Montag, September 03, 2012

Trondheim II

Erstmal: Tadaaaa! Das ist der 400. Post! Außerdem hatte der Blog neulich 6. Geburtstag und seinen 20.000. Besucher! Leider zählt die Besucherzählung erst seit 2009, die ersten drei Blogjahre sind da also gar nicht mit drin. Neuerdings ist das Germanistinnenwerk übrigens auch in einer Auflistung Leipziger Blogs bzw. Leipziger Blogger vertreten (guckst du hier).

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Der zweite Trondheim-Tag war wesentlich freundlicher als der erste, was das Wetter betraf. Nach der obligatorischen Straßenbahnfahrt in die Innenstadt, die jedes Mal einen tollen Blick auf Trondheim bot, wurde als erstes das Schiffahrtsmuseum angesteuert. Dieses liebevoll gemachte Museum bietet vor allem eine Menge Schiffsmodelle und Informationen über die Schifffahrt und den Schiffbau Norwegens im Wandel der Zeit. Hatte es in früheren Jahrhunderten nur Handelsschiffe und die Königliche Flotte gegeben, musste man im 19. Jahrhundert auf die steigenden Touristenzahlen vor allem aus Deutschland und England reagieren und baute zunehmend auch Passagierschiffe und Fähren. Es gibt auch einen tollen kurzen Film zu sehen über einen mittlerweile greisen Mann aus Trondheim, der als Jugendlicher im Hafen der Stadt zum Matrosen ausgebildet wurde und aus jener Zeit berichtet. Und für Kinder gibt es auch eine Menge - sie können sich als Matrosen und Kapitäne verkleiden und in Kajüten spielen. Ich habe nur Ersteres gemacht ;)



Dass es in Trondheim viel Kunst zu sehen gibt, hat der vorige Beitrag ja bereits angedeutet. Aber es gibt sogar noch mehr ;). An allen Ecken sieht man Galerien und wundert sich, wieviele davon eine 180.000-Einwohnerstadt wohl verkraftet. Ein besonderes Kunstwerk erwartet den Besucher an überraschender Stelle: im Untergeschoss des Sitzes der Sparebank. Dort wird in einem separaten Raum das Werk "Salamandernacht" des einheimischen Künstlers Kjell Erik Killi Olsen ausgestellt. Dieser hatte es 1989 für die Biennale in Sao Paulo geschaffen. Es besteht aus 72 humanoiden Skulpturen, die jeweils über drei Meter hoch sind. Die Botschaft des Werkes ist ein Protest gegen die Abholzung des brasilianischen Regenwaldes - in der Tat erinnern die Figuren etwas an tote Baumstämme. Nach der Biennale hat der Künstler die "Salamandernacht" der Stadt Trondheim geschenkt.



Ebenfalls im UG dieser Bank befindet sich eine Kirchenruine aus dem 12. Jahrhundert. Diese Überreste waren während der Bauarbeiten der Bank entdeckt worden und können nun gratis während der Öffnungszeiten besichtigt werden. Zu sehen sind die Grundmauern; außerdem kann man sich umfassend und interaktiv über den früheren Kirchenbau und die Stadtgeschichte belesen.


Es geht zurück in Richtung des Marktes. Neben dem früheren Hauptsitz der hiesigen Freimaurerloge befindet sich hier auch die romanisch anmutende Liebfrauenkirche. Ganz im Gegensatz zum kühlen, durch seinen horrenden Eintrittspreis abschreckenden Dom empfängt diese schlichte Kirche den Besucher sehr warm und herzlich. Innen bietet die karitative Stadtmission Kaffee an, es proben gerade ein Violinist und der Organist. Vor allem ältere, finanziell bedürftige Menschen halten sich hier auf. Eine mir wenig sympathische Ukrainerin wird mir später berichten, dass das ein eher asozialer Ort sei - ich aber fand die Atmosphäre und die gute Laune in dieser Kirche wunderbar.



Dann schlenderten wir in Richtung des imposanten, auf einer Anhöhe thronenden Hauptgebäudes der NTNU (Naturwissenschaftlich-Technische Universität Norwegens). Mit ca. 20.000 Studenten ist dies die zweitgrößte Uni des Landes. Neben technischen und naturwissenschaftlichen Studiengängen kann man hier auch Kunst und Geisteswissenschaften studieren. Wie es der Zufall so will, habe ich just im Juli eine Germanistikstudentin dieser Uni kennen gelernt, als ich Beisitzerin bei mündlichen Prüfungen von Erasmusstudenten hier in Leipzig war. Auf dem Weg zum Unihauptgebäude kam die Sonne heraus und versteckte sich an diesem Tag auch nicht mehr. 

Zentrumshalbinsel mit Dom vom anderen Ufer des Flusses Nidelva aus

Hauptgebäude der Uni Trondheim ... nicht schlecht.

Dann ging es auch schon mit dem Mietwagen 100km gen Osten in die Ferienhütte Gilsa - die eigentlich ein veritables Landhaus mit Sauna, fünf Schlafzimmern und allem Drum und Dran war, mitten im norwegischen Outback nahe der schwedischen Grenze gelegen. Aber das soll beim nächsten Mal das Thema sein.

