Freitag, September 21, 2012

Die Philippuskirche der Gemeinde Lindenau/Plagwitz in Leipzig

Seitdem ich in Lindenau wohne, erkunde ich immer mal wieder die nähere Umgebung zu Fuß oder mit dem Rad, um den Leipziger Westen im Detail kennen zu lernen. Gerade durch die industrielle Vergangenheit dieser Viertel gibt es Einiges zu entdecken - leerstehende Fabrikhallen, die alten Kanäle, nun kulturell genutze ehemalige Industrieanlagen. 

Bei meiner jüngsten Entdeckungsfahrt vor drei Tagen bin ich u. a. zu einer Kirche geradelt, deren Turm ich immer nur aus der Ferne von der Karl-Heine-Straße oder der Amalienstraße aus gesehen hatte. Ich selbst bin nicht gläubig oder irgendeiner Konfession angehörig, aber für Kirchenbauten habe ich seit jeher Interesse gehabt. Ich stieß auf eine Kirche, die schon von Weitem zerfallen und überraschend ungenutzt aussah, die Fenster sind teils kaputt und notdürftig mit Pappen oder Sperrholzplatten abgedeckt, alle Türen verrammelt. 



Direkt an den Kirchenbau schließt ein ebenso heruntergekommenes Wohnhaus an. Man denkt erst gar nicht, dass es bewohnt ist, doch dann entdeckt man in den Fenstern des zweiten Obergeschosses beschriftete Transparente, die für den Erhalt der Kirche und des anliegenden Hauses zu kämpfen scheinen.




Der Zustand von Haus und Kirche hat mich verwundert - handelt es sich doch um einen der besten Standorte in der Stadt! Im Westen schließt direkt der Karl-Heine-Kanal und eine Menge Grün an, die Kreuzung Amalienstraße/Helmholtzstraße ist ruhig und kleinstädtisch und trotzdem nur ein paar Sekunden von der Karl-Heine-Straße entfernt. Alle umliegenden Häuser sind neu saniert, haben riesige begrünte Balkone und stuckverzierte Zimmer.

Leider war nirgends ein Schild oder eine anderweitige Information zum Kirchenbau zu entdecken, nicht mal ein Briefkasten o. ä., auf dem ich den Namen des Gotteshauses erfahren hätte. Dank Google Maps war dieses Problem rasch beseitigt: es handelt sich um die Philippuskirche, die einst das Zentrum der evangelisch-lutherischen Gemeinde Lindenau war. Die Philippusgemeinde wurde mit der Heilandsgemeinde Plagwitz zusammengelegt; seitdem finden alle Gottesdienste in der Heilandskirche, einem neogotischen Backsteinbau an der Erich-Zeigner-Allee statt. Die Philippuskirche ist nun schon seit mehreren Jahren vollkommen ungenutzt, daher rührt der zunehmende Verfall der zwischen 1907 und 1910 erbauten Kirche. Sie ist errichtet worden, weil um 1900 die Mitgliederanzahl der Gemeinde Lindenau so groß geworden war, dass die Nathanaelkirche nahe des Lindenauer Marktes für den immer weiter wachsenden Stadtteil nicht mehr ausreichte. Die Gründung der Philippusgemeinde hing also eng mit der Industrialisierung Leipzigs, von der vor allem die westlichen Viertel profitierten, zusammen. Die spätere Zusammenlegung mit der Heilandsgemeinde Plagwitz resultiert wiederum aus den zunehmend schrumpfenden Mitgliederzahlen und hat ökonomische Gründe.

In den 1990er Jahren, als der Verfall der Bausubstanz bereits fortgeschritten war, sollten die ersten Sanierungsmaßnahmen erfolgen. Die städtischen Fördermittel reichten nicht aus, sodass die Außensanierung unvollendet blieb. 2004 konnte schließlich das Dach saniert und der Gemeindesaal instand gesetzt werden; doch das Innere der Kirche ist nachwievor massiv baufällig - dabei gibt es so viel zu erhalten. Die Kirche beinhaltet viele Jugendstilelemente und eine Orgel der Dresdner Firma Jehmlich, die noch vollkommen im Orginalzustand vorhanden ist; außerdem stellt die Philippuskirche neben der Hallenser Diakoniekirche das einzige Gotteshaus in Mitteldeutschland dar, das nach dem sog. Wiesbadener Programm errichtet wurde. Dieses Dokument aus den 1890er Jahren sah vor, dass alle evangelischen Kirchenneubauten im romanischen oder gotischen Stil errichtet werden sollten. "Die Gemeinde sollte um die liturgischen Hauptstücke Altar, Kanzel, Taufe und Orgel versammelt, der Gottesdienstraum durch den angrenzenden Gemeinderaum erweiterungsfähig sein" (Quelle). Überblicksmäßig empfehle ich hierzu den Wikipedia-Artikel.

Graffiti an der Mauer des angrenzenden Wohnhauses (rechts)

Die Räumlichkeiten wurden zwischenzeitlich an die anglikanische Kirche Leipzig vermietet. Im Juni 2012 hat man die Kirche samt angrenzenden Pfarrhaus als Gebäudekomplex zu einem symbolischen Preis von 1€ an das Berufsbildungswerk Leipzig (bbw) verkauft, das dort ein "diakonisch-missonarisches Projekt" (Quelle) aufbauen möchte. Der Homepage dieses Werks ist zu entnehmen, dass ein Hotel, ein Restaurant und Café mit geistig und körperlich behinderten Mitarbeitern entstehen sollen und der Kirchensaal für offene Veranstaltungen eingeplant ist.

So löblich diese Vorhaben auch sind - in dem ehemaligen Pfarrhaus leben nach wie vor Menschen. Den von ihnen angebrachten Transparenten kann man ablesen, dass sie sich wünschen, dass die Kirche wieder als solche genutzt wird und sie in ihrem Haus wohnen bleiben können. Kein Wunder, bei der Lage.

