Montag, Januar 22, 2018

Der Jahreswechsel in Salzburg


Den Jahreswechsel 2017/18 haben wir im wunderschönen Salzburg verbracht. Hier haben wir Josef besucht, den wir vor knapp zwei Jahren durch die von ihm betriebene Literaturzeitschrift mosaik kennengelernt haben. Gemeinsam mit seiner wunderbaren Freundin Vicky lebt er in einer Altstadtwohnung, direkt an den Kapuzinerberg gebaut, für die man zum Mörder werden möchte.

Genächtigt haben wir in einer Einraumwohnung, die wir über airbnb gefunden haben - wenn man sich Ende November überlegt, den Jahreswechsel in so einer beliebten Stadt wie Salzburg zu verbringen, ist das das einzig bezahlbare. Frühstück gab es beim Bäcker im nahen Einkaufszentrum oder - noch besser - bei Kaffee Alchemie. Gereist sind wir wie immer mit der Deutschen Bahn, was in diesem Fall ausnahmslos gut geklappt hat. Sogar auf der neuen München-Erfurt-Strecke ;).

Festung Hohensalzburg
Salzburg ist fast ein bisschen zu schön, um wahr zu sein, und deswegen auch arg kitschig. Gerade bei gutem Wetter ist die Skyline der barocken Kuppeln kaum zu glauben. Für Barock-Freunde gibt es entsprechend viel zu sehen, allem voran der Dom mit seiner schicken Fassade - übrigens die älteste barocke Kirchenfassade nördlich der Alpen. Das Kloster St. Peter im Altstadtkern ist das älteste im deutschen Sprachraum und ebenfalls sehr sehenswert. Der Benediktinen-Frauenstift Nonnberg ist ebenmal so das älteste durchgehend betriebene Frauenkloster der Welt - und so reiht sich hier Superlativ an Superlativ.

Als bedeutendste Profanbauten sind u.a. die Schlösser (Schloss Mirabell, Schloss Leopoldskron, Schloss Hellbrunn und zahlreiche weitere im Umland), der bischöfliche Residenzpalast mit dem Salzburg Museum und Mozarts Geburtshaus vorzuheben. Wichtig, aber wenig hübsch ist das legendäre Festspielhaus. Und da ist natürlich die alles überragende Festung Hohensalzburg, die ich aus Zeitgründen nicht besichtigt habe.

Unbedingt lohnenswert ist die Aussicht vom Mönchsberg - im Süden erstrecken sich die Alpen, im Osten breitet sich die ganze Altstadt vor dem Betrachter aus. Man gelangt entweder über die Festspielstiege, einen Fahrstuhl oder grüne Wege auf der Südseite des Berges hinauf. Da oben befinden sich auch das Salzburger Museum der Moderne, die ein oder andere gastronomische Möglichkeit sowie ein gemütlicher Spazierweg zur Festung.

Aussicht vom Mönchsberg

Literaturfreunde kommen in Salzburg ebenfalls auf ihre Kosten: Peter Handke lebte hier lange Jahre, ebenso wie Stefan Zweig. Georg Trakl ist hier geboren und aufgewachsen. Eine interessante Entdeckung in diesem Zusammenhang, gefunden in der sehr gut sortierten Rupertus Buchhandlung, ist die Essay-Sammlung Salzburger Orte der Weltliteratur, in der neben den oben Genannten noch viele weitere namhafte Schriftsteller Platz gefunden haben.

Mehr Bilder gibt es hier.

Samstag, Januar 13, 2018

Kurztrip nach Goslar

Am dritten Adventswochenende war ich mit Mann und Schwiegereltern für zwei Tage in Goslar. Das historische Örtchen ist für die gut erhaltene Altstadt, die Kaiserpfalz und zum Jahresende für seinen hübschen Weihnachtsmarkt bekannt (Highlight: der Weihnachtswald!). Den haben wir auch ausgiebig besucht, sind durch die mittelalterlichen Gassen geschlendert und haben das Stadt- sowie das Zinnfigurenmuseum besichtigt. 