Jetzt geht es um: Sehenswürdigkeiten, die wir aus Wetter-, Geld- oder Zeitgründen ausgelassen haben. Zu allererst ist da die Insel Munkholmen zu nennen ('Mönchsinsel'). Sie liegt 2km vor der Stadt im Trondheimfjord und ist beliebtes Sommerausflugsziel bei Einheimischen und Touristen, weil sie einen Strand und schöne Wiesen zum Rumliegen und Picknicken bietet. Die erste Erwähnung der Insel stammt aus dem 12. Jahrhundert - als Hinrichtungsstätte. Später wurde hier ein Benediktinerkloster gegründet; während der Reformation mussten sich die katholischen Mönche aber den Protestanten ergeben und das Kloster verfiel. Während der zahlreichen Kriege gegen Schweden und / oder Dänemark und Russland im 17. Jahrhundert fungierte die Insel als Festung. Dann war sie lange Zeit Staatsgefängnis; während des Zweiten Weltkriegs nutzten die Deutschen sie als Verteidigungsanlage. Reste dieser deutschen Anlagen sowie die Festung kann man heute noch besichtigen. Wäre das Wetter sommerlicher gewesen, hätte ich die Insel sicherlich besucht.

(Quelle: http://www.skyscrapercity.com/showthread.php?p=59997917)

Nicht gewesen sind wir zudem auf dem Tyholt-Turm, dem Fernsehturm Trondheims, der mit 124m das höchste Gebäude der Stadt darstellt. Er wurde 1985 errichtet und wie es sich für einen solchen Turm gehört, befindet sich ein rotierendes Panoramarestaurant darin. Tyholt ist ein Stadtteil östlich des Zentrums.
Ebenfalls östlich der Altstadt befindet sich auf einer Anhöhe der generell sehr bergigen Region die Festung Kristiansten, welche die Stadt vor allem vor schwedischen Angriffen aus dem Osten schützen sollte. 

Festung Kristiansten (Bild im Netz frei verfügbar - creative commons-Lizenz)

Und im nächsten Eintrag gehen wir in schwedische Supermärkte und wandern durch die Natur! :)

Donnerstag, August 30, 2012

Trondheim

Die Masterarbeit ist abgegeben, mit einem Ergebnis ist aber nicht vor Mitte Oktober zu rechnen. Das heißt - den schnuckeligen Studentenstatus werde ich auch im Wintersemester vergnüglich ausnutzen, mit allen Vorteilen an Sauna- und Museumskassen und dem Semesterticket, auf das ich in den kalten Monaten ungern verzichten würde.

Einen Tag nach dem Einreichen der Arbeit ging es aber erst einmal nach Trondheim. Das mag zunächst als eher abwegiges Urlaubsziel gelten, immerhin ist es weniger hip als Amsterdam oder Stockholm und hat mit Sommer viel weniger zu tun als Südfrankreich oder Kroatien. Und tatsächlich - warm war es dort nicht gerade. 
Mein Grund, dahin zu reisen, ist ein ganz simpler: ich habe da Verwandtschaft. Einer meiner Cousins ist vor ein paar Jahren zusammen mit seiner Freundin dorthin ausgewandert. Zunächst nur temporär im Rahmen eines Erasmussemesters, etwas später aber zur Gänze. Die beiden haben schließlich ihre Studienabschlüsse bzw. die Promotion dort absolviert, sind dort berufstätig. Und da wäre es doch eine Schande gewesen, sie nicht irgendwann mal zu besuchen, wenn man schon den Komfort einer kostenlosen Privatunterkunft genießen kann. Obendrein kam vor wenigen Wochen eine Einladung ins Haus geflattert - sowohl Cousin als auch Freundin wurden in diesem Sommer 30 und haben für ein Wochenende eine Hütte in der norwegischen Natur für sich und ihre Gäste gemietet ... :)

Bevor es losging, wurde aber noch geshoppt - aus Norwegen erhielten wir nämlich zahlreiche Aufträge, was wir aus der alten Heimat mitbringen sollten. Dass neben typischen Artikeln wie Bratwurst, Senf und Worcestersauce auch Produkte wie Zahnpasta, Duschgel und Mascara aus der Einkaufsliste standen, gewährte einen ersten Einblick in die norwegischen Preisverhältnisse.

Die Reise begann am 22. August um 9:25 Uhr vormittags, da fuhr der Connex Richtung Berlin am Leipziger Hauptbahnhof ab. Vom HBF Berlin aus kommt man schnell und günstig mit einem Bus, der fünfminütlich fährt, zum Flughafen Tegel - dass der noch offen ist, ist ja auch nur der Causa Flughafen Berlin-Brandenburg zu verdanken, eigentlich war die Schließung für Juni vorgesehen. Tegel hat seine besten Zeiten bereits hinter sich, soviel steht fest. Wobei der Fifties-Charme der Gebäude sowohl von Innen als auch von Außen durchaus was für sich hat ... und immerhin ist er noch der viertgrößte Flughafen der Bundesrepublik, gemessen an den jährlichen Passagierzahlen.