Etwa 10m von der Kirche entfernt bietet sich dieser Blick

Es handelt sich scheinbar um einen Konflikt, bei dem alle Recht haben - wann kann man das schon mal behaupten? Nachvollziehbar ist der Wille des bbw, die vom Zerfall bedrohte Bausubstanz zu retten, den alten Mauern neuen Sinn einzuflößen. Ebenso ist es das Recht der Bewohner, in ihren Wohnungen wohnen zu dürfen und es abzulehnen, dass daraus Hotelzimmer gemacht werden, da kann das geplante Diakonieprojekt noch so ambitioniert sein.

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Zum weiteren Informieren bzw. Einsehen der von mir als Informationsquellen benutzten Internetseiten:

Freitag, September 07, 2012

Trondheim III

Freitagnachmittag verließen wir also Trondheim, um in Richtung der schwedischen Grenze auf eine Hütte mitten im Nirgendwo zu fahren. Circa 100km mussten dazu nach Osten zurückgelegt werden. In dem Mietwagen, den wir fuhren, nahmen wir auch zwei Freunde meines Cousins mit, ein sehr witziges chinesisches Paar, beide mit perfektem Englisch und einem gesunden Mischmasch aus chinesischen und europäischen Gepflogenheiten. 
Sobald Trondheim und die nähere Umgebung hinter uns lagen, waren Häuser und Menschen rar gesät. Nach einer reichlichen Stunde dann bogen wir von der E14 in eine kleine Landstraße ab, die schnell zum Schotterweg wurde. Mindestens 20Min ging es nun über mehr oder weniger gut befestigte Schotterpisten und über schmalste Holzbrücken. Dann parkten wir vor der Hütte, und stellten schnell fest: das ist ein veritables Landhaus mit großer Küche, Kaminen, vielen Schlafzimmern, Sauna. 


Doch ehe wir uns dort heimisch machen und die umliegende Natur erkunden konnten, ging es noch einmal einige Kilometer mit dem Auto gen Osten, über die Grenze nach Schweden. Eigentlich gehört Norwegen ja nicht zur EU, aber die Zollstation interessiert das wenig. Ich habe nicht ein Auto gesehen, das kontrolliert worden ist. Kurz hinter der Grenze befindet sich auf schwedischer Seite der Ort Storlien, zu dem ein großer Supermarkt der Kette Coop gehört. Die haben wirklich ein großes Sortiment, vor allem verglichen mit den nicht sehr schönen und schweineteuren norwegischen Märkten, in denen die Zahnbürste umgerechnet 3€ kostet. Schweden befindet sich auf einem ähnlichen Preisniveau wie Deutschland, vielleicht einen Tick teurer. Dort wurde viel Bier gekauft (das hatte mein Cousin im Vorfeld bestellt), außerdem alles Mögliche für das Abendessen und Frühstück. Der Abend wurde in entspannter Runde in der Hütte verbracht. Neben meinem Cousin und seiner Freundin, den Chinesen und uns war nun auch ein Paar, das aus einem Deutschen (einem Brand-Erbisdorfer) und einer Ukrainerin bestand, dabei; beides Kollegen unserer Gastgeber.


Der nächste Tag begann - mit einer Einkaufsfahrt nach Schweden. Dieses Mal ging es weiter in das Nachbarland hinein, bis nach Are (man denke sich ein Kringel über dem A, sprich 'Ohre'). Das ist ein bekannter Wintersportort in Schweden und liegt noch einmal 60km weiter östlich als Storlien, wo wir am Vortag gewesen waren. Auch dort gingen wir in einen Markt der Coop-Kette, dieser war aber ungleich größer und besaß einen separaten Getränkemarkt mit gigantischer Wein- und Spirituosenabteilung; dazu Bier aus der ganzen Welt. Dagegen sah sogar der Duty Free-Shop am Flughafen Trondheim alt aus. Nach dem erneuten Alkohol- und Lebensmittelshopping (Grillgut!) fuhren wir zum Haus zurück. Die Autofahrten mögen uns lang erscheinen und der Aufwand groß, nur für ein bisschen einkaufen, aber die Relationen sind in Skandinavien, wo sich nicht Ortschaft an Ortschaft reiht, ganz andere. Zudem boten die Fahrten eine Menge toller Landschaft - die Strecke von der Hütte über Storlien nach Are führt über das Fjell. Für alle, denen Geo in der sechsten Klasse egal war: das sind baumfreie, vom Eiszeiteis rundgerubbelte Hochlandflächen in Skandinavien. So sieht das in etwa aus:


Und mit Natur ging es auch gleich weiter, denn nach dem Einkauf sind wir mit meinem Cousin auf eine etwa dreistündige kleine Wanderung, oder eben einen ausgedehnten, zügigen Spaziergang, aufgebrochen. Das Wetter hat Gott sei Dank das ganze Wochenende gehalten. Wir haben eine Menge Heidelbeeren und Moltebeeren gefuttert, die überall wachsen und niemals abgenascht zu sein scheinen. Auf den ersten Blick erscheinen Flora und Fauna sehr karg, wenn man genauer hinsieht, entdeckt man viel Essbares, Pilze, vor allem bodennah wachsende Pflanzen. Leider haben wir weder ein Schneehuhn noch einen Elch gesehen.




