Sonntag, November 05, 2017

Urlaubsrückblick: Griechenland und London

Es hat sich bei mir eingebürgert, dass es einmal im Jahr auf einen Städtetrip und einmal in den Erholungsurlaub geht - ich werde alt und brauche anscheinend meine Rituale. Der Städtetrip führte uns im Februar über mein Geburtstagswochenende in die britische Hauptstadt. Ich selbst war schon zweimal in London gewesen - einmal in den frühen 2000ern mit der Schule und einmal 2007 mit Freundinnen. Zu zweit und ohne den Sightseeing-Kram, stattdessen mit gezielten Museumsbesuchen, war das dann aber doch was anderes.

Wir wohnten in einem Einraumapartment am Greenland Dock in einer interessanten Wohngegend. Früher gab es hier wohl vornehmlich Lager- und Wirtschaftsgebäude des Hafens. Das Tate Modern Museum und die National Portrait Gallery waren die Museen der Wahl - beide kann ich nur empfehlen. Bis auf die Sonderausstellungen ist der Besuch auch gänzlich kostenfrei. Vom Tate Modern hat man übrigens einen tollen Rundumblick auf dieses London, das im Grunde frei von jeglichem Stadtbild ist.



In der restlichen Zeit haben wir vornehmlich entdeckt - Pubs und Burgerläden, neue und alte Wohngegenden, Themsewege, Buslinien und die Tube. Auch spannend: in London ins Kino gehen. Nicht ganz günstig, aber man fühlt sich gleich nicht mehr wie ein Tourist. Gesehen haben wir übrigens Trainspotting 2Hier geht es zu meiner Rezension.

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Im August und September zog es uns für zwölf Tage nach Griechenland. Zuerst standen zwei Tage Athen auf dem Programm - so ziemlich die stressigste, dreckigste und lauteste europäische Stadt, in der ich bisher gewesen bin. Eine gute Zeit kann man da dennoch haben - die antiken Areale sind wirklich beeindruckend und schön, v.a. weil um sie herum die größten Grünflächen der Stadt sind. Auch das Studentenviertel Exarchia hat mir gut gefallen, insbesondere am Abend. Um diese Regionen herum fand ich die Stadt eher trist - man merkt ihr nicht mal an, wie nah am Meer sie ist.

Von Athen aus ging es dann weiter mit der S-Bahn zum Hafen von Piräus und von dort mit der Fähre zur Insel Hydra, etwa 2 Stunden südlich von Athen. Diese Insel war für mich schlichtweg das Paradies: Keine Straßen, keine Autos, keine Leuchtreklamen. Stattdessen tolles Essen, wunderbares Wasser, sagenhafte Aussichten und Ruhe. Am Hafen geht es quirlig zu, mit jedem Schritt weiter in den Hauptort der Insel hinein wird es entspannter, dörflicher, friedlicher. Überall chillen Katzen, klackern Esel Lasten tragend durch die Gassen und schwatzen Großmütter in den Gärten.

Ein bisschen was zu sehen gab es hier auch - etwa das Hafenmuseum, alte Admiralshäuser, Galerien und Boutiquen, Klosteranlagen, Kirchen und natürlich den sich immer verändernden Hafen. Außerdem kann man auf Hydra gut wandern und in traumhaft klarem Wasser baden gehen. Mehr Bilder gibt es im Ramschladen.


Mittwoch, November 01, 2017

Filmrückschau - Quickie

Da haben sich wieder ein paar Streifen zusammen geläppert - los geht's!

Die Queen (2006) ... Helen Mirren fetzt! Und wie sie die immer etwas eingeschnappte Mimik der Queen übernommen hat, das fetzt erst recht. Ob es den Film tatsächlich braucht - ob man einen Spielfilm darüber braucht, was mutmaßlich hinter den Kulissen des Königshauses um Dianas Tod herum abging - das wage ich zu bezweifeln. Aber Helen Mirren war nun entgültig überall ein Begriff und das ist schon viel wert.

