Er tötet nicht aus Bosheit, er entzieht sich in seinem Wesen unseren Kategorien. Als wäre er nicht auf dieser Erde aufgewachsen. Bevor er seine, ausnahmslos weiblichen, Opfer umbringt, nistet er sich als "stiller Gast" in ihrem Leben ein. Er verbringt viel Zeit in den Wohnungen der Frauen, benutzt ihre Zahnbürsten, findet Privates über sie heraus, Vorlieben, schickt ihnen dann Pakete mit Sachen, die ihnen gefallen könnten - und stellt die Lieferungen als Postbote selbst zu. Irgendwann beginnen die Frauen zu bemerken, dass etwas vor sich geht. Rufen sie, versteckt unter ihrem Bett, flüsternd die Polizei an - "Er ist wieder in meiner Wohnung, er kommt durch die Wand." - ist es meistens schon zu spät für sie.

Borowski kommt hinter die Sache mit den neuen Zahnbürsten.

Der Kriminalist Klaus Borowski und seine Kollegin Sarah Brandt werden mit dem Fall betraut. Zu diesem Zeitpunkt hat sich Korthals schon für Brandt als das nächste Opfer seines perfiden Stalkings entschlossen. Es entspinnt sich ein Psychospiel, das Sarah Brandt an ihre Grenzen bringt. Am Ende kann Korthals schwer verletzt geschnappt werden. Irgendwie gelingt ihm aus dem Krankenwagen die schier unmögliche Flucht - er kann halt durch Wände gehen.

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Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes (2015)
Drei Jahre später. Die Polizei findet eine völlig unterkühlte, verwirrte junge Frau. Sie war am Ostseestrand einer Kühlstruhe entstiegen, die im Inneren wie ein Sarg ausgekleidet war. Borowski und Brandt werden zu dem Fall hinzugerufen. Die Frau berichtet von ihrem Freund, der sie bald besuchen werde. "Er wird kommen, er kann durch Wände gehen." Dann bricht sie blutend zusammen - im Krankenhaus wir klar: jemand hat ihr ein Kind aus dem Leib geschnitten.

Irrer Typ: Lars Eidinger als Kai Korthals

Sarah Brandt muss nicht zweimal über die Identität dieses Freundes nachdenken: Kai Korthals ist zurück. Auch eine Skizze der schwer verwundeten jungen Frau sieht ihm zum Verwechseln ähnlich. Borowski will davon allerdings erst einmal nichts wissen. Er ist gedanklich viel mehr mit der Wohnungssuche und der anstehenden Hochzeit mit Psychologin Frieda Jung beschäftigt. 

Kai Korthals versucht sich derweil als Vater seines mutterlosen Babys. Als das Kind bewusstlos wird, bringt er es zu einem Arzt und lässt es dort zurück. Der Arzt erkennt ihn einwandfrei wieder. Zu seiner Sicherheit wird das Baby in ein Bundeswehrklinikum verlegt. Doch Korthals will es zurück - er entführt Borowskis Freundin Frieda und sperrt sie in ein scheinbar fenster- und türenloses Zimmer. Er will sie gegen das Baby tauschen. Als er Borowski aufsucht, entwickelt sich zwischen den beiden Männern ein psychologisch aufgeladener Kampf, in dem Borowski mehr als einmal seine dunkle Seite zeigt. Scheinbar willigt er auf Korthals' Forderung ein, dann kommt es zum Showdown. 

***

Die Handlung der beiden Krimis (die eher Psychothriller sind), ist wenig vorhersehbar, Borowski ist ein interessanter, vielschichtiger und charismatischer Ermittler - und Lars Eidinger ein grauenhaft gut gezeichneter Bösewicht. Sollte man vielleicht nicht gucken, wenn man wirklich allein zu Hause ist. Denn vielleicht steht Kai Korthals ja schon seit Stunden in der einen dunklen Nische, an der man immer achtlos vorbei geht.

Mittwoch, Januar 13, 2016

2016!

Ja, mit ein wenig Verspätung kommt auch dieser Blog im neuen Jahr an. Da der Herzallerliebste über den Jahreswechsel mit 40°C Fieber flach lag, haben wir Silvester auf dem Sofa, mit Schokolade, Tee (er) und Sekt (ich) verbracht. So ein paar Wunderkerzen gegen Mitternacht mussten dann aber schon noch sein.



Auch sonst hat sich das neue Jahr eher unspektakulär und sofalastig in mein Leben geschlichen. Die Nachrichtenlage lässt auch nicht so wirklich Partystimmung aufkommen. Trotzdem gibt es viele Dinge, auf die ich mich in 2016 freue - ein paar Tage Stockholm, schöne Stunden mit lieben Leuten, den ersten Hochzeitstag, den Sommer.