Auch der Abend dieses Tages wurde wieder lang und schön. Es stießen noch ein paar deutsche Freunde, die alle an der Uni Trondheim arbeiten, dazu. Einer davon brachte seine zwei Kinder mit, vor allem die kleine Ingrid (3) hatte sofort alle für sich eingenommen. Die Kinder wurden in Norwegen geboren, von wo auch ihre Mutter stammt; Ingrid versteht deutsch, spricht es aber kaum. Der Junge, Johannes, etwa 7 Jahre alt, spricht sowohl norwegisch als auch deutsch problemlos. Und obwohl die Nacht kalt und regnerisch wurde, schliefen die Kiddies draußen im Zelt. Am Morgen weckte Ingrid uns alle gegen 10 Uhr, indem sie zwei Topfdeckel als Becken benutzte, und in jedem der Schlafzimmer auftauchte ... ;)

Nach dem Frühstück, dem Packen und Reinigen des Hauses machten wir einen dritten Abstecher nach Schweden, weil die Chinesen auch noch ein paar Lebensmittel erhaschen wollten - in Schweden hat alles auch zum Sonntag offen, altes Schlaraffenschwedenland. Den Abend verbrachten wir wieder in der Wohnung meines Cousins, sahen norwegischen Erstligafußball, der dort ganz selbstverständlich live im Free-TV läuft - das müsste uns in Deutschland mal passieren. Rosenborg Trondheim spielte daheim gegen Viking Stavanger aus dem Süden des Landes. Wir hatten auch überlegt, ins Stadion zu gehen und das Spiel vor Ort zu schauen, aber wir waren platt und auch pleite.

Am nächsten Morgen - um 4:30 Uhr - ging es dann auch schon wieder zum Flughafen. Bei Sonnenaufgang und Morgennebel konnte ich aus dem Fenster die norwegische Landschaft bewundern, habe Gletscher, Seen und tiefe Täler gesehen. Dieses Mal hatten wir ganze 4h Aufenthalt am Amsterdamer Flughafen. Dann ging es wieder Richtung Berlin / Tegel und mit dem Zug wieder nach Leipzig. Erst gegen 19:00 Uhr am Abend kamen wir wieder daheim an ...

Montag, September 03, 2012

Trondheim II

Erstmal: Tadaaaa! Das ist der 400. Post! Außerdem hatte der Blog neulich 6. Geburtstag und seinen 20.000. Besucher! Leider zählt die Besucherzählung erst seit 2009, die ersten drei Blogjahre sind da also gar nicht mit drin. Neuerdings ist das Germanistinnenwerk übrigens auch in einer Auflistung Leipziger Blogs bzw. Leipziger Blogger vertreten (guckst du hier).

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Der zweite Trondheim-Tag war wesentlich freundlicher als der erste, was das Wetter betraf. Nach der obligatorischen Straßenbahnfahrt in die Innenstadt, die jedes Mal einen tollen Blick auf Trondheim bot, wurde als erstes das Schiffahrtsmuseum angesteuert. Dieses liebevoll gemachte Museum bietet vor allem eine Menge Schiffsmodelle und Informationen über die Schifffahrt und den Schiffbau Norwegens im Wandel der Zeit. Hatte es in früheren Jahrhunderten nur Handelsschiffe und die Königliche Flotte gegeben, musste man im 19. Jahrhundert auf die steigenden Touristenzahlen vor allem aus Deutschland und England reagieren und baute zunehmend auch Passagierschiffe und Fähren. Es gibt auch einen tollen kurzen Film zu sehen über einen mittlerweile greisen Mann aus Trondheim, der als Jugendlicher im Hafen der Stadt zum Matrosen ausgebildet wurde und aus jener Zeit berichtet. Und für Kinder gibt es auch eine Menge - sie können sich als Matrosen und Kapitäne verkleiden und in Kajüten spielen. Ich habe nur Ersteres gemacht ;)



Dass es in Trondheim viel Kunst zu sehen gibt, hat der vorige Beitrag ja bereits angedeutet. Aber es gibt sogar noch mehr ;). An allen Ecken sieht man Galerien und wundert sich, wieviele davon eine 180.000-Einwohnerstadt wohl verkraftet. Ein besonderes Kunstwerk erwartet den Besucher an überraschender Stelle: im Untergeschoss des Sitzes der Sparebank. Dort wird in einem separaten Raum das Werk "Salamandernacht" des einheimischen Künstlers Kjell Erik Killi Olsen ausgestellt. Dieser hatte es 1989 für die Biennale in Sao Paulo geschaffen. Es besteht aus 72 humanoiden Skulpturen, die jeweils über drei Meter hoch sind. Die Botschaft des Werkes ist ein Protest gegen die Abholzung des brasilianischen Regenwaldes - in der Tat erinnern die Figuren etwas an tote Baumstämme. Nach der Biennale hat der Künstler die "Salamandernacht" der Stadt Trondheim geschenkt.



Ebenfalls im UG dieser Bank befindet sich eine Kirchenruine aus dem 12. Jahrhundert. Diese Überreste waren während der Bauarbeiten der Bank entdeckt worden und können nun gratis während der Öffnungszeiten besichtigt werden. Zu sehen sind die Grundmauern; außerdem kann man sich umfassend und interaktiv über den früheren Kirchenbau und die Stadtgeschichte belesen.


Es geht zurück in Richtung des Marktes. Neben dem früheren Hauptsitz der hiesigen Freimaurerloge befindet sich hier auch die romanisch anmutende Liebfrauenkirche. Ganz im Gegensatz zum kühlen, durch seinen horrenden Eintrittspreis abschreckenden Dom empfängt diese schlichte Kirche den Besucher sehr warm und herzlich. Innen bietet die karitative Stadtmission Kaffee an, es proben gerade ein Violinist und der Organist. Vor allem ältere, finanziell bedürftige Menschen halten sich hier auf. Eine mir wenig sympathische Ukrainerin wird mir später berichten, dass das ein eher asozialer Ort sei - ich aber fand die Atmosphäre und die gute Laune in dieser Kirche wunderbar.



Dann schlenderten wir in Richtung des imposanten, auf einer Anhöhe thronenden Hauptgebäudes der NTNU (Naturwissenschaftlich-Technische Universität Norwegens). Mit ca. 20.000 Studenten ist dies die zweitgrößte Uni des Landes. Neben technischen und naturwissenschaftlichen Studiengängen kann man hier auch Kunst und Geisteswissenschaften studieren. Wie es der Zufall so will, habe ich just im Juli eine Germanistikstudentin dieser Uni kennen gelernt, als ich Beisitzerin bei mündlichen Prüfungen von Erasmusstudenten hier in Leipzig war. Auf dem Weg zum Unihauptgebäude kam die Sonne heraus und versteckte sich an diesem Tag auch nicht mehr. 