Hai-Alarm am Müggelsee (2013) ... Wieso nur hatte ich den bis dato noch nicht gesehen! Ein Meisterwerk der Ironie und trockenen Sprüche, das vor richtig guten Darstellern nur so strotzt (Michael Gwisdek, Tom Schilling, Henry Hübchen, Detlev Buck). Verantwortlich für diesen Guerilla-Film waren Leander Haußmann (Sonnenallee, Soloalbum, Die Vermessung der Welt) und Sven Regener (Autor von "Herr Lehmann" und "Neue Vahr Süd", Sänger von Element of Crime). Diese irrwitzige Komödie, deren Handlung im Filmtitel bereits recht umfassend erzählt ist, wurde mit sehr geringem Budget realisiert, die meisten Darsteller haben auf eine Gage verzichtet. Und soviel Spaß merkt man dem Film auch an.

Inside WikiLeaks (2013) ... Hach. Ambitioniert und toll besetzt, aber irgendwie ein bisschen schiefgegangen. Ich habe mich während des Films ein wenig unwohl gefühlt, weil mir bewusst war, dass es sich hier um die ziemlich einseitige Umsetzung der Perspektive von Daniel Domscheit-Berg handelt. Er stand sogar in regem Kontakt mit seinem Film-Ich Daniel Brühl, sodass Julian Assange sich zunehmend ablehnend zeigte. Eine ausgewogenere Argumentation hätte dem Film vielleicht gut getan.


Who Am I - Kein System ist sicher (2014) ... Tom Schilling spielt einen schüchternen Loser, Wotan Wilke-Möhring einen Punk, Elyas M'Barek einen smarten Täuscher und Antoine Monot jr. einen Tech-Nick (haha). Was hier ziemlich fantasielos-stereotyp besetzt klingt, entpuppt sich als überraschend guter deutscher Thriller, der noch dazu verhältnismäßig unpeinlich ein modernes Milieu (Hacker, Netzkriminalität, ...) behandelt. Der Film bietet tatsächlich einige unerwartete Wendungen und viele clevere Ideen.

Aguirre, der Zorn Gottes (1972) ... Werner Herzog, Klaus Kinski und die Wildnis. Für die einen genial, für die anderen unguckbar. Aber auf jeden Fall irre.


Grace of Monaco (2014) ... Da war ich erstmal sprachlos. Die Figur Grace Kelly / Fürstin Grazia Patrizia interessiert mich per se aufgrund der glamourös-tragischen Lebensgeschichte ja schon sehr. Nur konnte ich mich während des Films kaum darauf konzentrieren, weil ich immer Nicole Kidmans versteinerte Mimik anstarren musste. Die Frau ist zu keinerlei sichtbarer Gefühlsregung mehr fähig - selbst wenn ihre Rolle schreit und heult, passiert auf Frau Kidmans Stirn einfach gar nichts. Und ähnlich sieht sie sich schon lange nicht mehr. Schade schade. Den Film an sich fand ich darüber hinaus recht kitschig und vorhersehbar.

Montag, August 14, 2017

Der Lese-Sommer in Erfurtjenaweimar

Volle Hütte bei Denis Scheck
Eine Großveranstaltung in meinem Thüringer Lese-Sommer, die ich nicht mehr missen möchte, sind die Thüringer Literatur- und Autorentage. Das mehrwöchige Festival fand in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Der Höhepunkt ist jedes Jahr das lange Wochenende auf Burg Ranis bei Pößneck Anfang/Mitte Juni. Dort habe ich in diesem Jahr u.a. Denis Scheck, Kinga Toth und Ulf Stolterfoht gehört, viele tolle Menschen getroffen, sehr lecker gegessen (und getrunken) und einen wunderbar sonnigen Tag auf der Burg verbracht.