Geflogen wurde mit Royal Dutch Airlines (KLM),
incl. Gratisessen und -getränken

Am Flughafen in Berlin hatten wir bis zum Start des Fliegers gegen 17:30 Uhr ziemlich lang Aufenthalt. So ist das eben, wenn man die günstigste Zugverbindung auswählt und nicht die zeitlich passendste. Aber dank des flughafenansässigen Starbucks und einiger Bücher verging die Zeit überraschend schnell. Zunächst flogen wir nach Amsterdam (Flugdauer knapp 60Min) - Direktverbindungen nach Trondheim gibt es an deutschen Flughäfen nicht. Der Airport Amsterdam Schiphol ist gigantisch, nach London-Heathrow, Charles-de-Gaulle in Paris und dem Frankfurter Flughafen der viertgrößte des Kontinents. Überall Shops, dicke Touristen und Heineken, Heineken, Heineken. Nach knapp zwei Stunden Aufenthalt ging es dann ins Flugzeug nach Trondheim. Die reichlich zweistündige Flugzeit versüßte mir der herrliche Sonnenuntergang. Gegen 22:45 Uhr landeten wir dann auf dem Lufthavn Trondheim. Dieser Flughafen bedient vor allem inländischen Routen, der überwältigende Großteil nach Oslo (die Verbindung Trondheim-Oslo ist die meistgeflogene Europas). Ehe wir meinen Cousin in der Eingangshalle trafen, plünderten wir noch den Duty Free-Shop in seinem Auftrag. Diese Shops befinden sich ja auf staatenlosem Gebiet, und deswegen stellen sie im Grunde die einzige Möglichkeit dar, harten Alkohol zu halbwegs normalen Preisen nach Norwegen zu bekommen. Nach über 15 Stunden Reisezeit kamen wir gegen Mitternacht endlich in der Wohnung unserer Gastgeber an ...



Nachdem es fast die ganze Nacht geregnet hatte, begann der erste Tag in Trondheim neblig-feucht und kühl. Über den Tag gab es zwar immer mal wieder kleinere Auflockerungen, aber es blieb für meinen Geschmack zu kalt und war sehr windig. Man muss bedenken, dass wir Deutschland bei subtropischem Klima verlassen hatten. Mit der einzigen Staßenbahnlinie der Stadt fuhren wir aus dem Viertel, in dem mein Cousin wohnt, hinunter in die Innenstadt. "Hinunter" bedeutet in diesem Fall, dass die kleine tapfere Bahn einen gehörigen Höhenunterschied von der idyllischen Holzhäuschenbergsiedlung Lian in die auf Meeresniveau gelegene und fast gänzlich von Wasser umgebene Halbinsel mit der City zurücklegen muss. Eine Einzelfahrt kostet umgerechnet schlappe 5€. Unser erster Weg führte in die Touristeninformation, wo wir uns mit einem Stadtplan ausstatteten. Die Info befindet sich am Marktplatz der Stadt, von hier aus kann man in wenigen Minuten jede Sehenswürdigkeit zu Fuß erreichen. Die Trondheimer Innenstadt ist überschaubar; auch wenn man Museen besichtigt, hat man in zwei Tagen annähernd alles gesehen. Aufgrund mehrerer immenser Stadtbrände in früheren Jahrhunderten gibt es übrigens fast keine Bauten aus dem Mittelalter mehr, das Stadtbild macht einen eher jungen Eindruck.

Luftaufnahme der Innenstadt-Halbinsel
(Quelle: Fotostream des Hafens Trondheim auf flickr)

Markt von Trondheim

City Map

Und schnell bemerkt man auch die Globalisierungseffekte, die mir auch München hatten etwas fad schmecken lassen. Zara, H&M, Benetton, dazu Burger King und McDonald's - die Shops sind in jeder größeren Stadt die gleichen. Doch erfrischenderweise hat Trondheim auch viel Lokalspezifisches zu bieten, Anglershops beispielsweise oder kleine Boutiquen und Läden, die keiner Kette angehören.

Der erste Weg führte zum Dom Trondheims, zum Nidarosdom. Die erste Kirche wurde bereits im 11. Jahrhundert an dieser Stelle gebaut, auf der Grabstätte des norwegischen Königs Olav II Haraldsson. In seinem heutigen, neogotischen Erscheinungsbild steht er erst seit ca. 100 Jahren so da, nur der Korpus des Gebäudes stammt aus dem 12. Jahrhundert. Leider kann ich keine Auskünfte über die Innenausstattung liefern - der Eintritt in das Gotteshaus war unverschämt hoch. Hinter dem Dom befindet sich das Areal des alten Erzbischofssitzes, das auch zu den ältesten Teilen des sonst eher jungen Trondheims gehört. Dort gibt es einige Museen und regelmäßige Kulturveranstaltungen. Wir haben nur die Rüstkammer besichtigt.