Zentrumshalbinsel mit Dom vom anderen Ufer des Flusses Nidelva aus

Hauptgebäude der Uni Trondheim ... nicht schlecht.

Dann ging es auch schon mit dem Mietwagen 100km gen Osten in die Ferienhütte Gilsa - die eigentlich ein veritables Landhaus mit Sauna, fünf Schlafzimmern und allem Drum und Dran war, mitten im norwegischen Outback nahe der schwedischen Grenze gelegen. Aber das soll beim nächsten Mal das Thema sein.

Jetzt geht es um: Sehenswürdigkeiten, die wir aus Wetter-, Geld- oder Zeitgründen ausgelassen haben. Zu allererst ist da die Insel Munkholmen zu nennen ('Mönchsinsel'). Sie liegt 2km vor der Stadt im Trondheimfjord und ist beliebtes Sommerausflugsziel bei Einheimischen und Touristen, weil sie einen Strand und schöne Wiesen zum Rumliegen und Picknicken bietet. Die erste Erwähnung der Insel stammt aus dem 12. Jahrhundert - als Hinrichtungsstätte. Später wurde hier ein Benediktinerkloster gegründet; während der Reformation mussten sich die katholischen Mönche aber den Protestanten ergeben und das Kloster verfiel. Während der zahlreichen Kriege gegen Schweden und / oder Dänemark und Russland im 17. Jahrhundert fungierte die Insel als Festung. Dann war sie lange Zeit Staatsgefängnis; während des Zweiten Weltkriegs nutzten die Deutschen sie als Verteidigungsanlage. Reste dieser deutschen Anlagen sowie die Festung kann man heute noch besichtigen. Wäre das Wetter sommerlicher gewesen, hätte ich die Insel sicherlich besucht.

(Quelle: http://www.skyscrapercity.com/showthread.php?p=59997917)

Nicht gewesen sind wir zudem auf dem Tyholt-Turm, dem Fernsehturm Trondheims, der mit 124m das höchste Gebäude der Stadt darstellt. Er wurde 1985 errichtet und wie es sich für einen solchen Turm gehört, befindet sich ein rotierendes Panoramarestaurant darin. Tyholt ist ein Stadtteil östlich des Zentrums.
Ebenfalls östlich der Altstadt befindet sich auf einer Anhöhe der generell sehr bergigen Region die Festung Kristiansten, welche die Stadt vor allem vor schwedischen Angriffen aus dem Osten schützen sollte. 

Festung Kristiansten (Bild im Netz frei verfügbar - creative commons-Lizenz)

Und im nächsten Eintrag gehen wir in schwedische Supermärkte und wandern durch die Natur! :)

Donnerstag, August 30, 2012

Trondheim

Die Masterarbeit ist abgegeben, mit einem Ergebnis ist aber nicht vor Mitte Oktober zu rechnen. Das heißt - den schnuckeligen Studentenstatus werde ich auch im Wintersemester vergnüglich ausnutzen, mit allen Vorteilen an Sauna- und Museumskassen und dem Semesterticket, auf das ich in den kalten Monaten ungern verzichten würde.

Einen Tag nach dem Einreichen der Arbeit ging es aber erst einmal nach Trondheim. Das mag zunächst als eher abwegiges Urlaubsziel gelten, immerhin ist es weniger hip als Amsterdam oder Stockholm und hat mit Sommer viel weniger zu tun als Südfrankreich oder Kroatien. Und tatsächlich - warm war es dort nicht gerade. 
Mein Grund, dahin zu reisen, ist ein ganz simpler: ich habe da Verwandtschaft. Einer meiner Cousins ist vor ein paar Jahren zusammen mit seiner Freundin dorthin ausgewandert. Zunächst nur temporär im Rahmen eines Erasmussemesters, etwas später aber zur Gänze. Die beiden haben schließlich ihre Studienabschlüsse bzw. die Promotion dort absolviert, sind dort berufstätig. Und da wäre es doch eine Schande gewesen, sie nicht irgendwann mal zu besuchen, wenn man schon den Komfort einer kostenlosen Privatunterkunft genießen kann. Obendrein kam vor wenigen Wochen eine Einladung ins Haus geflattert - sowohl Cousin als auch Freundin wurden in diesem Sommer 30 und haben für ein Wochenende eine Hütte in der norwegischen Natur für sich und ihre Gäste gemietet ... :)

Bevor es losging, wurde aber noch geshoppt - aus Norwegen erhielten wir nämlich zahlreiche Aufträge, was wir aus der alten Heimat mitbringen sollten. Dass neben typischen Artikeln wie Bratwurst, Senf und Worcestersauce auch Produkte wie Zahnpasta, Duschgel und Mascara aus der Einkaufsliste standen, gewährte einen ersten Einblick in die norwegischen Preisverhältnisse.

Die Reise begann am 22. August um 9:25 Uhr vormittags, da fuhr der Connex Richtung Berlin am Leipziger Hauptbahnhof ab. Vom HBF Berlin aus kommt man schnell und günstig mit einem Bus, der fünfminütlich fährt, zum Flughafen Tegel - dass der noch offen ist, ist ja auch nur der Causa Flughafen Berlin-Brandenburg zu verdanken, eigentlich war die Schließung für Juni vorgesehen. Tegel hat seine besten Zeiten bereits hinter sich, soviel steht fest. Wobei der Fifties-Charme der Gebäude sowohl von Innen als auch von Außen durchaus was für sich hat ... und immerhin ist er noch der viertgrößte Flughafen der Bundesrepublik, gemessen an den jährlichen Passagierzahlen.