Blick von Burg Ranis in die Orla-Senke


Mario Osterland
Fast genauso vielfältig war das Literaturfestival Juli im Juni, das Ende Juni in Weimar stattfand. An zwei Tagen lasen an verschiedenen Orten in der Klassikerstadt u.a. Isabelle Lehn, Max Czollek und Andreas Stichmann. Die Veranstalterinnen hatten sich zwei wunderbar laue Tage für ihr Festival ausgesucht, das immerhin auch schon seinen 15. Geburtstag feierte. Auf der offenen Lesebühne zeigte übrigens auch der Herzallerliebste, was er kann - am Text und der Maultrommel.

Lisa Goldschmidt
Am 30. Juni hieß es dann mal wieder In guter Nachbarschaft. Diesmal war Schillers Gartenhaus in Jena das Domizil der Lesereihe, mit seinem gemütlichen Wintergarten, von dem aus man einen tollen Blick in den großen Garten hat. Es lasen mit Joshua Schößler und Lisa Goldschmidt zwei Preisträger des Jugen Literaturforums Hessen-Thüringen, außerdem die Berliner Autorin Annika Scheffel, die aus ihrem aktuellen Romanmanuskript vorlas.

Freitag, Juni 09, 2017

Der Lese-Frühling in Erfurtjenaweimar

Marcus Roloff, Tim Helbig
Der Lese-Frühling begann im April mit der zwölften Ausgabe von In guter Nachbarschaft. In Kooperation mit dem Kunstverein Jena las der Frankfurter Autor Marcus Roloff in der Jenaer Galerie Stadtspeicher. Die Veranstaltung fand außerdem im Rahmen der langen Nacht der Museen statt. Roloffs Gedichte sind häufig Auseinandersetzungen mit Gemälden, Grafiken und Skulpturen oder gar Museen. Begleitet wurde er vom Jenaer Elektroakustiker Tim Helbig - das ergänzte sich hervorragend.

Am 23. April las Christoph Hein im Haus Dacheröden, Erfurts neuem Literaturhaus, betrieben vom Erfurter Herbstlese e.V. Er trug einem großen Publikum, dessen Altersschnitt ich drastisch senkte, einen Ausschnitt aus seinem neuesten Roman "Trutz" vor. Für Kulturrentner zur besten Sonntagsmatineezeit war das hörbar amüsant, für mich eher eine Zumutung. Das altersmilde Werk eines großen Schriftstellers, voller Dichterklischees und billigen Gags... Mit altehrwürdigen Herren ging es am 12. Mai weiter. Volker Braun las in der Thalia-Buchhandlung Jena - und der Liebste moderierte. Die gut besuchte Lesung kam gut an, Braun las quer aus seinem neuen Lyrikband, dem ersten seit elf Jahren.

Johanna Wieser und Luca Kieser
Besuch aus Österreich gab es im Mai. Johanna Wieser, eine der Herausgeberinnen der Wiener Literaturzeitschrift JENNY, war mit der aktuellen Ausgabe auf Lesereise durch Deutschland. Begleitet wurde sie von den Autoren Helene Bukowski, Max Oravin, Frank Ruf und Luca Manuel Kieser. Die vier lasen im Kunsthaus Erfurt, einer Galerie in der Altstadt. Die Veranstaltung fand wiederum im Rahmen der Erfurter langen Nacht der Museen und in Kooperation mit In guter Nachbarschaft statt.

Moderator und Autoren im Gespräch
Tags drauf gab es in der Weimarer Galerie Iconotop "Lyrik, Landkarten und Videospiel". Unter diesem Motto lasen die Autoren Tim Holland und Christian Schloyer aus ihren schon optisch außergewöhnlichen Gedichten. Tim Holland las aus der wabernden Textfläche "vom wuchern", die an eine Landkarte erinnert. Schloyer hatte seine neuen Gedichte dabei, die nach dem Jump'n'Run-Prinzip funktionieren - gleichzeitig projizierten beide Autoren ihre Texte an die Wand. Experimentelle Musik dazu gab es von Philipp McCarthy.