Direkt neben dem Dom befindet sich das Kunstmuseum der Stadt. Das hatte gerade frisch wiedereröffnet und bot eine umfassende Ausstellung zum Thema Gemeinsamkeit. Künstler aus ganz Europa haben Fotografien, Videoinstallationen, Skulpturen und Zeichnungen beigesteuert, die die Themenkomplexe Weltreligionen, Imigration / Ausstoßung und Menschenrechte umkreisten. Eine weitere Dependenz dieses Museums, die sich etwas abseits der Zentrumshalbinsel befindet, haben wir an diesem Tag auch noch besichtigt. Hier waren vor allem Gemälde und Fotografien zeitgenössischer norwegischer KünstlerInnen ausgestellt. Besonders die Arbeiten von Anne Breivik, die erst in diesem Jahr verstorben ist, haben mir gut gefallen. Leider hat sie das Massaker ihres Landsmannes und Namensvetters noch mitbekommen müssen. Das Urteil gegen Anders Breivik wurde übrigens auch während meines Trondheim-Aufenthaltes ausgesprochen.

Dann haben wir einen Spaziergang durch eine der repräsentativen Straßen der Innenstadt gemacht (Munkegata) und den Hafen besichtigt. Trondheim liegt am Trondheimfjord unweit des Atlatiks, weswegen hier auch sehr große Kreuzfahrtschiffe der Hurtigrutenlinie und Fähren nach Kristiansund anlegen. Zum Hafen gehört auch der Kanalhafen. Malerisch bunte Holzhäuser, ehemals Speichergebäude, reihen sich hier aneinander. Leider werden diese nicht mehr als Wohn- und Lagerstätten benutzt, heute sind vor allem Büros und teure Restaurants darin. Dennoch ein toller Anblick.


Der Kanalhafen mit den farbenfrohen Speichergebäuden


Die Viertel Mollenberg und Bakklandet westlich der Halbinsel bieten auch viel Reizendes. Die Nygata, was glaube ich soviel wie Neue Straße heißt, erweckt einen regelrecht dörflichen Eindruck. Obwohl man hier so nah am Zentrum ist, hat keines der niedlichen Holzhäuschen mehr als zwei bis drei Etagen. Überall befinden sich kleine Cafés oder Läden, in denen Handgemachtes angeboten wird. Man kann sich glatt vorkommen wie in einem skandinavischen Heimatfilm. Dieser Teil der Stadt stammt aus dem 17. Jahrhundert.

Nygata

Wieder auf die Zentrumshalbinsel geht es über die Alte Stadtbrücke, auf norwegisch Gamle Bryboen. Diese Brücke verbindet das Zentrum mit dem Viertel Bakklandet und wurde 1862 errichtet. Die erste Brücke an dieser Stelle wurde 200 Jahre zuvor gebaut; zu ihr gehörten je ein Wächterhaus auf jeder Seite. Eines davon steht heute noch und beherbergt einen Kindergarten. Von der Brücke aus hat mal einen tollen Blick auf den Kanalhafen und die alten Speicher.

Auf der Alten Stadtbrücke, Blick zum Dom

Der erste Tag endete mit einer leckeren Broccoli-Blumenkohl-Suppe, selbstgebrautem Bier und einem schönen Abendspaziergang durch das Viertel Lian zum See. Hier kommt man sich schon gar nicht mehr vor wie in einer der größten Städte Norwegens.



Demnächst geht es weiter mit den Sehenswürdigkeiten, der Natur und vor allem mit Schweden, dem Einkaufsparadies aller Norweger!

Samstag, August 18, 2012

Kinder in Kommoden

Heute musste ich an etwas denken, das schon lange nicht mehr den Weg durch meine Hirnwindungen in mein Bewusstsein gefunden hat. An Sperrmüll. Und das kam so:

Mein Nachbar ist ein mann, der seinen Vor- und Zunamen auf seiner Fußmatte vor der Wohnungstür stehen hat. Und er ist auch ein Mann, der sich seit circa 8 Monaten neu erfindet. Anfang des Jahres wurden bei ihm neue Teppiche verlegt, er hat die Bude tapeziert, den unsäglichen Pflanzenhocker rausgehauen (der uns jetzt als Stereoanlagentischchen dient). Und nun hat er ein neues Sofa. Sein altes hatte er sich noch zu Zeiten gekauft, da diese Stadt noch in der 'Zone' lag. In den Ritzen hat er heute beim Abbauen dieses Sofas noch Ostgeld gefunden. 

Die Einzelteile dieses alten Sofas, das mich in seinem Blassgrau an Zahnarztpraxen denken lässt, liegen nun auf dem Hinterhof. Und auf den Einzelteilen liegen die Enkelkinder des Ehepaares aus dem Erdgeschoss. Bei denen ist, sobald die Sonne scheint, immer mächtig was los. Ein Haufen junger Leute mit kleinen Kindern bevölkern dann Balkon und Hinterhof, machen allerliebsten Kinderkrach, lachen, schreien, heulen und lassen Plastebälle auf den Boden auftitschen. Ich sitze dann gern auf dem Balkon und höre dem Treiben zu, das Leben in dieses träg-dröge Haus bringt. Das alte Zahnarztpraxensofa des Fußmattennachbarn kommt da wie gerufen. Hüpfburg, Spielwiese, frühkindliche Chilloutlounge, die Gedanken sind frei.