Glücklicherweise waren wir Donnerstag bis Samstag vor Ort - während die Altstadt Freitag schon gerappelt voll war, hatten wir Donnerstag noch schön Platz. Ich empfehle einen Besuch im Brauhaus Goslar, dem letzten Gosebrauhaus der Stadt, und eine ausgiebige Besichtigung der Kaiserpfalz. Außerdem sollte man bei entsprechendem Wetter auch einen der Türme der Stadtkirche St. Cosmas und Damian besteigen. Genächtigt haben wir in einer hübschen Ferienwohnung in einem Fachwerkhaus.


Die Kaiserpfalz



Dienstag, Januar 09, 2018

Der Leseherbst in Erfurtjenaweimar

Gorch Maltzen in Eisenach
Der Leseherbst beginnt Ende August, denn diese Veranstaltung fand nach meinen "Lesesommer"-Posting statt: Am 26. August gab es in Eisenach das Sommerfest der Poesie der Literarischen Gesellschaft Thüringen (LGT). An insgesamt drei Orten stellten sich verschiedene lokale und regionale Autoren vor, die LGT präsentierte ihre Projekte und Lesereihen. Unter anderem auch "In guter Nachbarschaft". In der ehrwürdigen Reuter-Wagner-Villa stellten Mario Osterland und Peter Neumann die Veranstaltungsreihe vor und lasen auch selbst. Dazu gab es vom Nachbarschafts-Homie Gorch Maltzen supergute Kurzprosa. Am Abend konnte man sich dann von der Arbeit des Poetryfilmkanals überzeugen sowie von den mittlerweile weithin bekannten Thüringer Dichterinnen Nancy Hünger und Daniela Danz.

Am 14. Oktober gab es im Jenaer Kunstverein dann "Heimische Arten und Bodenkunde". Mario Osterland und André Schinkel stellten ihre neuen Gedichtbände vor, vom obersupertollen littlemanlost aus Erfurt kam die Musik dazu.

Mario Osterland las spät
Am 20. Oktober mussten sich die Erfurter Literaturinteressierten entscheiden: Zur Spätlese ins Haus Dacheröden oder zum Release der Anthologie "Wortwald" ins Naturkundemuseum? Sie haben wohl ziemlich genau halbe-halbe gemacht, denn beide Veranstaltungen waren gerammelt voll. Bei der Spätlese, wie immer charmant moderiert von Ryo Takeda, gab es Texte der unterschiedlichsten Qualitäten. Das reichte von vorgelesenen Mädchenblogtexten ohne Poesie, aber mit Moral, über charmanten Amateurrap aus Ilmenau bis zu ausgefeilter Prosa von Mirandolina Babunashvili und Gorch Maltzen. Auch Mario Osterland war mit frisch veröffentlichten Gedichten am Start. Die Spätlese ist ein Format der Erfurter Herbstlese. Parallel dazu stellte die "Aktionsgruppe Eskapismus" im Naturkundemuseum ihre brandneue Anthologie vor, in der u.a. auch Arne Hirsemann, der ehemalige Stadtschreiber von Heiligenstadt, vertreten ist.

Whoop whoop! Die mittlerweile 14. Ausgabe von "In guter Nachbarschaft" fand am 4. November im Erfurter Franz Mehlhose statt. Der Berliner Arzt und Schriftsteller Daniel Ketteler las aus seinem Roman "Grauzone", wobei die Lesung immer wieder in ein wildes Harakiri-Elektro-Konzert überging. Dabei wurde er von DJ Ernst Wawra unterstützt - denn gemeinsam sind sie Elektro Willi und Sohn! Als dann auch noch die legendäre Deborah auf die Bühne kam, war die Action perfekt. Ich habe selten ein derart euphorisches "Nachbarschafts"-Publikum erlebt ("Das war geil!"). Ein hochinteressantes Gespräch über die Verbindung von Literatur und Medizin und die psychiatrischen Probleme Berliner Kulturschaffender rundete die Veranstaltung ab.