Dienstag, Juni 06, 2017

Filmrückschau: Alien-Edition

Ich habe ein Faible für kluge Weltraumabenteuer und Science Fiction-Filme. Da hat mich Hollywood in den vergangenen Jahren mit so unterhaltsamen wie cleveren Blockbustern verwöhnt: Von "Arrival" über "Interstellar" bis "Der Marsianer" und "Gravity". Auch weniger kommerzielle Filme wie "Moon" sind hier zu nennen.

HR Gigers Alien
Großes Aufsehen erregte es, als 2012 mit "Prometheus" die Alien-Reihe fortgeführt wurde. Diese hat ihren Ursprung in "Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt" (Regie: Ridley Scott) von 1979 mit Sigourney Weaver, Ian Holm und John Hurt in den Hauptrollen. Ein wahnsinnig spannender, düsterer Film, der das Sci Fi-Genre neu erfunden hat und die Kinowelt um die erste überzeugende, weibliche Action-Heldin bereicherte. Vom Alien-Design HR Gigers ganz zu schweigen. 

Sigourney Weaver ist Ellen Ripley
Fortsetzungen erfuhr "Alien" (1986, R: James Cameron) mit "Aliens - Die Rückkehr" und Alien 3" (1992, R: David Fincher). Beide Filme schließen unmittelbar an den jeweiligen Vorgänger an und setzen die Kenntnis der Vorgeschichte weitestgehend voraus. Teil 3 floppte weitestgehend an den Kinokassen und bei der Kritik. Die jahrelangen Planungen für einen viertel Teil wurden dadurch erschwert, dass Sigourney Weaver zunächst nicht mitwirken wollte - dann wäre auch die Produktionsfirma ausgestiegen. Kein Alien ohne Ellen Ripley. Auch die Suche nach einem Regisseur gestaltete sich schwer. Am Ende verpflichtete man Jean-Pierre Jeunet ("Die fabelhafte Welt der Amélie"), weil man einen Filmemacher mit einem einzigartigen visuellen Stil suchte. In der Tat besticht der Film durch eine gewisse Steam Punk-Optik. "Alien - Die Wiedergeburt" rief gemischte Reaktionen hervor, war aber der kommerziell erfolgreichste Teil der Reihe.

Fassbender als Androide David
Dann war es lange Zeit ruhig im Alien-Universum, bis sich Altmeister Ridley Scott höchst persönlich um den nächsten Streich kümmerte: Das Prequel "Prometheus", das reichlich 30 Jahre vor "Alien" spielt. Meine Kurzkritik findet ihr hier. Es werden hochinteressante thematische Grundlagen für die "Alienreihe" geschaffen, die wiederum in "Alien: Covenant" (2017, R: Ridley Scott) fortgeführt werden. Er spielt rund 20 Jahre vor Ellen Ripleys erstem "Alien"-Abenteuer. Die Fans haben den jüngsten Film besser aufgenommen als "Prometheus" - "Alien: Covenant" mache verzeihbarere Fehler und sei weniger vorhersehbar. Letzteres kann ich ebenfalls unterschreiben. Doch wo andere die mythologische Aufladung in "Prometheus" unnötig fanden, habe ich sie als faszinierend empfunden. Und deren Fortführung in "Alien: Covenant" gefällt mir bald noch besser. [Spoiler:] Androide David (Michael Fassbender) aus "Prometheus" ist in den zehn Jahren zwischen den Filmen zu einem grausamen Wahnsinnigen mit Gott-Komplex geworden. Das beschert uns Zuschauern insbesondere einige zu Filmset gewordene Giger-Zeichnungen aus früheren Jahrzehnten. Yesss! "Alien: Covenant" ist um einiges düsterer, kompromissloser und blutiger als "Prometheus". Mein großer Kritikpunkt ist die Geschwindigkeit, mit welcher der Streifen durch die Handlung hetzt. Man hätte die Handlung, gequetscht in 122 Minuten, durchaus auf zweieinhalb Stunden ausdehnen können.