Wie ich der semantischen Neubestimmung des Sofas so zuschaue, arbeiten sich die Sperrmüllerinnerungen herauf. Zweimal im jahr Fieberten alle Kinder des Plattenbaublocks mit über 126 Wohnungen, in dem meine Familie wohnte, diesem Ereignis entgegen, sobald ein Zettel an der Treppenhauspinnwand den Abholtermin verkündete. Auf der großen Wiese neben den Mülltonnen begannen sich bereits eine Woche vor diesem Tag die ausrangierten Möbel, alten Fahrräder, kaputten Wäschekörbe zu stapeln; und irgendwer stellte immer eine prähistorische Waschmaschine dazu, obwohl das ausdrücklich nicht zu den sperrmüllfähigen Gütern zählte, laut Aushang. Schränke wurden Sammellager und Höhlen, Tische Abwehrschilder, Matratzen Trampoline. Kinder rutschten in Schubladen Müllberge herunter, entsorgte Musikkassetten wurden seziert, und sobald alle zum Abendessen verschwunden waren, wagte sich mal ein einzelner Vater nach unten, um zu sehen, ob man aus der einen Tischplatte, die er aus dem vierten Stock vom Fenster gesehen hatte, noch was machen kann.
Ein Held war der Vater, der statt etwas mitzunehmen ein neues Kleinod dazulegte.

Montag, August 13, 2012

Wie mit einer Pfanne auf den Kopf gehauen

Dauermüde, dauerschlapp, Dauerkopfschmerz, zunehmende Formulierungsunfähigkeit; allmähliches Versagen, logische Zusammenhänge zu begreifen und aufs Papier zu bringen. So langsam aber sicher raubt mir diese Arbeit die letzten Nerven und den Verstand. Gott sei Dank ist das bald vorbei. Dann gehts erstmal vier Tage nach Trondheim. Und in einen hoffentlich spätsommerlichen September.

Gestern habe ich mir, wie auch schon vergangenen Sonntag, 'frei' genommen von der Abschlussarbeit. Stattdessen war ich im Stadion beim Fußball. Das erste Punktspiel der Saison von RB Leipzig, gegen die zweite Mannschaft von Union Berlin. Gemessen an dem, was man von zweiten Mannschaften im Schnitt erwarten darf und was RB sich vorgenommen hat, war das schon enttäuschend zu sehen. Unions Team war im Schnitt 19,5 Jahre alt, hat richtig gut verteidigt und war mehr als gleichwertig. RB war schluderig, viele Fehlpässe. Am Ende stand es 1:1. Das erste Tor erzielte Union durch einen astreinen und schön bis zu Ende gespielten Konter, bei dem der Berliner Linksaußen Arjen-Robben-Qualitäten gezeigt hat. Der Ausgleich von RB war eher eine Kombination aus Gestocher nach einer Ecke und Glück, dass Unions Torhüter der Ball einmal aus den FIngern geglitten ist.
Dennoch war das kein schlechter Fußballtag. Das Wetter war schön, immerhin knapp 8000 Leute im Stadion. Kennt ihr Tim Lobinger, den ehemaligen Stabhochspinger und aktuellen Inhaber des deutschen Rekordes in dieser Sportart? Genau der ist jetzt Athletiktrainer bei RB Leipzig und saß ein paar Meter vor uns zusammen mit Trainerteam und Ersatzspielern auf der Bank. Und am Abend beim SuperCup der DFL hat Bayern München endlich mal wieder gegen Borussia Dortmund gewonnen, wenn auch gegen Ende etwas glücklicher als nötig.


Dienstag, August 07, 2012

Wo ist Jonathan Frakes, wenn ich ihn mal wirklich brauche?

Erinnert ihr euch an Jonathan Frakes? Das ist der vertrauenswürdige Mann, der X-Factor - Das Unfassbare moderiert hat, diese amerikanische TV-Sendung, in der immer unglaubliche, mysteriöse Geschichten vorgestellt wurden, von denen am Ende ein paar so passiert sind und ein paar erfunden waren.

In meinen Blogstatistiken wird es nämlich auch immer mysteriöser. Seit irgendwann in der letzten Woche verzeichne ich einen kleinen Boom. Dank meiner unglaublichen investigativen und prokrastinatorischen Fähigkeiten habe ich einen Grund dafür schnell ausgemacht: der Blogzug. Schon mal was davon gehört? Blogzug.com ist eine Internetseite, bei der man seinen Blog anmelden und "listen" kann. Je nach dem wie aktiv man dort ist, ist man ein Erste-Klasse-Passagier oder "sitzt" in diesem oder jenem Abteil. Diese Dinge haben Auswirkung darauf, wie weit oben der Blog in der Liste steht und wieviele Leute potenziell den Link zu deinem Blog entdecken können. Sinn und Zweck dieser Seite ist es also, dass man mehr Follower für seinen Blog rekrutieren kann, dass der Link einer größeren Anzahl von Leuten in der Netzgemeinde vorgeschlagen wird. Und nun rauschten in den letzten Tagen diverse Besucher über die Zugriffsquelle Blogzug.com auf das Germanistinnenwerk hier.