Elektro Willi und Sohn feat Deborah

In der Villa Rosenthal
Apropos rund: Einen absolut runden Abend habe ich am 17. November in der Jenaer Villa Rosenthal erlebt. Die herrschaftlich getäfelten, warm ausgeleuchteten Erdgeschossräume der Villa waren eine tolle Kulisse für die Gedichte von Mario Osterland, Christine Hansmann und vor allem die Arrangements von Anna Carewe am Cello und Oli Bott am Vibraphon. Mit viel Leichtigkeit haben sie sich durch Jazz- und Klassikwerke vergangener Jahrhunderte musiziert.


Am 7. Dezember fand die ebenso ambitionierte und hochinteressante wie mies besuchte Lesung "Read Poetry. Read [it] kook.txt" im Kunsthaus Erfurt statt. Die Kookbooks-Verlegerin Daniela Seel ist mit eigenen  Gedichten - nämlich einem atmosphärisch unglaublich dichten Island-Zyklus - und den Verlagsautoren Birgit Kreipe und Steffen Popp nach Erfurt gekommen. Dazu gab es ein Gespräch zwischen Moderator Mario Osterland und Daniela Seel, in dem die Rahmenbedingungen, unter welchen unabhängige Literatur entsteht, seziert worden sind.

Tags drauf dann das große "Nachbarschafts"-Finale für 2017: die insgesamt 15. Ausgabe von "In guter Nachbarschaft" war ganz Wassily Kandinsky gewidmet. Im gut besuchten Weimarer Kulturzentrum mon ami stellten der Berliner Autor, Philosoph und Kulturvermittler Alexander Graeff und der Übersetzer Alexander Filyuta das wenig bekannte lyrische Werk des Malers, Kunsttheoretikers und Pädagogen Kandinsky vor. Dazu gab es Musik von niemand geringerem als der Thüringer Jazz-Legende Conny Bauer, der bereits vor Jahren das Theaterstück "Der gelbe Klang" von Kandinsky als Posaunenimprovisation vertont hat. Von dem hervorragend choreografierten Abend, der Musik, den Gedichten und den Erläuterungen Graeffs war das Publikum hellauf begeistert. Ein würdiger Abschluss des Lesejahres.

Conny Bauer (links) und Alexander Graeff

Freitag, Januar 05, 2018

Filmrückschau

Willkommen in Rileys Kopf
Alles steht Kopf (2015) ... Unbedingt gucken! Einer der originellsten Kinderfilme der letzten Jahre. Diese Pixar-Produktion spielt sich größtenteils im Kopf der Protagonistin Riley ab, die gerade mit ihren Eltern von Minnesota nach San Francisco gezogen ist - was bei ihr ziemliches Gefühlschaos auslöst. Und da wären wir auch schon bei den eigentlichen Hauptfiguren des Films - Rileys Gefühlen. Freude, Kummer, Angst, Wut und Ekel sitzen in Rileys Gehirn an den Schalthebeln (vgl. Bild - Quelle) und versuchen das elfjährige Mädchen so gut es geht durch den Alltag zu navigieren. Bis Kummer es so richtig verbockt und das mit Freude wieder geradebiegen muss... Zwar konservativ erzähltes, aber sehr erfrischendes Abenteuer!


Der Weg nach El Dorado (2000) ... Den hatte ich bis dato immer nur auszugsweise, aber nie im Ganzen gesehen. Dieser Zeichentrickfilm über die Suche zweier cleverer Taugenichtse nach dem großen Reichtum im Südamerika ist größtenteils unterhaltsam, überraschend anzüglich bzw. erotisch aufgeladen, aber leider auch voller nerviger Lieder. Und vom Humor her ein mäßiger Aufguss des großartigen "Ein Königreich für ein Lama", ebenfalls von 2000. Denn Wettlauf zweier exotischer Stories in ähnlichem Setting gewann dann auch folgerichtig die Disney-Produktion um den in ein Lama verzauberten König Cuzco (oh yeah!) um Längen gegen den Dramworks-Film um die Schatzsuche, sowohl bei der Kritik als auch den Zuschauerzahlen.