Im Schicksal von Dr. Elizabeth Shaw wird eine alte Giger-Zeichnung umgesetzt

Übrigens: Es sind laut Ridley Scott zwei Prequels zur "Alien"-Reihe geplant. Unter dem Arbeitstitel "Alien: Awakening" soll der nächste Teil zwischen "Prometheus" und "Covenant" spielen. Drehstart soll Sommer 2018 sein. Na, da bin ich ja mal gespannt...

Montag, Juni 05, 2017

Unterwegs in Thüringen: Rudolstadt und Paulinzella

Eigentlich wollte ich am Pfingstsonntag mit dem Rad von Jena nach Rudolstadt fahren. Doch das Wetter hat mir da einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das Hotelzimmer in der alten Residenzstadt war aber so oder so gebucht, also ging es mit der Bahn dorthin. Übrigens seine sehr reizvolle Strecke: Von Erfurt über Arnstadt in den Thüringer Wald hinein mit Halt u.a. in Stadtilm und Bad Blankenburg. In Saalfeld muss man umsteigen und ist wenige Minuten später in Rudolstadt.


Rudolstadt hat rund 22.000 Einwohner und liegt in einer malerischen Landschaft: Saaletal, bewaldete Hügel und ein für Thüringen sehr warmes Klima. Über der Stadt thront Schloss Heidecksburg, eine dreiflügelige Barockanlange mit Schlosshof, großem Garten und zahlreichen erhaltenen Wirtschaftsgebäuden. Der Name Heidecksburg rührt von einem Vorgängerbau, einer mittelalterlichen Burg. Im Schloss sind das Thüringer Landesmuseum Heidecksburg und das Thüringer Staatsarchiv Rudolstadt untergebracht. Man kann u.a. eine Naturaliensammlung, die alte Burgkappelle, eine Gemäldegalerie und den Burgbrunnen besichtigen. Das Herzstück jedoch sind die repräsentativen Wohn- und Festräume der Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt - diese kann man im Rahmen einer Führung besichtigen.

Der kleine Altstadtkern von Rudolstadt ist überschaubar und sehr hübsch. Highlights sind das barocke alte Rathaus am Fuß des Schlossberges und das neue Rathaus am Markt im Neo-Renaissancestil, die etwas abgelegene Stadtkirche St. Andreas und das nahe gelegene Stadtschloss Ludwigsburg und natürlich das Schillerhaus. Dieses Anwesen hat der Familie von Schillers Frau Charlotte von Lengefeld gehört. Hier gab Ende des 18. Jahrhunderts regelmäßig Literatursalons und Liebhabertheater, Wilhelm und Alexander von Humboldt, Herder, Fichte und Goethe waren mehrmals Gäste. Schiller hat hier Goethe das erste Mal getroffen und natürlich seine zukünftige Frau. Heute ist hier ein Literaturmuseum untergebracht, das Schiller gewidmet ist. Das Restaurant und der wunderschöne Garten sind ebenfalls einen Besuch wert!

Auf der Rückfahrt am Montag haben wir noch einen zweistündigen Halt in Paulinzella gemacht. Paulinzella ist ein Ortsteil der Stadt Königsee-Rottendorf und gleichzeitig der Name der ehemaligen Klosteranlage. Von der sind heute noch ein paar Wirtschaftsgebäude und die wunderschöne Kirchenruine vorhanden, außerdem das fürstliche Jagdschloss, in dem Ausstellungen über das Kloster und die Jagd- und Forstwirtschaft untergebracht sind. Außerdem gibt es einen wunderschönen Kräutergarten, der frei zugänglich ist. Hier kann man verschiedene Kräuterprodukte erwerben.

Dienstag, Mai 16, 2017

Filmrückschau

5 Zimmer Küche Sarg (2014) ... Diese knapp 90 Minuten hat jeder übrig. So ein origineller, kurzweiliger Film! Vier Vampire, zwischen grünen 183 und sportlichen 8.000 Jahre alt, wohnen in einer WG im Neuseeländischen Wellington. Sie haben sehr verschiedene Charaktere und Ansichten über das Nicht-Leben, kommen abgesehen vom Putzplan aber gut miteinander klar. Bis Abendessen Nick in ihr Leben schneit...
Die auf Dokumentation gemachte neuseeländische Produktion holt wirklich alles aus dem Thema raus. Der Film ist hervorragend recherchiert und eindeutig eine Herzensangelegenheit der beiden Regisseure, die gleichzeitig die Drehbuchautoren und zwei der Hauptdarsteller sind. Alle Daumen hoch!