Geflogen wurde mit Royal Dutch Airlines (KLM),
incl. Gratisessen und -getränken

Am Flughafen in Berlin hatten wir bis zum Start des Fliegers gegen 17:30 Uhr ziemlich lang Aufenthalt. So ist das eben, wenn man die günstigste Zugverbindung auswählt und nicht die zeitlich passendste. Aber dank des flughafenansässigen Starbucks und einiger Bücher verging die Zeit überraschend schnell. Zunächst flogen wir nach Amsterdam (Flugdauer knapp 60Min) - Direktverbindungen nach Trondheim gibt es an deutschen Flughäfen nicht. Der Airport Amsterdam Schiphol ist gigantisch, nach London-Heathrow, Charles-de-Gaulle in Paris und dem Frankfurter Flughafen der viertgrößte des Kontinents. Überall Shops, dicke Touristen und Heineken, Heineken, Heineken. Nach knapp zwei Stunden Aufenthalt ging es dann ins Flugzeug nach Trondheim. Die reichlich zweistündige Flugzeit versüßte mir der herrliche Sonnenuntergang. Gegen 22:45 Uhr landeten wir dann auf dem Lufthavn Trondheim. Dieser Flughafen bedient vor allem inländischen Routen, der überwältigende Großteil nach Oslo (die Verbindung Trondheim-Oslo ist die meistgeflogene Europas). Ehe wir meinen Cousin in der Eingangshalle trafen, plünderten wir noch den Duty Free-Shop in seinem Auftrag. Diese Shops befinden sich ja auf staatenlosem Gebiet, und deswegen stellen sie im Grunde die einzige Möglichkeit dar, harten Alkohol zu halbwegs normalen Preisen nach Norwegen zu bekommen. Nach über 15 Stunden Reisezeit kamen wir gegen Mitternacht endlich in der Wohnung unserer Gastgeber an ...



Nachdem es fast die ganze Nacht geregnet hatte, begann der erste Tag in Trondheim neblig-feucht und kühl. Über den Tag gab es zwar immer mal wieder kleinere Auflockerungen, aber es blieb für meinen Geschmack zu kalt und war sehr windig. Man muss bedenken, dass wir Deutschland bei subtropischem Klima verlassen hatten. Mit der einzigen Staßenbahnlinie der Stadt fuhren wir aus dem Viertel, in dem mein Cousin wohnt, hinunter in die Innenstadt. "Hinunter" bedeutet in diesem Fall, dass die kleine tapfere Bahn einen gehörigen Höhenunterschied von der idyllischen Holzhäuschenbergsiedlung Lian in die auf Meeresniveau gelegene und fast gänzlich von Wasser umgebene Halbinsel mit der City zurücklegen muss. Eine Einzelfahrt kostet umgerechnet schlappe 5€. Unser erster Weg führte in die Touristeninformation, wo wir uns mit einem Stadtplan ausstatteten. Die Info befindet sich am Marktplatz der Stadt, von hier aus kann man in wenigen Minuten jede Sehenswürdigkeit zu Fuß erreichen. Die Trondheimer Innenstadt ist überschaubar; auch wenn man Museen besichtigt, hat man in zwei Tagen annähernd alles gesehen. Aufgrund mehrerer immenser Stadtbrände in früheren Jahrhunderten gibt es übrigens fast keine Bauten aus dem Mittelalter mehr, das Stadtbild macht einen eher jungen Eindruck.

Luftaufnahme der Innenstadt-Halbinsel
(Quelle: Fotostream des Hafens Trondheim auf flickr)

Markt von Trondheim

City Map

Und schnell bemerkt man auch die Globalisierungseffekte, die mir auch München hatten etwas fad schmecken lassen. Zara, H&M, Benetton, dazu Burger King und McDonald's - die Shops sind in jeder größeren Stadt die gleichen. Doch erfrischenderweise hat Trondheim auch viel Lokalspezifisches zu bieten, Anglershops beispielsweise oder kleine Boutiquen und Läden, die keiner Kette angehören.

Der erste Weg führte zum Dom Trondheims, zum Nidarosdom. Die erste Kirche wurde bereits im 11. Jahrhundert an dieser Stelle gebaut, auf der Grabstätte des norwegischen Königs Olav II Haraldsson. In seinem heutigen, neogotischen Erscheinungsbild steht er erst seit ca. 100 Jahren so da, nur der Korpus des Gebäudes stammt aus dem 12. Jahrhundert. Leider kann ich keine Auskünfte über die Innenausstattung liefern - der Eintritt in das Gotteshaus war unverschämt hoch. Hinter dem Dom befindet sich das Areal des alten Erzbischofssitzes, das auch zu den ältesten Teilen des sonst eher jungen Trondheims gehört. Dort gibt es einige Museen und regelmäßige Kulturveranstaltungen. Wir haben nur die Rüstkammer besichtigt.




Direkt neben dem Dom befindet sich das Kunstmuseum der Stadt. Das hatte gerade frisch wiedereröffnet und bot eine umfassende Ausstellung zum Thema Gemeinsamkeit. Künstler aus ganz Europa haben Fotografien, Videoinstallationen, Skulpturen und Zeichnungen beigesteuert, die die Themenkomplexe Weltreligionen, Imigration / Ausstoßung und Menschenrechte umkreisten. Eine weitere Dependenz dieses Museums, die sich etwas abseits der Zentrumshalbinsel befindet, haben wir an diesem Tag auch noch besichtigt. Hier waren vor allem Gemälde und Fotografien zeitgenössischer norwegischer KünstlerInnen ausgestellt. Besonders die Arbeiten von Anne Breivik, die erst in diesem Jahr verstorben ist, haben mir gut gefallen. Leider hat sie das Massaker ihres Landsmannes und Namensvetters noch mitbekommen müssen. Das Urteil gegen Anders Breivik wurde übrigens auch während meines Trondheim-Aufenthaltes ausgesprochen.

Dann haben wir einen Spaziergang durch eine der repräsentativen Straßen der Innenstadt gemacht (Munkegata) und den Hafen besichtigt. Trondheim liegt am Trondheimfjord unweit des Atlatiks, weswegen hier auch sehr große Kreuzfahrtschiffe der Hurtigrutenlinie und Fähren nach Kristiansund anlegen. Zum Hafen gehört auch der Kanalhafen. Malerisch bunte Holzhäuser, ehemals Speichergebäude, reihen sich hier aneinander. Leider werden diese nicht mehr als Wohn- und Lagerstätten benutzt, heute sind vor allem Büros und teure Restaurants darin. Dennoch ein toller Anblick.