Blood Diamond (2006) ... Ein DiCaprio-Film par excellence: politisch brisantes Thema (Bürgerkrieg in Sierra Leone, Versklavung, Handel mit Blutdiamanten) und eine moralisch flexible, schlitzohrige, und [SPOILER!] sich am Ende für das Gute opfernde Hauptfigur. Leo ist natürlich wie immer super, ebenso wie die meisten anderen Akteure. Der Film hat vielleicht ein paar Längen und kommt hier und da zu sehr mit der hollywoodschen Pathoskeule (die finale Szene!), zeigt aber überraschend kompromisslos auf, wie es abseits unserer europäischen Komfortzone zugeht. Absolut zugute halten muss man "Blood Diamond" außerdem, dass er die Gefühle der Figuren Danny Archer und Maddy Bowen füreinander zwar thematisiert, diese aber ganz unkitschig behandelt und die beiden nicht im klassischen Sinne zusammenfinden lässt. (Bildquelle)

Aufeinander angewiesen: Solomon Vandy (Djimon Hounsou) und Archer (DiCaprio)

Super-Hypochonder (2014) ... Der Regisseur und Schauspieler Dany Boon hat sich mit "Willkommen bei den Sch'tis" 2008 sehr verdient gemacht. Nur leider dreht er seitdem fast immer den gleichen Film, z.B. "Nichts zu verzollen" oder "Willkommen im Süden" (letzterer ist die italienische Version des Sch'ti-Films). Und so ist "Super-Hypochonder" zwar eine streckenweise ganz witzige Verwechslungskomödie und versucht sich auch mit einer politischen Dimension (illegale Einwanderung, nahöstliche Diktaturen, ...), bleibt aber blass.

Sonntag, Dezember 17, 2017

Was man in Erfurt so machen kann: Den egapark besuchen

Einen großen Teil des Erfurter Westens nimmt der egapark ein. Die Erfurter Gartenbauausstellung - daher der Name - befindet sich auf einer Anhöhe, dem Cyriaksberg. Die Festungsanlage Cyriaksburg, die hier viele Jahrhunderte stand, kann man in Überresten heute noch erahnen. Auf ihren Grundmauern befindet sich u.a. das Deutsche Gartenbaumuseum. Die alten Geschütztürme sind heute einen Sternwarte und ein Aussichtspunkt. 

Blick vom Aussichtsturm in Richtung Altstadt

Die ega brüstet sich damit, zu jeder Jahreszeit etwas zu bieten zu haben. Im Winter hat man freilich nur etwas von den beheizten Pflanzenhäusern, wie dem Orchideenhaus, dem Kakteenhaus oder dem Schmetterlingshaus. Im Frühsommer hingegen blüht und duftet das ganze Areal. Die Vielfalt an Bäumen und Blumen ist wirklich groß. Im Oktober ist die Kürbisausstellung sehr beliebt. 

Im Schmetterlingshaus
So richtig umgehauen hat mich der egapark allerdings nicht. Ein großer Teil, z.B. die riesigen Spielplätze, richten sich ausschließlich an Familien. Dinge wie die Dahlienausstellung wiederum flashen mich hoffentlich erst jenseits der 60. Und die Ecken, die so richtig interessant sein könnten, sind entweder ein bisschen halbherzig gemacht (z.B. der japanische Garten) oder haben ihren Zenit überschritten (besagte Tropenhäuser). Manche Areale kann man wegen Baufälligkeit nicht betreten oder sie werden nur ab und zu bewirtschaftet (das Bienenhaus). Weil dazu die gastronomische Versorgung so lala ist, lohnt sich das Eintrittsgeld von 8 Euro für Vollzahler für mich nur mäßig. Tipp: In der Nebensaison gibt es zwar weniger zu sehen, dafür ist der Eintritt frei!