Das Komische an der Sache ist nur: ich bin da gar nicht angemeldet, habe und hatte das niemals vor. Wie kommt mein Blog auf den Blogzug? Mir ist das alles schleierhaft. 

Weitere, mir bekannte Gründe für den steigenden Zulauf kann man zum Einen in meinem wieder regelmäßigen Postverhalten sehen - es lohnt sich für die Leser, gerade für die, deren Lebensinhalt nicht Fußball ist, mittlerweile wieder, öfter mal reinzuschauen. Zudem haben die Kaufland-Posts wohl zu einigen Klicks geführt. Über das Suchwort 'Kaufland' gab es diesen Monat mehr als 20 Besucher. Dahinter geben sich Weinschorle, lipz Schorle und einer der Dozenten der Leipziger Germanistik die Klinke in die Hand.

Samstag, August 04, 2012

Iggy Pop, The Doors und Glam Rock

Ich nehme an, die meisten kennen Iggy Pop bzw. seine Band Iggy Pop and The Stooges. Sollte das nicht der Fall sein, dann kennt man zumindest aus dem Radio den größten Hit von Iggy, "The Passenger":


Der Song entstand 1975; in einer Zeit, in der es Iggy Pop, der bürgerlich James Newell Osterberg heißt, nicht so gut ging. Er war gerade mal wieder aufgrund seines selbstzerstörerischen Lebensstils in einer Entzugsklinik. Jeden Samstag durfte er tagsüber raus und in die Stadt. Auf einem Werbeplakat für einen neuen Kinofilm las er dessen Titel - The Passenger. Es handelt sich dabei um ein Psychodrama mit Jack Nicholson in der Hauptrolle, er spielt einen Reporter. Eine weitere Inspirationsquelle war ein Gedicht aus einem Lyrikband von Jim Morrison, der vier Jahre zuvor im Alter von 27 Jahren tot in seiner Badewanne aufgefunden worden war. Leider finde ich das Gedicht nirgends; ich berufe mich auf ein Iggy Pop-Interview aus einer Dokumentation. In besagtem Morrison-Gedicht vergleicht er das Leben mit einer Autofahrt und die Menschen mit den Passagieren des Fahrzeugs - man kann nicht anhalten, man kann nur das Auto wechseln.
Zudem wäre dieser Song und das Album Lust for Life, auf dem er sich befindet, ohne David Bowie nicht möglich gewesen. Bowie hatte sich Jahre zuvor Iggy Pop angenommen, nahm die Rolle als dessen Mentor ein und päppelte ihn wieder auf. Die Lalala-Passagen in "The Passenger" werden im Original sogar von Bowie gesungen. Zur Entstehungsgeschichte von Song und Album kann man bei Wikipedia übrigens eine Version nachlesen, die sich, abgesehen von der unstrittigen Personalie Bowie, zu 100% von jener Version unterscheidet, die man in verschiedenen Dokumentationen über den Punkrockstar hört. Ich habe mich für die Geschichte aus den Dokumentarfilmen entschieden.

Mein eigentlicher Lieblingssong von Iggy Pop ist "TV Eye". Er befindet sich auf dem zweiten Album von Iggy Pop and The Stooges, das Fun House (1970) heißt. Kennen gelernt habe ich diesen Song aber über Umwege in dem Film Velvet Goldmine. Das ist ein Streifen von 1998, der als Hommage an die Glamrock-Zeit gedacht und mit Christian Bale, Ewan McGregor, Toni Collette und Jonathan Rhys-Meyers enorm hochkarätig besetzt ist. Zudem wurde der Film vom R.E.M.-Sänger Michael Stipe produziert, die Band Placebo hat mehrere Gastauftritte. Jonathan Rhys-Meyers spielt eine Figur, die nah an David Bowie (da haben wir ihn wieder) bzw. dessen Kunstfigur Ziggy Stardust angelegt ist. McGregor verkörpert den Punkrocker Curt Wild, irgendwo zwischen Iggy Pop, Lou Reed und Kurt Cobain. Der Song "TV Eye" wird dementsprechend von Ewan McGregor, ziemlich zu Beginn des Films, zum Besten gegeben. Hier die Szene im englischen Originalton (Achtung: explicit content), darunter das Original von Iggy und den Stooges:



Dass Ewan McGregor passabel singen kann, ist spätestens seit Moulin Rouge nichts Neues mehr. In Velvet Goldmine gibt es noch einen weiteren Soloauftritt seines Filmcharakters Curt Wild, der einen wünschen lässt, McGregor würde eine Zweitkarriere als Musiker beginnen. Auch wenn der Film in meine Teenage-Zeit gehört und heute allenfalls historischen Wert hat - diese Filmszene verliert ihren Zauber auf mich nicht:

Donnerstag, August 02, 2012

Netzfundstück

Sehr sehens- und hörenswert:

Sonntag, Juli 29, 2012

Olympische Spiele, Sommer! und Pläne

Die Masterarbeit mastert immer noch vor sich herum, und dabei gibt es sooo viele Dinge, die ich lieber täte. Andauernd in der Sonne liegen zum Beispiel, denn die hat sich ja letzte Woche auf eklatanteste Weise blicken lassen. Mit einem Grillabend im Park und langen Abenden auf dem Balkon, zu zweit oder zu mehrt, mit Cidre oder zu viel Pastis, mit Essays oder Musik habe ich den Sommer willkommen geheißen. 