Quelle

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind (2016) ... J.K. Rowling schreibt nun einfach gleich Drehbücher, anstatt den mühseligen Umweg über einen Roman zu gehen. "Phantastische Tierwesen..." ist der Auftakt einer geplanten Pentalogie, die im Harry Potter-Universum spielt - 70 Jahre vor der Handlung der sieben Bücher - und auf Begleitbüchern der Buch- und Filmreihe basiert. Und so sind einige auftauchende Figuren und Namen dem Leser bzw. Zuschauer auch schon bekannt, etwa Gellert Grindelwald. Der Filmtitel entspricht dem des Zaubererlehrbuches, das im ersten Harry Potter-Film "Harry Potter und der Stein der Weisen" erwähnt wird.
Das hätte ziemlich arg in die Hose gehen können, aber die hervorragende Besetzung (Eddie Redmayne, Katherine Waterston, Colin Farrell, "A fine Frenzy"-Sängerin Alison Sudol, Ezra Miller) und die liebevolle Ausgestaltung verhindern das. Außerdem ist die Geschichte spannend und, ja, auch die Effekte sehen ziemlich gut aus. Dieser erste von fünf weiteren Teilen der bereits achtteiligen Geldmaschine hat also seine Berechtigung.

Quelle
Maleficent (2014) ... Die klassische Disney-Dornröschen-Story aus einer anderen Perspektive. Wir lernen hier, wie aus der einst guten Fee eine angsteinflößende, rachsüchtige, im wahrsten Wortsinne gehörnte Frau wurde. So böse, dass sie sogar das Kind ihres Verflossenen verflucht, der sie ziemlich arg hat sitzen lassen. Schöne Idee, aber mit ein bisschen viel Fantasy-Kitsch umgesetzt. Außerdem ist Angelina Jolie in meinen Augen einfach keine gute Schauspielerin.


Freitag, April 07, 2017

Filmrückschau: Die Deutsche Miniserie

ARD und ZDF haben aktuell jeweils mit einer aufwändigen Miniserie aufgewartet, die sich jeweils mit einem Kapitel der deutschen Geschichte befassen. 

"Charité", das in den vergangenen fünf Wochen jeweils dienstags, 20.15 Uhr im Ersten lief, handelt von dem weltberühmten Berliner Krankenhaus und spielt zum Ende des 19. Jahrhunderts. Die historischen Hauptfiguren sind Ärzte wie Robert Koch, Emil Behring, Paul Ehrlich und Rudolf Virchow, denen wir z.B. den Impfstoff gegen Tetanus und Diphterie, die Chemotherapie und die Entdeckung der Bakterien zu verdanken haben. 
In diesen historischen Kontext hinein werden ein paar Herzschmerz-Storys gepackt: eine Hilfspflegerin Ida, die eigentlich eine verarmte Arzttochter ist und sich nichts sehnlicher wünscht, als Medizin zu studieren. Ihre unglückselige Liaison mit dem Medizinstudenten und Burschenschafter Georg, der ihre Ambitionen ablehnt, ihre Affäre mit Emil Behring, dem melancholischen Opiumabhängigen. Das unstandesgemäße Tête-á-tête zwischen Robert Koch und der Varieté-Darstellerin Hedwig, das übrigens historisch belegt ist. Die Scheidung Kochs von seiner Frau für Hedwig war damals ein gesellschaftlicher Skandal (und Scheidungen selbst erst seit 15 Jahren rechtens).
So sehr stören diese manchmal kitschigen Entgleisungen aber gar nicht, denn die Serie sieht zum einen fantastisch aus und ist zum anderen ziemlich gut besetzt. Neben den männlichen Stars (z.B. Justus von Dohnányi als Robert Koch) sticht besonders Alicia von Rittberg als Ida Lenze heraus: eine starke Frauenfigur, deren emanzipatorische Tendenzen tatsächlich nur selten peinlich wirken. Und dass Produktionen ohne die obligatorische Liebesmüh es in Deutschland nicht ins Hauptprogramm schaffen, ist bekannt.