Die Bedeutung der ega für Erfurt ist allerdings kaum zu überschätzen. Schon 1950 fand hier die erste Gartenausstellung statt, was wiederum in Erfurts Geschichte als "Blumenstadt" begründet liegt. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde von hier die halbe Welt mit Blumen- und Gemüsesamen, Gewürzen und Kräutern beliefert. An manchen Stadträndern, z.B. rechts der Hannoverschen Straße stadtauswärst gen Norden, kann man von den früher riesigen Blumenfeldern noch etwas erahnen.

In 2021 findet in Erfurt übrigens die nächste Bundesgartenschau statt. Das Ausstellungsareal soll neben dem egapark auch den Petersberg und den Nordpark umfassen. Ich bin dann also "mittendrin statt nur dabei", wenn ich dann noch in der jetzigen Wohnung lebe.

Berühmt ist der egapark u.a. für solche Skulpturen

Mittwoch, Dezember 13, 2017

Filmrückschau

Twin Peaks (1991) ... Eeeendlich habe ich diese Serie gesehen (abgesehen von der 2017er-Staffel), leider auch den dazu gehörigen Spielfilm mit Prequelfunktion - den kann man sich echt schenken. Wer Twin Peaks zum ersten Mal sieht, hat zahlreiche Aha-Erlebnisse. Das reicht vom neuen Verständnis für manche Simpsonsszenen bis zum Erkennen des Grundsteins für unsere heutigen Sehgewohnheiten, gerade wenn es um Mystery-Formate geht. Einfach eine wunderbar spannende, skurrile und wahnsinnig witzige (!) Serie.


Heute bin ich Samba (2014) ... Omar Sy muss anscheinend für immer die gleiche Rolle spielen. Der liebenswerte, für Frauen durchaus anziehende Schwarze, mit weicher Schale und hartem Kern, mit ausgeprägter melancholischer Seite, humorvoll kämpfend mit den Vorurteilen. Und irgendwie fällt es mir tatsächlich auf, dass "Heute bin ich Samba" vom gleichen Regisseur wie "Ziemlich beste Freunde" ist. Herausgekommen ist ein unterhaltsamer Film über eine (nicht nur) in Frankreich brennende Thematik (Immigration), mit dieser für französische Filme seit 2000 typischen Note. Von dem man aber auch meint, ihn so oder so ähnlich schon gesehen zu haben.

Suburbicon (2017) ... Wenn man die Coen Brüder, George Clooney, Julianne Moore und Matt Damon in einen Topf haut und umrührt, wird schon was Gutes und vielleicht sogar "Kultverdächtiges" herauskommen? Leider nein. Leider ist "Suburbicon", geschrieben von den Coens und gedreht von Clooney, ziemlich fade geworden. Vorhersehbar, die witzig gemeinten Stellen null komisch, die Gewalt seltsam überzogen. Irgendwie von allem zu viel, das aber wiederum hinter einem Distanz schaffenden Grauschleier. Das Feuilleton lobt den Film zwar sehr, die Bewertungen auf rotten tomatoes oder imdb sprechen aber Bände. Absolut keine Sehempfehlung.

Gimme Danger (2017) ... Jim Jarmusch macht eine Doku über Iggy & The Stooges? Nüscht wie hin. Wir lernen den kleinen Jim Osterberg alias Iggy im Trailer seiner Eltern kennen, seinen Weg zum Schlagzeuger und schließlich Frontmann der wohl ersten Punkband. Für Liebhaber des Rock'n Roll vergangener Jahrzehnte sehr sehenswert, für Iggy-Fans wirklich erhellend. Toller Film.