Der Kanalhafen mit den farbenfrohen Speichergebäuden


Die Viertel Mollenberg und Bakklandet westlich der Halbinsel bieten auch viel Reizendes. Die Nygata, was glaube ich soviel wie Neue Straße heißt, erweckt einen regelrecht dörflichen Eindruck. Obwohl man hier so nah am Zentrum ist, hat keines der niedlichen Holzhäuschen mehr als zwei bis drei Etagen. Überall befinden sich kleine Cafés oder Läden, in denen Handgemachtes angeboten wird. Man kann sich glatt vorkommen wie in einem skandinavischen Heimatfilm. Dieser Teil der Stadt stammt aus dem 17. Jahrhundert.

Nygata

Wieder auf die Zentrumshalbinsel geht es über die Alte Stadtbrücke, auf norwegisch Gamle Bryboen. Diese Brücke verbindet das Zentrum mit dem Viertel Bakklandet und wurde 1862 errichtet. Die erste Brücke an dieser Stelle wurde 200 Jahre zuvor gebaut; zu ihr gehörten je ein Wächterhaus auf jeder Seite. Eines davon steht heute noch und beherbergt einen Kindergarten. Von der Brücke aus hat mal einen tollen Blick auf den Kanalhafen und die alten Speicher.

Auf der Alten Stadtbrücke, Blick zum Dom

Der erste Tag endete mit einer leckeren Broccoli-Blumenkohl-Suppe, selbstgebrautem Bier und einem schönen Abendspaziergang durch das Viertel Lian zum See. Hier kommt man sich schon gar nicht mehr vor wie in einer der größten Städte Norwegens.



Demnächst geht es weiter mit den Sehenswürdigkeiten, der Natur und vor allem mit Schweden, dem Einkaufsparadies aller Norweger!

Samstag, August 18, 2012

Kinder in Kommoden

Heute musste ich an etwas denken, das schon lange nicht mehr den Weg durch meine Hirnwindungen in mein Bewusstsein gefunden hat. An Sperrmüll. Und das kam so:

Mein Nachbar ist ein mann, der seinen Vor- und Zunamen auf seiner Fußmatte vor der Wohnungstür stehen hat. Und er ist auch ein Mann, der sich seit circa 8 Monaten neu erfindet. Anfang des Jahres wurden bei ihm neue Teppiche verlegt, er hat die Bude tapeziert, den unsäglichen Pflanzenhocker rausgehauen (der uns jetzt als Stereoanlagentischchen dient). Und nun hat er ein neues Sofa. Sein altes hatte er sich noch zu Zeiten gekauft, da diese Stadt noch in der 'Zone' lag. In den Ritzen hat er heute beim Abbauen dieses Sofas noch Ostgeld gefunden. 

Die Einzelteile dieses alten Sofas, das mich in seinem Blassgrau an Zahnarztpraxen denken lässt, liegen nun auf dem Hinterhof. Und auf den Einzelteilen liegen die Enkelkinder des Ehepaares aus dem Erdgeschoss. Bei denen ist, sobald die Sonne scheint, immer mächtig was los. Ein Haufen junger Leute mit kleinen Kindern bevölkern dann Balkon und Hinterhof, machen allerliebsten Kinderkrach, lachen, schreien, heulen und lassen Plastebälle auf den Boden auftitschen. Ich sitze dann gern auf dem Balkon und höre dem Treiben zu, das Leben in dieses träg-dröge Haus bringt. Das alte Zahnarztpraxensofa des Fußmattennachbarn kommt da wie gerufen. Hüpfburg, Spielwiese, frühkindliche Chilloutlounge, die Gedanken sind frei.

Wie ich der semantischen Neubestimmung des Sofas so zuschaue, arbeiten sich die Sperrmüllerinnerungen herauf. Zweimal im jahr Fieberten alle Kinder des Plattenbaublocks mit über 126 Wohnungen, in dem meine Familie wohnte, diesem Ereignis entgegen, sobald ein Zettel an der Treppenhauspinnwand den Abholtermin verkündete. Auf der großen Wiese neben den Mülltonnen begannen sich bereits eine Woche vor diesem Tag die ausrangierten Möbel, alten Fahrräder, kaputten Wäschekörbe zu stapeln; und irgendwer stellte immer eine prähistorische Waschmaschine dazu, obwohl das ausdrücklich nicht zu den sperrmüllfähigen Gütern zählte, laut Aushang. Schränke wurden Sammellager und Höhlen, Tische Abwehrschilder, Matratzen Trampoline. Kinder rutschten in Schubladen Müllberge herunter, entsorgte Musikkassetten wurden seziert, und sobald alle zum Abendessen verschwunden waren, wagte sich mal ein einzelner Vater nach unten, um zu sehen, ob man aus der einen Tischplatte, die er aus dem vierten Stock vom Fenster gesehen hatte, noch was machen kann.
Ein Held war der Vater, der statt etwas mitzunehmen ein neues Kleinod dazulegte.

Montag, August 13, 2012

Wie mit einer Pfanne auf den Kopf gehauen

Dauermüde, dauerschlapp, Dauerkopfschmerz, zunehmende Formulierungsunfähigkeit; allmähliches Versagen, logische Zusammenhänge zu begreifen und aufs Papier zu bringen. So langsam aber sicher raubt mir diese Arbeit die letzten Nerven und den Verstand. Gott sei Dank ist das bald vorbei. Dann gehts erstmal vier Tage nach Trondheim. Und in einen hoffentlich spätsommerlichen September.

