Sonntag, August 29, 2010

Tag 2 – Von Magdeburg nach Aken (nahe Dessau)

Am Vormittag des nächsten Tages, übrigens ein Sonntag, brachen wir dann bei Nieselregen und trübem Wetter recht zeitig auf, um uns an die geplanten 72km zum nächsten Übernachtungsziel zu machen. Dafür hatten wir einen Bungalow auf einem Zeltplatz namens ‚Seebad Aken’ reserviert, aber dazu mehr, wenn wir auf unserer virtuellen Radtour auch soweit gekommen sind. Hier erst mal die geplante Route:
Erst einmal fuhren wir von dem Magdeburger Vorort, in dem wir so luxuriös genächtigt hatten, ins nicht so wirklich schöne Schönebeck. Was wollten wir da? Die hiesige Elbbrücke überqueren, was wir nach einigen Orientierungsproblemen auch schafften. Wir wären lieber auf der Elbseite geblieben, auf der wir bisher gefahren waren, aber der Elberadweg befand sich auf dem kommenden Teilstück nur auf der anderen Uferseite. Den nächsten Stopp machten wir in einem Nest namens Pretzien, wo wir überraschenderweise eine zum Sonntagmittag geöffnete, wenn auch minikleine Touristeninformation vorfanden. Dort erfuhren wir von einer sehr netten Frau, dass aufgrund des Hochwassers keine einzige Fähre der Elbe derzeit in Betrieb ist – was sich negativ auf unseren Plan, die Elbe bei Aken mit der Fähre zu überqueren, auswirkte. Zudem gibt es auf den kommenden zig Kilometern bis Dessau, abgesehen von einer kleinen Fußgängerbrücke, keine Möglichkeit zur Flussüberquerung. Und das Allerbeste: auch die Saale, die auf der Strecke, die wir uns für diesen Tag vorgenommen hatten, in die Elbe mündet und die wir auch überqueren mussten, führt Hochwasser. Über die Saale fahren also auch keine Fähren, die wir zur Überquerung benötigt hätten und wir müssen ein ganzes Stück die Saale flussaufwärts in die kleine Stadt Calbe radeln, um zu einer Brücke zu gelangen. Die Tagesstrecke würde also um einiges länger werden als geplant. So sah die letztendliche Route dann aus (dunkelblau), im Vergleich die im Vorfeld geplante offizielle Strecke des Elberadwegs (rot):

Fußgängerbrücke bei Barby

Sowohl landschaftlich als auch kulturell hatte dieser Tag nicht übermäßig viel zu bieten, von ein paar schönen Strecken durch Wälder und über Felder mal abgesehen. Die größeren Orte, die wir passierten (Schönebeck, Barby und Calbe / Saale – wo wir ja notgedrungen durchmussten) waren weniger schön, vom Calber Marktplatz mal abgesehen. Hier gab es ein hübsches Rathaus mit einer Rolandsfigur davor, eine schöne Kirche und ein paar niedliche Häuschen. Die Umleitungsroute von Calbe zum Zeltplatz ‚Seebad Aken’ (22km) ging immer der Landstraße entlang durch diverse Dörfer (gehört ja auch nicht zum Elberadweg), weswegen das auch nicht die schönste alle Strecken war.


Marktplatz von Calbe (Saale)

Auf dem Zeltplatz angekommen, kamen noch ein paar andere Momente der Ernüchterung hinzu. Außer der Dame, mit der wir zwecks der Reservierung vor einer Woche telefoniert hatten, wusste wohl keiner so recht, dass wir dort übernachten wollten und was man nun mit uns anfangen sollte. Schließlich wurde dann doch noch schnell ein Bungalow zurechtgemacht. Der war allerdings alles andere als schön – der Laminatboden war schlecht verlegt und hob sich an vielen Stellen bis zu 10cm, das Bettzeug war fleckig, und alles war klamm und feucht. Mario und ich schliefen in ganz reizender, stickiger Bettwäsche mit Leomuster … a
uch sonst hielt dieser Zeltplatz rein gar nichts von dem, was die Homepage (http://www.am-akazienteich.de/) versprochen hatte. Von modern und sauber konnte keine Rede sein – aber Flachbildfernseher, wohin man sah. Die Mitarbeiter und die anderen Gäste … ich sollte wohl besser nichts schreiben, dass mich als sozial-elitäre Tussi outen könnte. Und selbstverständlich war auch das Camping-Spießbürgertum, inklusive aller Accessoires (Zäune um den eigenen Wohnwagen, Gartenzwerge …) vertreten. Kurz – wir waren froh, dort am nächsten Tag beizeiten wieder abzuhauen.

Außerdem dezimierte sich unsere Dreier-Radel-Combo an diesem schönen Abend im schönen Seebad Aken. Herr Reich musste Herrn Nova und mir mitteilen, was sich schon über den ganzen, fast 80km langen Tag leise angedeutet hatte: sein Knie machte nicht mehr mit. Wir planten, dass er am folgenden Tag von Aken aus mit dem Zug wieder die Heimreise antreten sollte – auch das gestaltete sich schwieriger als erwartet. Aber mehr dazu im nächsten Teil.

Nachtrag: Der Tag war gar nicht sooo schlimm, wie es hier klingt. Etwas Abenteuerliches hatte er durchaus und wir haben – wie auch an jedem der Folgetage – wirklich schöne und vor allem informative Gespräche mit anderen Radlern gehabt. Rückblickend überwiegt aber schon der Nichts-klappt-hier-Faktor dieses ersten richtigen Tourtages.

1 Kommentar:

Clark Nova hat gesagt…

die selbstgebastelte karte ist wirklich schön!