Außerdem hat gestern eine Zeit begonnen, die ich am liebsten ausschließlich vor dem Fernseher verbringen würde - die Olympischen Spiele 2012 in London! Letzteres betone ich vor allem aufgrund der daraus resultierenden praktischen Übertragungszeiten. Ich bin generell sehr an Sportübertragungen interessiert, und dieses Interesse geht sogar über Fußball und Wintersport hinaus ;). Ich erinnere mich an eine massive Tennisphase während meiner Teenagerzeit, Leichtathletik und Schwimmen geht sowieso immer. Weitere heimliche Leidenschaften gelten Ruder- und Fechtsportübertragungen. Mal sehen, wie oft ich mir die Olympischen Spiele gönnen werde.

> urstes Update!: Habe die wahnsinns Innovation "Liveticker" für mich entdeckt! Dem simultanen Arbeitschreiben und Sportergebnisse konsumieren steht nichts mehr im Weg! Muhaha!

Nach sommerlichen Aktivitäten und Passivsport käme an Platz 3 der Dinge, die ich derzeit lieber täte: in das Leben meiner Schwester schlüpfen und ihre neue WG einrichten ;)

In den letzten zwei Wochen hatte ich bei meinem "Chef", also dem Professor für neuere deutsche Literatur am germanistischen Institut der Uni, eine spannende Aufgabe. Ich war die Beisitzerin bei mündlichen Prüfungen für Erasmusstudierende. Der Großteil der Studenten stammte aus Frankreich, es gab auch zwei Chinesinnen, zwei american boys, eine Finnin, eine Norwegerin, eine Tschechin, eine Polin, eine junge Frau aus Israel. Fast alle wurden zu einer Überblicksvorlesung zur deutschen Literatur vom 17. bis zum 20. Jahrhundert geprüft, mit den Schwerpunkten Barock, Romantik und Realismus. Dementsprechend gab es in fast jeder Prüfung die annähernd gleichen Fragen ... Was wissen Sie über die Zeit des Barock? Worum geht es in "Die Leiden des jungen Werther"? Was unterscheidet einen romantischen von einem realistischen Text? Meine Aufgabe dabei war es Protokoll zu führen, ein wenig auf die Einhaltung gewisser Rahmenbedingungen zu achten und vor allem die rechtlich notwendige Unterschrift einer zweiten Person neben dem Prüfer zu leisten.
Die Sprachkenntnisse der Prüflinge ließen sich übrigens nicht über Vorurteile an der Nationalität ablesen. Es gab Franzosen mit fließendem und mit nicht vorhandenem Deutsch, währen; die Norwegerin und die Dame aus Israel fast akzentlos und perfekt Deutsch sprachen, eierten sich die Finnin und die Tschechin verloren durch die Fremdsprache. Die Prüfungen mit den beiden Jungs aus den Staaten mussten nach den ersten holperigen Antworten gleich ganz auf Englisch abgehalten werden. Die Chinesinnen verstanden den Prüfer nicht, er verstand die Chinesinnen nicht. Alles in allem niemals langweilig :)

Außerdem hat sich am Donnerstag, enorm spontan, ein Kurztrip nach Trondheim für den August ergeben. Mein Cousin und seine Freundin wohnen seit ein paar Jahren da, als wissenschaftliche Mitarbeiter der dortigen technischen Universität. Da beide in diesem Sommer 30 werden und das groß feiern wollen, habe ich (haben wir) kurz entschlossen der Einladungsrundmail nachgegeben und Bahn- und Zugtickets gebucht. Vielleicht ist sogar ein Stadionbesuch zum Ligaspiel Rosenborg Trondheim gegen Viking Stavanger drin.

Donnerstag, Juli 19, 2012

Statistik, "Sommer" und Tomaten

Seit der Fußball-EM hat das hier ja etwas brach gelegen. Zum Einen lag das daran, dass ich nach den Halbfinals und nach dem Finale keine rechte Lust verspürte, diese Spiele hier zusammen zu fassen, zum Anderen gibt es auch gerade Essentielleres zu tun - nämlich meine Masterarbeit! Ich komme derzeit gut voran, aber so richtig glücklich bin ich mit dem Stand der Arbeit bisher noch nicht.