Dr. Virchow ahnt: das Tuberkulin von Robert Koch wirkt nicht (Quelle)

"Der gleiche Himmel" ist ein deutsch-deutsches Agentendrama, das im Sommer 1974 spielt. Es wurde in drei 90-Minütern innerhalb einer Woche im ZDF ausgestrahlt. Tom Schilling spielt hier den DDR-"Romeoagenten" Lars, der dazu ausgebildet wurde, über romantische Affären an politisch wichtige Geheimnisse zu kommen. Der erste Einsatz des 25-jährigen Ostberliners ist es, die Datenanalystin des britischen Gemeindienstes Lauren Faber zu verführen. 
Hinsichtlich der Ausstattung ist "Der gleiche Himmel" mindestens genauso grandios wie "Charité" - die Autos, die Schlaghosen, die Wohnzimmer! Sonst stinkt die ZDF-Produktion aber ein bisschen ab. Die Drehbuchautoren haben versucht, so viele DDR-BRD-Gemeinplätze wie möglich unterzubringen, und das teilweise ziemlich unmotiviert und zusammenhangslos: Fluchttunnel und Doping im Leistungssport, Gefängnisse und IM-Rekrutierung der Stasi, Homosexuelle in der DDR, ideologischer Lehrplan an Schulen, Systemzweifel, Westverlockungen, RAF, Familientrennung nach dem Krieg... Und dann gibt es auch noch Geschwister, die nichts davon wissen und eine Beziehung eingehen! Die miserable Nachsynchronisation vieler Szenen setzt dem ganzen noch die Krone auf. Da helfen auch Tom Schilling (dem die Rolle leider nicht steht), Ben Becker, Anja Kling und Jörg Schüttauf nicht weiter.

Lars bekommt die nächsten Anweisungen von seinem Vorgesetzten (Quelle)

Mittwoch, März 15, 2017

Filmrückschau

T2 Trainspotting (2016) ... Oh, was hätte da alles schiefgehen können. Ein peinlicher Film über die erwachsenen Schatten der Trainspotting-Helden Mark, Spud, Sick Boy und Begbie. Aber damit quält Regisseur Danny Boyle, der auch schon den ersten Teil gedreht hatte, die Zuschauer Gott sei Dank nicht.
Ich habe den Film als eine Art Aufarbeitung des Vorgängers empfunden. Mark kehrt nach Edinburgh zurück und natürlich beginnt damit der Konflikt: Am Ende des ersten Teils war er schließlich mit dem gesamten Geld aus dem Drogendeal abgehauen und Sick Boy sowie der frisch aus dem Knast geflohene Begbie haben nun noch ein Hühnchen mit ihm zu rupfen. Ich finde, dass das alles authentisch und schlüssig gelöst wird. Aber an die Originalität des ersten Teils kommt T2 (natürlich) nicht heran.


Sully (2016) ... Man hätte diese Story ordentlich gegen die Wand fahren können. Man hätte einen effektgeladenen Beinahe-Katastrophen-Film machen, man hätte Michael Bay oder Roland Emmerich ranlassen können.
Hat man aber nicht. Stattdessen hat Clint Eastwood einen klugen und für das Thema überraschend leisen Film darüber gemacht, wie es einem Piloten (Tom Hanks) geht, der gerade ein Flugzeug im Hudson River notgelandet hat. Wie er sich nicht sicher ist, alles richtig gemacht zu haben, wie er von den Medien herumgereicht und von der Flugsicherheitsbehörde vernommen wird. Wie der Flugzeughersteller sich aus der Schuld winden will und die ganze Welt ihn als Helden feiert. Tom Hanks verkörpert den Piloten Chesley "Sully" Sullenberger sehr glaubhaft, irgendwo zwischen Einschüchterung und Selbstbewusstsein. Die 96 Minuten kann man ruhig mal übrig haben!
p.s.: Wer sich nicht mehr erinnert - Der Film behandelt dieses wahre Geschehen aus dem Januar 2009.