Gestern habe ich mir, wie auch schon vergangenen Sonntag, 'frei' genommen von der Abschlussarbeit. Stattdessen war ich im Stadion beim Fußball. Das erste Punktspiel der Saison von RB Leipzig, gegen die zweite Mannschaft von Union Berlin. Gemessen an dem, was man von zweiten Mannschaften im Schnitt erwarten darf und was RB sich vorgenommen hat, war das schon enttäuschend zu sehen. Unions Team war im Schnitt 19,5 Jahre alt, hat richtig gut verteidigt und war mehr als gleichwertig. RB war schluderig, viele Fehlpässe. Am Ende stand es 1:1. Das erste Tor erzielte Union durch einen astreinen und schön bis zu Ende gespielten Konter, bei dem der Berliner Linksaußen Arjen-Robben-Qualitäten gezeigt hat. Der Ausgleich von RB war eher eine Kombination aus Gestocher nach einer Ecke und Glück, dass Unions Torhüter der Ball einmal aus den FIngern geglitten ist.
Dennoch war das kein schlechter Fußballtag. Das Wetter war schön, immerhin knapp 8000 Leute im Stadion. Kennt ihr Tim Lobinger, den ehemaligen Stabhochspinger und aktuellen Inhaber des deutschen Rekordes in dieser Sportart? Genau der ist jetzt Athletiktrainer bei RB Leipzig und saß ein paar Meter vor uns zusammen mit Trainerteam und Ersatzspielern auf der Bank. Und am Abend beim SuperCup der DFL hat Bayern München endlich mal wieder gegen Borussia Dortmund gewonnen, wenn auch gegen Ende etwas glücklicher als nötig.


Dienstag, August 07, 2012

Wo ist Jonathan Frakes, wenn ich ihn mal wirklich brauche?

Erinnert ihr euch an Jonathan Frakes? Das ist der vertrauenswürdige Mann, der X-Factor - Das Unfassbare moderiert hat, diese amerikanische TV-Sendung, in der immer unglaubliche, mysteriöse Geschichten vorgestellt wurden, von denen am Ende ein paar so passiert sind und ein paar erfunden waren.

In meinen Blogstatistiken wird es nämlich auch immer mysteriöser. Seit irgendwann in der letzten Woche verzeichne ich einen kleinen Boom. Dank meiner unglaublichen investigativen und prokrastinatorischen Fähigkeiten habe ich einen Grund dafür schnell ausgemacht: der Blogzug. Schon mal was davon gehört? Blogzug.com ist eine Internetseite, bei der man seinen Blog anmelden und "listen" kann. Je nach dem wie aktiv man dort ist, ist man ein Erste-Klasse-Passagier oder "sitzt" in diesem oder jenem Abteil. Diese Dinge haben Auswirkung darauf, wie weit oben der Blog in der Liste steht und wieviele Leute potenziell den Link zu deinem Blog entdecken können. Sinn und Zweck dieser Seite ist es also, dass man mehr Follower für seinen Blog rekrutieren kann, dass der Link einer größeren Anzahl von Leuten in der Netzgemeinde vorgeschlagen wird. Und nun rauschten in den letzten Tagen diverse Besucher über die Zugriffsquelle Blogzug.com auf das Germanistinnenwerk hier.

Das Komische an der Sache ist nur: ich bin da gar nicht angemeldet, habe und hatte das niemals vor. Wie kommt mein Blog auf den Blogzug? Mir ist das alles schleierhaft. 

Weitere, mir bekannte Gründe für den steigenden Zulauf kann man zum Einen in meinem wieder regelmäßigen Postverhalten sehen - es lohnt sich für die Leser, gerade für die, deren Lebensinhalt nicht Fußball ist, mittlerweile wieder, öfter mal reinzuschauen. Zudem haben die Kaufland-Posts wohl zu einigen Klicks geführt. Über das Suchwort 'Kaufland' gab es diesen Monat mehr als 20 Besucher. Dahinter geben sich Weinschorle, lipz Schorle und einer der Dozenten der Leipziger Germanistik die Klinke in die Hand.

Samstag, August 04, 2012

Iggy Pop, The Doors und Glam Rock

Ich nehme an, die meisten kennen Iggy Pop bzw. seine Band Iggy Pop and The Stooges. Sollte das nicht der Fall sein, dann kennt man zumindest aus dem Radio den größten Hit von Iggy, "The Passenger":


Der Song entstand 1975; in einer Zeit, in der es Iggy Pop, der bürgerlich James Newell Osterberg heißt, nicht so gut ging. Er war gerade mal wieder aufgrund seines selbstzerstörerischen Lebensstils in einer Entzugsklinik. Jeden Samstag durfte er tagsüber raus und in die Stadt. Auf einem Werbeplakat für einen neuen Kinofilm las er dessen Titel - The Passenger. Es handelt sich dabei um ein Psychodrama mit Jack Nicholson in der Hauptrolle, er spielt einen Reporter. Eine weitere Inspirationsquelle war ein Gedicht aus einem Lyrikband von Jim Morrison, der vier Jahre zuvor im Alter von 27 Jahren tot in seiner Badewanne aufgefunden worden war. Leider finde ich das Gedicht nirgends; ich berufe mich auf ein Iggy Pop-Interview aus einer Dokumentation. In besagtem Morrison-Gedicht vergleicht er das Leben mit einer Autofahrt und die Menschen mit den Passagieren des Fahrzeugs - man kann nicht anhalten, man kann nur das Auto wechseln.
Zudem wäre dieser Song und das Album Lust for Life, auf dem er sich befindet, ohne David Bowie nicht möglich gewesen. Bowie hatte sich Jahre zuvor Iggy Pop angenommen, nahm die Rolle als dessen Mentor ein und päppelte ihn wieder auf. Die Lalala-Passagen in "The Passenger" werden im Original sogar von Bowie gesungen. Zur Entstehungsgeschichte von Song und Album kann man bei Wikipedia übrigens eine Version nachlesen, die sich, abgesehen von der unstrittigen Personalie Bowie, zu 100% von jener Version unterscheidet, die man in verschiedenen Dokumentationen über den Punkrockstar hört. Ich habe mich für die Geschichte aus den Dokumentarfilmen entschieden.