Meine Blogabwesenheit hat auch dazu geführt, dass ich den Statistiken keine rechte Aufmerksamkeit geschenkt habe. Und überraschenderweise war mein Blog auch nach den Viertelfinals enorm gefragt, obwohl ich gar nichts aktualisiert habe. Bei einem Blick auf die Suchbegriffe, über welche die Besucher hier gelandet sind, wurde der Grund schnell offenkundig: es war mein Eintrag mit dem Fußball-Promiklatsch! 'Lena Gercke Sami Khedira', 'Lena Gercke Stadion', 'Lena Gercke Hotpants', 'Lena Gercke Brust' und allen voran 'Shakira Piqué EM' waren die Schlagwörter, über die zig Leute hierher gefunden haben. Der absolute Dauerbrenner ist und bleibt aber der Suchbegriff 'Placebo Battle for the Sun'; dementsprechend sind die Posts über das Album und die gleichnamige Tour von Placebo auch die mit Abstand meist angesehenen Beiträge von mir.

Was ist sonst zu sagen? Am Wochenende freue ich mich erst mal auf das Konzert von Northern Lite mit SONO als Support in Torgau. Weitere musikalische Pläne für den Herbst (ja, ich denke schon in 'Herbst' ...) sind Get Well Soon im September im Werk II und Atari Teenager Riot im Oktober an gleicher Stelle.

Von Sommer ist dieses Jahr ja nicht so die Rede. Zum einen habe ich offiziell ja gar keine Zeit für Sommer, zum anderen ist ja auch irgendwie kein Sommer da. Immerhin schon einmal habe ich es an den (Cospudener) See geschafft, eine lange laue Balkonsommernacht ist bisher zu verbuchen. Diverse Lese-Sessions auf dem Balkon und am Richard-Wagner-Hain oder im Palmengarten haben mir zwar schon den gewissen sommerlichen Teint verliehen, aber das darf doch trotzdem nicht schon alles gewesen sein?! Angeblich gibts nächste Woche Montag bis Mittwoch mal ein kleines Sonnen- und Wärmeintermezzo ... na, ma kiekn.

Urlaubspläne habe ich bisher keine. An und für sich ist mit einem Wochenende Prag, zwei Tagen München und Ostern auf Rügen ja in dieser Hinsicht auch schon einiges passiert dieses Jahr. Vielleicht bringen September und Oktober noch ein, zwei Kurztrips, beispielsweise zu Freunden nach Baden-Württemberg mit Straßbourg-Abstecher, vielleicht klappts auch noch mit Fußballkarten.

Zu allerletzt noch ein wenig Grün hier: diese vier Tomatenpflanzen suchen neue Besitzer! Es handelt sich bei den drei kleineren um selbst ausgesäte Pflanzen. Die große Pflanze bzw. deren Samen haben Freunde aus Argentinien mitgebracht, das ist eine sehr widerstandsfähige Sorte aus den Anden, die sehr gut und intensiv schmecken soll. Sie blüht auch schon und die ersten kleinen Tomaten zeigen sich in Bälde. Wir haben noch zwei andere davon, und uns gehen langsam die Kapazitäten aus ;)




Mittwoch, Juli 18, 2012

Noch mal ein Kaufland-Gedanke ...

Nachdem das Kaufland nun schon ein Weilchen offen hat, will ich mal ein kleines Zwischenfazit ziehen. 

An der Beurteilung der Angebots- und Platzverhältnisse hat sich nichts geändert. Es ist halt einfach eng da drin, und die Lebensmittel könnten teilweise schlauer platziert sein. So sind z. B. die Maggi- und Knorr-Fix-Produkte ganz am Ende (danach kommen nur noch Drogereiwaren und Getränke sowie Eis). Wenn man sich dann doch mal für einen Auflauf à la Maggi entscheidet, muss man dann wieder ganz zum Anfang zurück, um das Gemüse zu besorgen oder dann die nötigen Milchprodukte.

Aber vor allem möchte ich etwas über den sozialen Aspekt dieser Kaufland-Filiale schreiben. Zu meiner Überraschung ist es bisher kaum zu dem typischen Supermarktphänomen gekommen, dass ein fester Kern von vorwiegend Männern mittleren bis höheren Alters biertrinkend nahe zu täglich davor "herumlungert". Das Gegenteil ist der Fall - regelrecht schleußigereske Eltern mit ziemlich kleinen Kindern sind allerorten zu sehen, einmal wöchentlich stehen drei GreenPeace-Mitarbeiter dort und werben neue Mitglieder an. Ist das schon die sich ankündigende Gentrifizierung Lindenaus?

Die Menschen, die man schnellfertig als Assis bezeichnet, gibt es aber natürlich auch. Und was machen sie? - Man findet sie ausschließlich bei Kaffee und Kuchen an den Tischen der Bäckerfiliale im Kauflandgebäude. Dort sitzt aber zudem noch eine viel interessantere Spezies: der einsame Rentner. So allmählich scheint sich der Sitzbereich dieses Bäckers zu einer Singlebörse 60+ zu mausern. Zu fast jeder Tageszeit kann man beobachten, dass die meisten der Vierertische dort mit jeweils nur einer Person besetzt sind, im Rentenalter, ein Stück Torte und eine Tasse Kaffee vor sich. Ich könnte gar nicht sagen, ob die älteren Damen oder die rüstigen Herren überwiegen. Aber hoffentlich sitzen einige davon bald zu zweit an so einem Tisch :)