Sonntag, November 05, 2017

Urlaubsrückblick: Griechenland und London

Es hat sich bei mir eingebürgert, dass es einmal im Jahr auf einen Städtetrip und einmal in den Erholungsurlaub geht - ich werde alt und brauche anscheinend meine Rituale. Der Städtetrip führte uns im Februar über mein Geburtstagswochenende in die britische Hauptstadt. Ich selbst war schon zweimal in London gewesen - einmal in den frühen 2000ern mit der Schule und einmal 2007 mit Freundinnen. Zu zweit und ohne den Sightseeing-Kram, stattdessen mit gezielten Museumsbesuchen, war das dann aber doch was anderes.

Wir wohnten in einem Einraumapartment am Greenland Dock in einer interessanten Wohngegend. Früher gab es hier wohl vornehmlich Lager- und Wirtschaftsgebäude des Hafens. Das Tate Modern Museum und die National Portrait Gallery waren die Museen der Wahl - beide kann ich nur empfehlen. Bis auf die Sonderausstellungen ist der Besuch auch gänzlich kostenfrei. Vom Tate Modern hat man übrigens einen tollen Rundumblick auf dieses London, das im Grunde frei von jeglichem Stadtbild ist.



In der restlichen Zeit haben wir vornehmlich entdeckt - Pubs und Burgerläden, neue und alte Wohngegenden, Themsewege, Buslinien und die Tube. Auch spannend: in London ins Kino gehen. Nicht ganz günstig, aber man fühlt sich gleich nicht mehr wie ein Tourist. Gesehen haben wir übrigens Trainspotting 2Hier geht es zu meiner Rezension.

***

Im August und September zog es uns für zwölf Tage nach Griechenland. Zuerst standen zwei Tage Athen auf dem Programm - so ziemlich die stressigste, dreckigste und lauteste europäische Stadt, in der ich bisher gewesen bin. Eine gute Zeit kann man da dennoch haben - die antiken Areale sind wirklich beeindruckend und schön, v.a. weil um sie herum die größten Grünflächen der Stadt sind. Auch das Studentenviertel Exarchia hat mir gut gefallen, insbesondere am Abend. Um diese Regionen herum fand ich die Stadt eher trist - man merkt ihr nicht mal an, wie nah am Meer sie ist.

Von Athen aus ging es dann weiter mit der S-Bahn zum Hafen von Piräus und von dort mit der Fähre zur Insel Hydra, etwa 2 Stunden südlich von Athen. Diese Insel war für mich schlichtweg das Paradies: Keine Straßen, keine Autos, keine Leuchtreklamen. Stattdessen tolles Essen, wunderbares Wasser, sagenhafte Aussichten und Ruhe. Am Hafen geht es quirlig zu, mit jedem Schritt weiter in den Hauptort der Insel hinein wird es entspannter, dörflicher, friedlicher. Überall chillen Katzen, klackern Esel Lasten tragend durch die Gassen und schwatzen Großmütter in den Gärten.

Ein bisschen was zu sehen gab es hier auch - etwa das Hafenmuseum, alte Admiralshäuser, Galerien und Boutiquen, Klosteranlagen, Kirchen und natürlich den sich immer verändernden Hafen. Außerdem kann man auf Hydra gut wandern und in traumhaft klarem Wasser baden gehen. Mehr Bilder gibt es im Ramschladen.


Mittwoch, November 01, 2017

Filmrückschau - Quickie

Da haben sich wieder ein paar Streifen zusammen geläppert - los geht's!

Die Queen (2006) ... Helen Mirren fetzt! Und wie sie die immer etwas eingeschnappte Mimik der Queen übernommen hat, das fetzt erst recht. Ob es den Film tatsächlich braucht - ob man einen Spielfilm darüber braucht, was mutmaßlich hinter den Kulissen des Königshauses um Dianas Tod herum abging - das wage ich zu bezweifeln. Aber Helen Mirren war nun entgültig überall ein Begriff und das ist schon viel wert.