Mein eigentlicher Lieblingssong von Iggy Pop ist "TV Eye". Er befindet sich auf dem zweiten Album von Iggy Pop and The Stooges, das Fun House (1970) heißt. Kennen gelernt habe ich diesen Song aber über Umwege in dem Film Velvet Goldmine. Das ist ein Streifen von 1998, der als Hommage an die Glamrock-Zeit gedacht und mit Christian Bale, Ewan McGregor, Toni Collette und Jonathan Rhys-Meyers enorm hochkarätig besetzt ist. Zudem wurde der Film vom R.E.M.-Sänger Michael Stipe produziert, die Band Placebo hat mehrere Gastauftritte. Jonathan Rhys-Meyers spielt eine Figur, die nah an David Bowie (da haben wir ihn wieder) bzw. dessen Kunstfigur Ziggy Stardust angelegt ist. McGregor verkörpert den Punkrocker Curt Wild, irgendwo zwischen Iggy Pop, Lou Reed und Kurt Cobain. Der Song "TV Eye" wird dementsprechend von Ewan McGregor, ziemlich zu Beginn des Films, zum Besten gegeben. Hier die Szene im englischen Originalton (Achtung: explicit content), darunter das Original von Iggy und den Stooges:



Dass Ewan McGregor passabel singen kann, ist spätestens seit Moulin Rouge nichts Neues mehr. In Velvet Goldmine gibt es noch einen weiteren Soloauftritt seines Filmcharakters Curt Wild, der einen wünschen lässt, McGregor würde eine Zweitkarriere als Musiker beginnen. Auch wenn der Film in meine Teenage-Zeit gehört und heute allenfalls historischen Wert hat - diese Filmszene verliert ihren Zauber auf mich nicht:

Donnerstag, August 02, 2012

Netzfundstück

Sehr sehens- und hörenswert:

Sonntag, Juli 29, 2012

Olympische Spiele, Sommer! und Pläne

Die Masterarbeit mastert immer noch vor sich herum, und dabei gibt es sooo viele Dinge, die ich lieber täte. Andauernd in der Sonne liegen zum Beispiel, denn die hat sich ja letzte Woche auf eklatanteste Weise blicken lassen. Mit einem Grillabend im Park und langen Abenden auf dem Balkon, zu zweit oder zu mehrt, mit Cidre oder zu viel Pastis, mit Essays oder Musik habe ich den Sommer willkommen geheißen. 

Außerdem hat gestern eine Zeit begonnen, die ich am liebsten ausschließlich vor dem Fernseher verbringen würde - die Olympischen Spiele 2012 in London! Letzteres betone ich vor allem aufgrund der daraus resultierenden praktischen Übertragungszeiten. Ich bin generell sehr an Sportübertragungen interessiert, und dieses Interesse geht sogar über Fußball und Wintersport hinaus ;). Ich erinnere mich an eine massive Tennisphase während meiner Teenagerzeit, Leichtathletik und Schwimmen geht sowieso immer. Weitere heimliche Leidenschaften gelten Ruder- und Fechtsportübertragungen. Mal sehen, wie oft ich mir die Olympischen Spiele gönnen werde.

> urstes Update!: Habe die wahnsinns Innovation "Liveticker" für mich entdeckt! Dem simultanen Arbeitschreiben und Sportergebnisse konsumieren steht nichts mehr im Weg! Muhaha!

Nach sommerlichen Aktivitäten und Passivsport käme an Platz 3 der Dinge, die ich derzeit lieber täte: in das Leben meiner Schwester schlüpfen und ihre neue WG einrichten ;)

In den letzten zwei Wochen hatte ich bei meinem "Chef", also dem Professor für neuere deutsche Literatur am germanistischen Institut der Uni, eine spannende Aufgabe. Ich war die Beisitzerin bei mündlichen Prüfungen für Erasmusstudierende. Der Großteil der Studenten stammte aus Frankreich, es gab auch zwei Chinesinnen, zwei american boys, eine Finnin, eine Norwegerin, eine Tschechin, eine Polin, eine junge Frau aus Israel. Fast alle wurden zu einer Überblicksvorlesung zur deutschen Literatur vom 17. bis zum 20. Jahrhundert geprüft, mit den Schwerpunkten Barock, Romantik und Realismus. Dementsprechend gab es in fast jeder Prüfung die annähernd gleichen Fragen ... Was wissen Sie über die Zeit des Barock? Worum geht es in "Die Leiden des jungen Werther"? Was unterscheidet einen romantischen von einem realistischen Text? Meine Aufgabe dabei war es Protokoll zu führen, ein wenig auf die Einhaltung gewisser Rahmenbedingungen zu achten und vor allem die rechtlich notwendige Unterschrift einer zweiten Person neben dem Prüfer zu leisten.
Die Sprachkenntnisse der Prüflinge ließen sich übrigens nicht über Vorurteile an der Nationalität ablesen. Es gab Franzosen mit fließendem und mit nicht vorhandenem Deutsch, währen; die Norwegerin und die Dame aus Israel fast akzentlos und perfekt Deutsch sprachen, eierten sich die Finnin und die Tschechin verloren durch die Fremdsprache. Die Prüfungen mit den beiden Jungs aus den Staaten mussten nach den ersten holperigen Antworten gleich ganz auf Englisch abgehalten werden. Die Chinesinnen verstanden den Prüfer nicht, er verstand die Chinesinnen nicht. Alles in allem niemals langweilig :)

Außerdem hat sich am Donnerstag, enorm spontan, ein Kurztrip nach Trondheim für den August ergeben. Mein Cousin und seine Freundin wohnen seit ein paar Jahren da, als wissenschaftliche Mitarbeiter der dortigen technischen Universität. Da beide in diesem Sommer 30 werden und das groß feiern wollen, habe ich (haben wir) kurz entschlossen der Einladungsrundmail nachgegeben und Bahn- und Zugtickets gebucht. Vielleicht ist sogar ein Stadionbesuch zum Ligaspiel Rosenborg Trondheim gegen Viking Stavanger drin.