Silver Linings (2012) ... Schräger, unterhaltsamer Film - aber die Erwartungshaltung, die er durch sein gutes Abscheiden bei Oscar-Verleihung & Co. ausgelöst hat, konnte er dann doch nicht erfüllen. Es scheinen halt einfach keine Jennifer Lawrence-Filme ohne Liebeskitsch möglich zu sein, wie neulich schon in Passengers. Es gibt zwar viele sehr charmante, originelle Szenen, unterm Strich ist der Streifen aber um einiges konventioneller als gedacht. Immerhin: Ich mag Bradley Cooper jetzt mehr als vorher. Und für einen Tanz- und Sportwetten-Film ist Silver Linings doch ziemlich gut geraten ;)


Freitag, März 10, 2017

Der Lese-Winter in Erfurtjenaweimar

Nachdem ich so etwas im Herbst schon einmal gemacht habe, möchte ich das auch in diesem Quartal fortführen.

Musik mit Robert Wenzl
In Guter Nachbarschaft - XMAS EDITION ... Die Lesereihe In guter Nachbarschaft hat im vergangenen Dezember ein besonderes Dankeschön für ihre Stammpublikum vorbereitet: Zur Weihnachtsausgabe im Jenaer Merle Stankowski wurde kein Eintritt verlangt, dafür aber ein Programm mit vielen Überraschungen geboten. Eröffnet wurde der Abend von Ralf Schönfelder vom Lesezeichen e.V. mit einer Laudatio, live aus Lübeck zugeschaltet war Kinga Toth, es gab tolle Musik von Robert Wenzl & Band, dazu fremde und eigene Texte, gelesen von den Organisatoren. Eine umfassende Rückschau auf den Abend gibt es hier.

Tim Holland und M. Scheidewandt
vom wuchern / Tim Holland ... In Kooperation mit der ACC Galerie Weimar gab es im Januar schon die nächste Veranstaltung von In guter Nachbarschaft. Der Berliner Autor Tim Holland las im Rahmen der Ausstellung "Alle Achtung! - Zur Ökonomie der Aufmerksamkeit" aus seinem Debüt vom wuchern. Dazu gab es moderne Klarinettenmusik von Moritz Scheidewandt, dem es gelungen ist, Stücke auszusuchen, die Hollands wuchernde Texte wunderbar ergänzt haben. Eine bebilderte Rückschau gibt es hier.

Die Initiatoren stellen sich vor.
Watch us grow ... Und wieder In guter Nachbarschaft, aber diesmal in Kooperation mit gleich vier weiteren Kulturinitiativen: dem Literaturfestival Erfurt, dem hEFt, dem HANT - Magazin für Fotografie und der Salzburger Literaturzeitschrift und Verlag mosaik. Dementsprechend viefältig war auch das Programm in der Frau Korte am Erfurter Nordbahnhof - jede Initiative steuerte eine/n Autor/in bei. Für IGN war wiederum Kinga Toth am Start, für unsere Freunde aus Österreich Alke Stachler. Mehr Infos gibt es hier in der Nachlese auf dem Blog der Nachbarschaft.

Kinga Toth - Vernissage: Wir bauen eine Stadt ... Kinga Toth zum Dritten: die ehemalige Jenaer Stadtschreiberin eröffnete in der Villa Rosenthal ihre eigene Ausstellung mit einer eindrücklichen Performance. Die Grafiken rund um ihren Gedichtband Wir bauen eine Stadt und ihre Zeit in Jena sind noch bis 29. März in der Villa zu sehen.

Ralf Schönfelder stellt Kinga Toth in der Villa Rosenthal vor.