Hai-Alarm am Müggelsee (2013) ... Wieso nur hatte ich den bis dato noch nicht gesehen! Ein Meisterwerk der Ironie und trockenen Sprüche, das vor richtig guten Darstellern nur so strotzt (Michael Gwisdek, Tom Schilling, Henry Hübchen, Detlev Buck). Verantwortlich für diesen Guerilla-Film waren Leander Haußmann (Sonnenallee, Soloalbum, Die Vermessung der Welt) und Sven Regener (Autor von "Herr Lehmann" und "Neue Vahr Süd", Sänger von Element of Crime). Diese irrwitzige Komödie, deren Handlung im Filmtitel bereits recht umfassend erzählt ist, wurde mit sehr geringem Budget realisiert, die meisten Darsteller haben auf eine Gage verzichtet. Und soviel Spaß merkt man dem Film auch an.

Inside WikiLeaks (2013) ... Hach. Ambitioniert und toll besetzt, aber irgendwie ein bisschen schiefgegangen. Ich habe mich während des Films ein wenig unwohl gefühlt, weil mir bewusst war, dass es sich hier um die ziemlich einseitige Umsetzung der Perspektive von Daniel Domscheit-Berg handelt. Er stand sogar in regem Kontakt mit seinem Film-Ich Daniel Brühl, sodass Julian Assange sich zunehmend ablehnend zeigte. Eine ausgewogenere Argumentation hätte dem Film vielleicht gut getan.


Who Am I - Kein System ist sicher (2014) ... Tom Schilling spielt einen schüchternen Loser, Wotan Wilke-Möhring einen Punk, Elyas M'Barek einen smarten Täuscher und Antoine Monot jr. einen Tech-Nick (haha). Was hier ziemlich fantasielos-stereotyp besetzt klingt, entpuppt sich als überraschend guter deutscher Thriller, der noch dazu verhältnismäßig unpeinlich ein modernes Milieu (Hacker, Netzkriminalität, ...) behandelt. Der Film bietet tatsächlich einige unerwartete Wendungen und viele clevere Ideen.

Aguirre, der Zorn Gottes (1972) ... Werner Herzog, Klaus Kinski und die Wildnis. Für die einen genial, für die anderen unguckbar. Aber auf jeden Fall irre.


Grace of Monaco (2014) ... Da war ich erstmal sprachlos. Die Figur Grace Kelly / Fürstin Grazia Patrizia interessiert mich per se aufgrund der glamourös-tragischen Lebensgeschichte ja schon sehr. Nur konnte ich mich während des Films kaum darauf konzentrieren, weil ich immer Nicole Kidmans versteinerte Mimik anstarren musste. Die Frau ist zu keinerlei sichtbarer Gefühlsregung mehr fähig - selbst wenn ihre Rolle schreit und heult, passiert auf Frau Kidmans Stirn einfach gar nichts. Und ähnlich sieht sie sich schon lange nicht mehr. Schade schade. Den Film an sich fand ich darüber hinaus recht kitschig und vorhersehbar.

Montag, August 14, 2017

Der Lese-Sommer in Erfurtjenaweimar

Volle Hütte bei Denis Scheck
Eine Großveranstaltung in meinem Thüringer Lese-Sommer, die ich nicht mehr missen möchte, sind die Thüringer Literatur- und Autorentage. Das mehrwöchige Festival fand in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Der Höhepunkt ist jedes Jahr das lange Wochenende auf Burg Ranis bei Pößneck Anfang/Mitte Juni. Dort habe ich in diesem Jahr u.a. Denis Scheck, Kinga Toth und Ulf Stolterfoht gehört, viele tolle Menschen getroffen, sehr lecker gegessen (und getrunken) und einen wunderbar sonnigen Tag auf der Burg verbracht.

Blick von Burg Ranis in die Orla-Senke


Mario Osterland
Fast genauso vielfältig war das Literaturfestival Juli im Juni, das Ende Juni in Weimar stattfand. An zwei Tagen lasen an verschiedenen Orten in der Klassikerstadt u.a. Isabelle Lehn, Max Czollek und Andreas Stichmann. Die Veranstalterinnen hatten sich zwei wunderbar laue Tage für ihr Festival ausgesucht, das immerhin auch schon seinen 15. Geburtstag feierte. Auf der offenen Lesebühne zeigte übrigens auch der Herzallerliebste, was er kann - am Text und der Maultrommel.

Lisa Goldschmidt
Am 30. Juni hieß es dann mal wieder In guter Nachbarschaft. Diesmal war Schillers Gartenhaus in Jena das Domizil der Lesereihe, mit seinem gemütlichen Wintergarten, von dem aus man einen tollen Blick in den großen Garten hat. Es lasen mit Joshua Schößler und Lisa Goldschmidt zwei Preisträger des Jugen Literaturforums Hessen-Thüringen, außerdem die Berliner Autorin Annika Scheffel, die aus ihrem aktuellen Romanmanuskript vorlas.

Freitag, Juni 09, 2017

Der Lese-Frühling in Erfurtjenaweimar

Marcus Roloff, Tim Helbig
Der Lese-Frühling begann im April mit der zwölften Ausgabe von In guter Nachbarschaft. In Kooperation mit dem Kunstverein Jena las der Frankfurter Autor Marcus Roloff in der Jenaer Galerie Stadtspeicher. Die Veranstaltung fand außerdem im Rahmen der langen Nacht der Museen statt. Roloffs Gedichte sind häufig Auseinandersetzungen mit Gemälden, Grafiken und Skulpturen oder gar Museen. Begleitet wurde er vom Jenaer Elektroakustiker Tim Helbig - das ergänzte sich hervorragend.

Am 23. April las Christoph Hein im Haus Dacheröden, Erfurts neuem Literaturhaus, betrieben vom Erfurter Herbstlese e.V. Er trug einem großen Publikum, dessen Altersschnitt ich drastisch senkte, einen Ausschnitt aus seinem neuesten Roman "Trutz" vor. Für Kulturrentner zur besten Sonntagsmatineezeit war das hörbar amüsant, für mich eher eine Zumutung. Das altersmilde Werk eines großen Schriftstellers, voller Dichterklischees und billigen Gags... Mit altehrwürdigen Herren ging es am 12. Mai weiter. Volker Braun las in der Thalia-Buchhandlung Jena - und der Liebste moderierte. Die gut besuchte Lesung kam gut an, Braun las quer aus seinem neuen Lyrikband, dem ersten seit elf Jahren.

Johanna Wieser und Luca Kieser
Besuch aus Österreich gab es im Mai. Johanna Wieser, eine der Herausgeberinnen der Wiener Literaturzeitschrift JENNY, war mit der aktuellen Ausgabe auf Lesereise durch Deutschland. Begleitet wurde sie von den Autoren Helene Bukowski, Max Oravin, Frank Ruf und Luca Manuel Kieser. Die vier lasen im Kunsthaus Erfurt, einer Galerie in der Altstadt. Die Veranstaltung fand wiederum im Rahmen der Erfurter langen Nacht der Museen und in Kooperation mit In guter Nachbarschaft statt.

Moderator und Autoren im Gespräch
Tags drauf gab es in der Weimarer Galerie Iconotop "Lyrik, Landkarten und Videospiel". Unter diesem Motto lasen die Autoren Tim Holland und Christian Schloyer aus ihren schon optisch außergewöhnlichen Gedichten. Tim Holland las aus der wabernden Textfläche "vom wuchern", die an eine Landkarte erinnert. Schloyer hatte seine neuen Gedichte dabei, die nach dem Jump'n'Run-Prinzip funktionieren - gleichzeitig projizierten beide Autoren ihre Texte an die Wand. Experimentelle Musik dazu gab es von Philipp McCarthy.